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Schwabinger Kunstfund

Weitere Kunstwerke im Internet

Der Kunstfund in München wirft Fragen nach der Herkunft der Werke auf. Eine Taskforce aus Experten arbeitet intensiv an ihrer Klärung. Inzwischen wurden 327 Kunstwerke auf www.lostart.de veröffentlicht. Bei ihnen besteht ein begründeter Verdacht, dass es sich um NS-Raubkunst handelt.

Eugène Delacroix, Reitender Mann mit Turban, aus dem auf www.lostart.de veröffentlichten Kunstfund Aquarell aus dem Schwabinger Kunstfund: Eugène Delacroix, Reitender Mann mit Turban Foto: Koordinierungsstelle Magdeburg/www.lostart.de

Um die Herkunft der Kunstwerke so schnell und transparent wie möglich aufzuklären, wird die Provenienzrecherche auf breiter Basis intensiviert.

Im Fokus stehen zunächst rund 590 Werke, bei denen ein NS-verfolgungsbedingter Entzug nicht ausgeschlossen werden kann. Die Staatsanwaltschaft Augsburg hat veranlasst, dass die Werke, bei denen ein begründeter Verdacht auf NS-verfolgungsbedingten Entzug vorliegt, fortlaufend auf der Internetseite www.lostart.de veröffentlicht werden.

Dies wird von allen auf Bundes- und Landesebene beteiligten Ressorts ausdrücklich begrüßt. Ihre Veröffentlichung geschieht auch im Bewusstsein der Verantwortung Deutschlands für die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen.

Werke auf lostart.de

Bisher wurden Informationen zu 327 Werken auf www.lostart.de eingestellt. Unter den zuletzt veröffentlichten Werken sind Werke von Georges Michel, Jean François Millet, Honoré Daumier und Max Liebermann, Adolph Menzel und André Derain.

Die Liste wird fortlaufend aktualisiert. Informationen zu den ersten 25 Werken aus dem "Schwabinger Kunstfund" waren auf lostart.de bereits seit dem 11. November zu finden.

Taskforce forscht nach Herkunft der Werke

Eine Taskforce aus Expertinnen und Experten für Provenienzrecherche ist dabei, die Herkunft der Werke zu erforschen und zu überprüfen, bei welchen Kunstwerken es sich um NS-Raubkunst handelt. Eingesetzt wurde sie vom Bund und dem Freistaat Bayern.

Die Taskforce ist außerdem Ansprechpartner für potenzielle Anspruchsteller an die von der Staatsanwaltschaft gemeldeten Kunstwerke. Sie nimmt auch Hinweise zur Provenienz einzelner Werke entgegen.

Die Taskforce besteht aus einer Steuerungsgruppe von zehn Personen. Darunter sind Mitarbeiter der Forschungsstelle Entartete Kunst und der Arbeitsstelle für Provenienzrecherche/-forschung (AfP) in Berlin. Zwei Experten werden auch von der Jewish Claims Conference entsandt. Die Expertengruppe wird zudem durch einen Staatsanwalt unterstützt. Das Netzwerk der Provenienzforscherinnen und –forscher, öffentliche Archive und Einrichtungen werden über die AfP ebenfalls eingebunden. Cirka 25 Personen sind unmittelbar mit der Arbeit zur Recherche, Aufbereitung, Umsetzung, Einstellung der Werke befasst.
Koordiniert wird die Arbeit dieser Taskforce von der AfP. Geleitet wird sie von Ingeborg Berggreen-Merkel, der ehemaligen Amtschefin beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und früheren stellvertretenden Beiratsvorsitzenden der AfP. Die wissenschaftliche Leitung der Forschungsarbeit hat Uwe Hartmann von der AfP übernommen.
Kontakt:
Taskforce "Schwabinger Kunstfund"
Geschwister- Scholl-Str.6
10117 Berlin
Fax: 030 266426932
Email: office@taskforce-kunstfund.de

Bund setzt sich für Provenienzrecherche ein

Zwischen 1933 und 1945 verloren zahlreiche Verfolgte des NS-Regimes Kunst- und Kulturgüter. Kunstwerke wurden unter Zwang oder aus Not verkauft, auf der Flucht zurückgelassen, enteignet, beschlagnahmt und vom Staat geraubt.

Die Auffindung und Rückgabe solcher "NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter" ist seit Jahren ein besonderes Anliegen der Bundesregierung. In öffentlichen Einrichtungen setzt sich der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien für eine rasche und umfassende Prüfung der Bestände ein. Der BKM stellt für die dezentrale Provenienzrecherche in staatlichen Kulturinstitutionen jährlich zwei Millionen Euro zur Verfügung, die durch die Arbeitsstelle für Provenienzforschung (AfP) vergeben werden. Die AfP wird gemeinsam von BKM und Kulturstiftung der Länder getragen.

Die Koordinierungsstelle Magdeburg ist in Deutschland die zentrale Anlaufstelle für Fragen der Dokumentation von Kulturgutverlusten. Sie wurde vom Bund und den Ländern eingerichtet. Die Internetseiten der Koordinierungsstelle und die Lost Art Internet-Datenbank sind seit über zehn Jahren etabliert und weltweit als unverzichtbare Dokumentations- und Rechercheinstrumente anerkannt. Verfolgte des nationalsozialistischen Regimes oder ihre Nachfahren haben hier die Möglichkeit, Verlustmeldungen unentgeltlich und ohne bürokratischen Aufwand veröffentlichen zu lassen und somit ihre Ansprüche auf das geraubte, entzogene oder auf andere Weise verloren gegangene Kunst- und Kulturgut zu erheben.

Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände haben im Dezember 1999 eine "Gemeinsame Erklärung" unterzeichnet. Darin verpflichteten sie sich, "NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz" in öffentlichem Besitz zu suchen und für deren Restitution an die Berechtigten oder deren Erben faire und gerechte Lösungen zu finden.

Ein Jahr zuvor hatten 43 Staaten – unter ihnen die Bundesrepublik - auf der Washingtoner Konferenz Grundsätze für die Rückgabe von Vermögenswerten aus der Zeit des Holocaust verabschiedet. 

Donnerstag, 5. Dezember 2013

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