Navigation und Service

Inhalt

Donnerstag, 27. September 2012

Interview

"Belastungen auf breitere Schultern verteilen"

Interview mit:
Ilse Aigner
Quelle:
Sueddeutsche Zeitung

Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung spricht Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner darüber, wie sie die Belastungen der Energiewende künftig gerechter verteilen will. Es müsse verhindert werden, dass Verbraucher überfordert werden oder energieintensive Unternehmen abwandern.

Windkraft und Netzausbau in Norddeutschland Aigner: Energiewende ein großer Erfolg und eine Weltpremiere Foto: Burkard Peter

Süddeutsche Zeitung (SZ): Es sieht aus, als müssten Stromkunden wegen der EEG-Umlage fünf Euro mehr pro Monat zahlen. Ist das zu viel?

Ilse Aigner: Die Energiewende ist unser gemeinsames Ziel - und den Verbrauchern ist bewusst, dass der Ausstieg aus der Atomkraft nicht zum Nulltarif zu haben ist. Die Energiewende muss bezahlbarbleiben, die Lasten müssen gerecht verteilt werden. Ich finde es richtig, die Energieberatung auszubauen. Jetzt steht die nächste Heizperiode bevor: Ich habe deshalb auch kein Verständnis dafür, dass die Gesetzesvorlage zur Gebäudesanierung im Bundesrat blockiert wird.

SZ: Die EEG-Kosten tragen hauptsächlich normale Stromkunden, ist das gerecht?

Aigner: Das EEG gibt einen wichtigen Impuls für die Entwicklung erneuerbarer Energien. Wir brauchen diesen Schub. Aber wir müssen die Technologien Schritt für Schritt in den Markt entlassen. Schon jetzt muss ein Teil des Solarstroms auf dem Markt platziert oder direkt verbraucht werden. Zusätzlich wurde der Ausbau der Photovoltaik auf 52 Gigawatt Leistung gedeckelt.

SZ: Die energieintensive Industrie ist fein raus, die zahlt kaum EEG-Umlage.

Aigner: Das EEG wird kontinuierlich weiterentwickelt, da werden wir plausible Kriterien für die Abgrenzung definieren. Dabei müssen wir verhindern, dass Privatverbraucher überfordert werden oder energieintensive Unternehmen abwandern. Entscheidend ist, dass die Belastungen auf breitere Schultern verteilt werden.

SZ: Wie sehen die breiteren Schultern aus?

Aigner: Bei der Finanzierung der Haftung für den Ausbau der Offshore-Energie haben wir die Schwelle angehoben, bis zu der die Betriebe die volle Umlage bezahlen müssen - von einem Verbrauch von 100.000 Kilowattstunden auf eine Million Kilowattstunden.

SZ: Und wie sieht es beim Netzausbau aus?

Aigner: Wir brauchen den Netzausbau und dafür brauchen wir privates Kapital. Deshalb ist es wichtig, das Risiko für die Offshore-Anlagenbetreiber und für die Netzbetreiber abzumildern. Klar ist auch: Es kann nicht sein, dass das Risiko auf die Verbraucher abgewälzt und den Investoren gleichzeitig eine hohe Rendite gewährt wird.

SZ: Ist die Energiewende nicht ein Chaos?

Aigner: Aussteigen ist leicht, umsteigen ist schwerer. Die Union hat den Grünen ihr Lieblingsthema genommen, deshalb wundere ich mich nicht über manche schrille Kommentare. Die Grünen haben doch bis heute keinen Plan. Tatsache ist: Unsere Energiewende ist ein großer Erfolg und eine Weltpremiere - nur müssen wir sie in der Öffentlichkeit noch besser vermitteln. Die Fortschritte müssen sichtbarer, die Kosten erklärt werden, deshalb brauchen wir mehr Transparenz.

Das Interview führte Johanna Pfund für die Süddeutsche Zeitung.

Seitenübersicht

Beiträge