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Freitag, 16. September 2011

Interview

Aigner: Ich setze auf eine Stärkung der Medienkompetenz

Interview mit:
Ilse Aigner
Quelle:
in "Schweriner Volkszeitung"

"Der 'Gefällt mir'-Button und auch die Verwendung der Facebook-'Fanpages' verstoßen gegen deutsches und europäisches Recht", sagt Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner in der "Schweriner Volkszeitung". Behörden sollten diesen Button deshalb bis auf weiteres nicht auf Internetseiten einbinden und "Fanpages" abschalten.

Schweriner Volkszeitung: Immer wieder Streit um Datenschutzmängel in sozialen Netzwerken im Internet: Sie haben Ihre Ministerkollegen gerade zum Präsenz-Verzicht bei Facebook & Co. aufgefordert. Wie ist die Resonanz?


Ilse Aigner: Niemand fordert einen Verzicht auf Facebook – es geht hier um die Nutzung zweier Elemente, die umstritten sind: Der „Gefällt mir“-Button und auch die Verwendung der Facebook-„Fanpages“ verstoßen gegen deutsches und europäisches Recht. Behörden sollten diesen Button deshalb bis auf weiteres besser nicht auf Internetseiten einbinden und „Fanpages“ abschalten.


Schweriner Volkszeitung: Reicht es, auf  Selbstverpflichtungen zu setzen, wenn es um den Datenschutz in Online-Netzwerken geht? 
 


Aigner: Zunächst setze ich auf eine Stärkung der Medienkompetenz: Jeder Nutzer muss selbstbestimmt und verantwortungsvoll mit seinen Daten umgehen. Ich kann nur raten, im Internet damit äußerst sparsam zu sein. Mir ist aber auch wichtig, dass es gerade bei sozialen Netzwerken Grundeinstellungen gibt, die den Verbraucher und seine Daten schützen. Ein Beispiel dafür sind die so genannten Facebook-Partys: Einladungen zu Festen, die von den Nutzern in sozialen Netzwerken veröffentlicht werden – nicht selten im falschen Glauben, dass sie nur von akzeptierten „Freunden“ mitgelesen werden können. Leider hat Facebook die Grundeinstellungen nur sehr zögerlich verbessert – und nur für unter 18-jährige Nutzer. Das ist zumindest ein erster Schritt, aber es reicht mir noch nicht.  


Schweriner Volkszeitung: Warum traut sich die Politik nicht zu, klare Standards für soziale Netzwerke zu setzen?  


Aigner: Das Internet ist weltumspannend und die großen Anbieter sitzen in den USA. Statt auf nationale Alleingänge sollten wir lieber auf eine europäische Lösung setzen. Die EU-Datenschutzrichtlinie wird gerade überarbeitet.


Schweriner Volkszeitung: Sie wollen in den USA mit Spitzenvertretern von Facebook und anderen Anbietern über Internet-Datenschutz sprechen. Welche Forderungen haben Sie?  


Aigner: Viele Amerikaner verstehen nicht, warum wir den Datenschutzfragen so hohen Stellenwert einräumen. Aber man sollte  unseren Einfluss nicht unterschätzen: Deutschland ist einer der bedeutendsten IT-Märkte mit Millionen kaufkräftiger Internet-Nutzer. Das wissen auch die Amerikaner. Und sie wissen: Die Verbraucher haben Macht. Mit öffentlichem Druck haben wir bereits namhafte Anbieter zu Datenschutz-Zugeständnissen gebracht. Denken Sie nur an Google Streetview!

Von Rasmus Buchsteiner für die "Schweriner Volkszeitung".

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