Navigation und Service

Inhalt

Dienstag, 29. Mai 2012

Namensbeitrag

20 Jahre Ostseerat

von:
Angela Merkel
Quelle:
Ostsee-Zeitung

Die Bedeutung des Ostseeraums für Europa könne kaum überschätzt werden, schreibt Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Beitrag in der Ostsee-Zeitung.

20 Jahre Ostseerat - das sind 20 Jahre einer außergewöhnlichen Kooperation. Diese zwischenstaatliche Zusammenarbeit steht für nicht weniger als für das Zusammenwachsen einer ganzen Region. Die Gründung des Ostseerates 1992 auf Initiative der damaligen Außenminister von Dänemark und Deutschland, Uffe Ehemann-Jensen und Hans-Dietrich Genscher, erwies sich so kurz nach Ende des Kalten Krieges als wahre Pioniertat.


Seit diesem Brückenschlag zwischen Ost und West wandelte sich die Ostsee von einem Meer der Konfrontation zu einem Meer der Freiheit. Auf ihrem schwierigen Weg zu Demokratie und Marktwirtschaft fanden die östlichen Anrainerstaaten im Ostseerat tatkräftige Unterstützung.
Auch heute mangelt es dem Ostseerat keineswegs an Herausforderungen. Schließlich kann die Bedeutung de Ostseeraums für Europa kaum überschätzt werden. Er beherbergt eine Schiffsindustrie von Weltrang und hochinnovative Unternehmen. Hier sind auch einige der renommiertesten Universitäten und Forschungsinstitute beheimatet. Die Ostsee ist eine logistische Drehscheibe für ganz Europa. Das heißt, Transport- und auch Energieinfrastrukturen gilt ein besonderes politisches Augenmerk In den letzten Jahren haben die Mitglieder des Ostseerates sehr viel darüber gelernt, Ökonomie und Ökologie zu verbinden. Auf diesem Weg müssen wir weitergehen.

Die Ostsee-Anrainer haben längst erkannt: Viele Chancen des Ostseeraums können nur gemeinsam genutzt und viele Herausforderungen nur gemeinsam bewältigt werden. So hat sich im Laufe der vergangenen zwei Jahrzehnte ein breitgefächertes Netzwerk zwischenstaatlicher Kooperation entwickelt. Es erstreckt sich von der Wirtschaft über die Bereiche Energie, Umwelt, Bildung und Kultur bis hin zu Fragen ziviler Sicherheit.


Seit dem 1. Juli 2011 hat Deutschland die Präsidentschaft des Ostseerates für 12 Monate inne. Nur zwei Beispiele, was wir bisher erreicht haben: Zum einen werden im Rahmen des neu gegründeten „Forums Arbeit und Beschäftigung Ostsee" erstmals die Sozialpartner, also Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände, aller Mitgliedstaaten des Ostseerates zu einem sozialen Dialog zusammenkommen. Zum anderen haben wir die Modernisierung des Südöstlichen Ostseeraums weiter vorangebracht. Im Mittelpunkt steht dabei eine engere Verflechtung der russischen Exklave Kahiningrad/ Königsberg mit seiner Nachbarschaft. Hier geht es uns unter anderem darum, bei der Tourismusförderung, beim Jugendaustausch und in der Kulturarbeit weitere konkrete Fortschritte zu erzielen.

Als Bundeskanzlerin, aber auch als Bundestagsabgeordnete ist es mir eine große Freude, die Mitglieder des Ostseerates zum nächsten Gipfeltreffen nach Stralsund einzuladen. Für die altehrwürdige Hansestadt ist das eine großartige Gelegenheit, sich einmal mehr als traditionsreiche und zukunftsgewandte, als gastfreundliche und weltoffene Stadt vor großem Publikum zu präsentieren.


Im Kreise der Regierungschefs werden wir uns vor allem drei wichtigen Themenblöcken widmen: einer sicheren, bezahlbaren und umweltschonenden Energieversorgung, den weitreichenden Folgen des demografischen Wandels sowie Fragen der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Ostseeraums. Diesen Gipfel verstehen wir gemeinsam als klares Bekenntnis: Die Ostseeregion soll als ein europäischer Leuchtturm für nachhaltiges Wachstum, für Wohlstand und Zusammenarbeit weiter an Strahlkraft gewinnen. Ja, eine so verstandene Partnerschaft kennt nur Gewinner.

Seitenübersicht

Beiträge