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Donnerstag, 13. Juni 2013

"Ein modernes Haus hätte nicht gepasst"

Interview mit:
Bernd Neumann
Quelle:
Weser-Kurier

Kulturstaatsminister Bernd Neumann sprach mit dem Weser-Kurier über den Bau des Berliner Stadtschlosses.

Das Interview im Wortlaut:

Weser-Kurier: Um den Neubau des Stadtschlosses wurde lange gestritten. Was bedeutet die Grundsteinlegung für die Auseinandersetzung?

Bernd Neumann: Die Grundsteinlegung bedeutet, dass die Entscheidung für den Wiederaufbau unverrückbar ist. Die Diskussion ist damit abgeschlossen. Das heißt nicht, dass keine kritischen Fragen mehr gestellt werden dürfen, aber heute ist klar: Das Schloss wird errichtet.

Weser-Kurier: In einer aktuellen Umfrage haben sich 65 Prozent der Befragten gegen das Stadtschloss ausgesprochen. Warum wird trotz solch eines Widerstands gebaut?

Neumann: Wenn wir zu allen Zeiten Großbauten wie zum Beispiel Schlösser oder Museen zur Abstimmung gestellt hätten, gäbe es solches wertvolles kulturelles Erbe heute vermutlich nicht. Ich bin sicher, dass die Stadtmitte mit dem Schloss die architektonische Attraktion in Berlin wird. Wenn man 2019 noch einmal eine Umfrage zum Schloss macht, wird auch die Zustimmung groß sein.

Weser-Kurier: Haben Sie von Anfang an zu dem Projekt gestanden?

Neumann: Ich bin ein uneingeschränkter Befürworter. Als ich vor knapp acht Jahren als Kulturstaatsminister die Verantwortung für das Projekt bekam, gab es bis in die Regierung hinein Zweifel daran. Ich habe immer dagegen gehalten – manchmal fast alleine. Deswegen ist für mich heute ein besonders schöner Tag.

Weser-Kurier: Warum war eine historische Fassade für Sie so wichtig?

Neumann: Im Prinzip ist es richtig, wenn Architekten mit den Stilmitteln ihrer Zeit bauen. Das Stadtschloss ist eine Ausnahme. Ein modernes Haus hätte in der Mitte Berlins nicht gepasst, hier muss man auch auf den städtebaulichen Zusammenhang mit den benachbarten historischen Gebäuden achten.

Weser-Kurier: Der Neubau verweist auf die preußische Vergangenheit und, mit der modernen Ostfassade, auf die Gegenwart. Welche Rolle spielt die DDR in dem Konzept?

Neumann: Das im Stadtschloss geplante Humboldt-Forum ist kein Museum der Zeitgeschichte, sondern eines der außereuropäischen Kunst. Daher ist dieses Haus nicht der Platz, in dem die DDR-Geschichte eine besondere Rolle spielt; das findet in vielen anderen Einrichtungen auch hier in Berlin statt.

Weser-Kurier: Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, deren Stiftungsratsvorsitzender Sie sind, will das Humboldt-Forum als einen Ort der “Selbstfindung“ verstanden wissen. Wie ist das zu verstehen?

Neumann: Mit Selbstfindung ist gemeint, dass man am Beispiel der Dahlemer Sammlungen vieles hinterfragt und infrage stellt – zum Beispiel, ob die Perspektiven und Positionierungen, die wir zu außereuropäischen Ländern haben, richtig sind. Es geht darum, einen breiteren, viel stärker vom Dialog geprägten kulturellen Weg zu finden.

Weser-Kurier: Sie bezeichnen das Schloss als bedeutendstes Kulturvorhaben in Deutschland. Für ein ethnologisches Museum ist das hoch gegriffen...

Neumann: Aber das ist es doch schon allein von den Dimensionen her. Nach dem aktuellen Planungsstand wird das Projekt rund 600 Millionen Euro kosten. Auch wegen des historischen Hintergrunds und der Zielsetzung ist dies der herausragende Museumsneubau in Deutschland.

Weser-Kurier: Wie wahrscheinlich ist es denn, dass der Bau nicht teurer wird, als gedacht?

Neumann: Man kann natürlich sagen: „Einmal Elbphilharmonie – immer Elbphilharmonie.“ Es wird aber nicht jedes Großprojekt so aus dem Ruder laufen. Bisher liegt den Verantwortlichen zufolge alles exakt in der Planung. Kosten, die sich aus unerklärlichen Gründen vervielfältigen, wie bei der Elbphilharmonie wird es hier nicht geben.

Weser-Kurier: Ein Teil der Baukosten soll durch Spenden finanziert werden. Bisher kam aber nur ein kleiner Teil der geforderten 80 Millionen Euro zusammen...

Neumann: Man kann natürlich nichts vorhersagen, aber man kann bei diesem und ähnlichen Projekten bestimmte Indikatoren vergleichen. Bei der Grundsteinlegung der Dresdener Frauenkirche war prozentual deutlich weniger gespendet worden. In einem sind wir sicher: Je sichtbarer das Schloss wird, desto größer wird die Bereitschaft, zu spenden.

Weser-Kurier: Was, wenn das Geld nicht zusammenkommt?

Neumann: Wenn am Ende tatsächlich zehn oder zwanzig Millionen fehlen, wird mit Sicherheit kein Baustopp über das Schloss verhängt. Aber es ist falsch, jetzt schon darüber zu spekulieren. Wir wollen ja gerade die Spendenbereitschaft durch die Grundsteinlegung vorantreiben.

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