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Freitag, 3. Dezember 2010

Interview

"Deutsche sind weltoffen und freundlich"

Interview mit:
Thomas de Maizière
Quelle:
in Bild

Sport bietet die besten Voraussetzungen, dass Integration gelingen kann. Das betont Bundesinnenminister Thomas de Maizière in der Bild-Zeitung. Der Minister ist zudem optimistisch, was die Chancen der Olympia-Bewerbung Münchens angeht und freut sich auf die Frauen-Fußball-WM 2011 im eigenen Land.

Ein Plakatierer beklebt eine Plakatwand.Der Startschuss ist gefallen: Muenchen 2018 stellt Logo fuer Bewerbung um Olympische Winterspiele vor. In den kommenden Monaten für München 2018 werben Foto: picture-alliance / Sven Simon

Bild: Morgen bei der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes werden Sie auch zur Olympia-Bewerbung Münchens für 2018 Stellung beziehen. Wie sehen Sie die Chancen?

Thomas de Maizière: „Ich werde zunehmend optimistischer. Unsere Bewerbung wird immer besser. Katarina Witt ist die perfekte Botschafterin, Dr. Thomas Bach macht sowieso einen hervorragenden Job. Außerdem höre ich von vielen Sportlern aus aller Welt, dass sie 2018 am liebsten nach München kommen würden. Das sollte für das IOC ein zentrales Argument sein."

Bild: Was tut die Bundesregierung, damit die Bewerbung ein Erfolg wird?

De Maizière: „Wir werden in den kommenden Monaten in nationalen und internationalen Gesprächen für München 2018 werben. Und Mitte Dezember wird die Bundeskanzlerin zusammen mit den anderen Beteiligten das sogenannte Multi-Party-Agreement unterzeichnen, das insbesondere die vom IOC geforderten Regierungsgarantien enthält."

Bild: Warum ist Olympia wichtig für Deutschland?

De Maizière: „Olympische Spiele in Deutschland würden dem Wintersport - und sicher auch dem Sport allgemein - hierzulande viele Impulse geben. Und dann sind Olympische Spiele natürlich wieder eine hervorragende Gelegenheit zu zeigen, was wir Deutschen können und dass wir weltoffen und freundlich sind. Wir Deutschen sind als vergleichsweise kleines, sehr exportfreudiges Volk auf ein gutes Ansehen in der Welt angewiesen."

Bild: Beunruhigen Sie die immer wieder auftauchenden Bestechungsvorwürfe bei IOC oder Fifa?

De Maizière: „Das besorgt mich natürlich. Die Vorfälle müssen richtig aufgeklärt werden. Von Einzelfällen darf man zwar nicht immer gleich zwingend auf ein strukturelles Problem schließen. Aber ein paar Lehren sollte man jedenfalls ziehen. Vielleicht ist es nicht gut, wenn man zu lange solchen Gremien angehört. Außerdem müssen Bewerbungsverfahren um Olympische Spiele oder auch die Fußball-WM so transparent wie möglich sein."

Bild: Das nächste Großereignis in Deutschland ist 2011 die Frauen-Fußball-WM. Was erwarten Sie?

De Maizière: "Vielleicht legen durch dieses Turnier viele Männer endlich ihren Hochmut gegenüber dem Frauen-Fußball ab. Die Frauen spielen elegant und auf technisch hohem Niveau. Zudem haben sie bessere Chancen den Titel zu holen als die Männer."

Bild: Sie waren vor gut einem Jahr bei der Trauerfeier von Nationaltorwart Robert Enke. Hat sein Tod etwas verändert?

De Maizière: „Theo Zwanziger hat diese großartige Rede im Stadion gehalten. Ich habe gehofft, dass sie nachhaltig wirkt. Wir sehen jetzt nach einem Jahr, dass sie nicht nachhaltig genug gewirkt hat. Aber dass Leistung auch Grenzen hat und einen zu hohen Preis fordern kann, das ist schon bei vielen angekommen."

Bild: Sie betonen immer wieder, wie wichtig der Sport für unsere Gesellschaft ist. Gilt das auch für die Integration?

De Maizire: „Der Sport bietet die besten Voraussetzungen, dass Integration gelingen kann. Gemeinsam Mathe oder Physik zu lernen, ist mühsam. Auch das Imponiergehabe von Halbstarken in der U-Bahn auszuhalten, ist oft mühsam. Aber im Sport, da geht vieles zusammen. Da gibt es einfach keine Hemmschwelten, sich zu begegnen. Die Sportler tragen alle das gleiche Trikot, das Klassen und Geldbeutelunterschiede sofort wegnimmt. Und es gibt ein festes Regelwerk auf dem Platz, das alle akzeptieren. Hinzu kommt das Vereinsleben, in dem sich die Kulturen ganz natürlich vermischen."

Bild: Ist Özil der perfekte Botschafter für diese Integration?

De Maiziere: „Wie er sich zu Deutschland bekennt, finde ich sehr gut. Aber Vorsicht an einer anderen Stelle: Man darf den Düngen mit seinen 22 Jahren nicht überfordern. Özil wird jetzt überall herumgereicht, das sehe ich mit etwas Sorge."

Bild: Erfolgreicher Sport setzt eine erfolgreiche Förderung voraus. Ist das Sportförderprogramm des Bundes gesichert, auch nach dem Wegfall der Wehrpflicht?

De Maiziere: „Was die Bundespolizei angeht - ja! Auch im Konzept des Kollegen zu Guttenberg steht fest drin, dass die Förderung durch die Bundeswehr erhalten bleibt. Der Grundsatz, das Niveau und das Prinzip bleiben erhalten."

Bild: Ein ganz anderes Thema: Wurden auf Grund der Terrorgefahr die Sicherheitsvorkehrrungen bei der Bundesliga erhöht?

De Maizière: „Wir haben eingespielte Verfahren bei Großveranstaltungen aller Art. Die Sicherheitsmaßnahmen sind da. Aber das Abhalten von Fußballspielen mit stark bewaffneten Sicherheitsleuten und kreisenden Hubschraubern machen wir nicht. Wir lassen uns die Freude am Sport nicht verderben."

Bild: Wie sportlich ist der Sport-Minister selbst?

De Maizière: „Ich bin ein richtiger Straßenfußballer gewesen. Das Scheppern der Garagentore ist mir unvergessen. Heute bin ich ein ordentlicher Squash-Spieler, meinen 20-jährigen Sohn schlage ich - zu seinem Leidwesen - immer noch."

Das Gespräch führten Alfred Draxler und Matthias Brügelmann

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