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Ausbildung

Ausländische Abschlüsse leichter anerkennen

Darf die in Russland ausgebildete Augenärztin an einer deutschen Klinik als Fachärztin arbeiten oder gar eine eigene Praxis eröffnen? Bisher war es schwierig, Ausbildungsabschlüsse aus dem Ausland als gleichwertig anerkennen zu lassen. Ab 1. Januar 2011 soll sich das ändern.

Dafür hat das Bundeskabinett Eckpunkte für neue gesetzliche Regelungen verabschiedet.

Kann der portugiesische Tischler als Geselle arbeiten oder nur als Bauhelfer? Diese und ähnliche Fragen beschäftigen seit Jahren die für die Anerkennung von Ausbildungsabschlüssen zuständigen Stellen. Je nach Beruf sind das Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern bis hin zu Regierungsbehörden.

Nicht selten gab es Klagen über das bisher praktizierte Verfahren. Manch ein Zuwanderer aus einem EU-Staat war unzufrieden, wenn sein Ausbildungsabschluss als nicht gleichwertig mit einem deutschen Gesellenbrief anerkannt wurde. Viele verwiesen auf anderslautende Entscheidungen in anderen Regionen bei gleicher Sachlage.

Einig über Eckpunkte

Dass hier dringend etwas getan werden muss, darüber sind sich Bundesbildungsministerin Annette Schavan und die Integrationsbeauftrage der Bundesregierung, Maria Böhmer, einig. Schavan sagte dazu: " Es gibt Hunderttausende, die weit unter ihrem Qualifikationsniveau beschäftigt sind und keinen Zugang zu einer ihrem im Ausland erworbenen Berufsanschluss entsprechenden Berufstätigkeit haben."

Böhmer bezifferte die Anzahl der Personen, die von dem geplanten transparenten, klaren und einfachen Verfahren profitieren würden, auf 500.000. Insgesamt gibt es 2,87 Millionen Zugewanderte in Deutschland, die einen Bildungsabschluss aus dem Ausland mitgebracht haben.

Der erste Schritt ist das vom Bundeskabinett verabschiedete Eckpunktepapier „Verbesserung der Feststellung und Anerkennung von im Ausland erworbenen beruflichen Qualifikationen und Berufsabschlüssen“. Auf dieser Grundlage will sich die Bundesregierung mit den Ländern abstimmen, wie sich Rechtsgrundlagen und Verfahren im Anerkennungswesen verbessern lassen. Gesprächspartner werden auch Vertreter von Wirtschaft, Hochschulen und Migrantenorganisationen sein. Im kommenden Jahr will das Kabinett dann ein Anerkennungsgesetz verabschieden, das am 1. Januar 2011 in Kraft tritt.

Fachkräfte dringend gebraucht

Es geht aber nicht nur darum, den einzelnen Migrantinnen und Migranten zu einer ihren Qualifikationen entsprechenden Beschäftigung zu verhelfen. Unsere Gesellschaft ist dringend auf Fachkräfte angewiesen. Und die fehlen zunehmend, weil aus Schulen und Universitäten immer weniger junge Menschen kommen.

Alle Antragsteller werden künftig einen gesetzlichen Anspruch haben, dass geprüft wird, ob und in welchem Maße im Ausland erworbene Qualifikationen deutschen Ausbildungen entsprechen. Das Verfahren soll transparent und nutzerfreundlich ausgestaltet werden. Es soll höchstens sechs Monate dauern.

Weiterqualifikation möglich

Ergebnis wird eine Anerkennung des Abschlusses oder eine Teilanerkennung bestimmter Qualifikationen sein. Gleichzeitig erhalten die Zuwanderer Informationen, wie eventuelle Lücken etwa durch bestimmte Bildungsmaßnahmen ausgeglichen werden können.

Gedacht ist an eine Erstanlaufstelle für alle Ratsuchenden. Unter den Eckpunkten findet sich auch das Ziel, an einer Zuwanderung Interessierte schon vor ihrer Einreise über die Anerkennungsaussichten zu informieren.

Böhmer berichtete über die gute Abstimmung mit den Ländern und sagte: "Mit den Eckpunkten haben wir jetzt Weichen gestellt. Wir werden sie schnell konkretisieren können.

Mittwoch, 9. Dezember 2009

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