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Montag, 29. Juli 2013

Wanka-Interview

Bei Forschungsausgaben sehr gut aufgestellt

Interview mit:
Johanna Wanka
Quelle:
Handelsblatt

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka will Anreize für Unternehmen schaffen, noch mehr in die Forschung zu investieren. Im Interview mit dem Handelsblatt kündigt sie an, diese Pläne schnell umzusetzen.

Chemielaboranten betrachten eine neuen Generation von Lithium Ionen Batterien Möglichst viele Unternehmen sollen von guten Rahmenbedingungen profitieren Foto: obs/BASF

Das Interview im Wortlaut:

Handelsblatt (HBL): Frau Wanka, die Wirtschaft zögert bei den Forschungsausgaben, wie erklären Sie sich das?

Johanna Wanka: Dass die Zahlen schwanken, ist noch kein Alarmzeichen. Ich bin da überhaupt nicht pessimistisch. Zudem haben wir ein so hohes Niveau erreicht, dass es schwer ist, in noch stärkerem Maße zuzulegen. Immerhin haben Wirtschaft und Staat gemeinsam bei den Forschungsausgaben bereits fast drei Prozent der Wirtschaftsleistung erreicht - was wir wollten.

HBL: Der Frühindikator des Stifterverbands macht Ihnen keine Sorgen?

Wanka: Nein, das geben die Zahlen nicht her. Zudem sind wir im Vergleich zu den europäischen Ländern sehr gut aufgestellt. Aber natürlich weiß ich, dass die Wirtschaft gewisse Dinge erwartet…

HBL: … die steuerliche Forschungsförderung?

Wanka: Ja. Das hatten wir uns ja vorgenommen, aber dann kam die Finanzkrise dazwischen. Jetzt werden wir das nach der Wahl auf jeden Fall schnell umsetzen. Denn die Steuerentlastung wird breite Anreize schaffen - gerade bei kleineren Unternehmen. Innovative Maschinenbauer etwa mit 30 bis 40 Leuten würden dann deutlich mehr forschen können.

HBL: Großunternehmen können also keinen Steuerbonus erwarten?

Die genauen Bedingungen stehen noch nicht fest. Mir ist aber wichtig, dass gute Rahmenbedingungen möglichst viele Unternehmen erreichen. Und dass der positive Effekt bei kleineren Unternehmen besonders stark wäre, liegt auf der Hand.

HBL: Der Bund hatte das schon vor 2009 angepeilt, warum sollte die Wirtschaft glauben, dass es nicht wieder aufgeschoben wird?

Wanka: Weil die Steuereinnahmen stark sind, der Haushalt solide aufgestellt ist und wir auch sonst einen eindeutigen Schwerpunkt bei Forschung und Entwicklung setzen. Außerdem haben wir es im Regierungsprogramm festgelegt.

HBL: Unternehmen tragen schon zwei Drittel der Forschungsausgaben. Müssen sie wegen der Schuldenbremse noch mehr schultern?

Wanka: Es ist immer schön, wenn die Wirtschaft kräftig zulegt und sich das auch in den Forschungsausgaben bemerkbar macht, aber so kalkulieren wir nicht. Wenn Deutschland insgesamt leistungsfähig bleiben will, müssen beide Seiten draufsatteln.

HBL: Ist der Steuerbonus ihr einziges Instrument?

Wanka: Nein, da sind wir vielfältig aktiv. In der High-Tech-Strategie werden wir vor allem die Vernetzung der Forschung - innerhalb der Wirtschaft sowie mit Hochschulen und Instituten - vorantreiben. Das hilft etwa bei der vierten industriellen Revolution, wo es jetzt darauf ankommt, Maschinenbau und Software mit dem Netz zu verbinden. Dass Frankreichs Forschungsministerin unsere High-Tech-Strategie als ihr Vorbild nennt, ist doch ein gutes Zeichen.

Die Fragen stellte B. Gillmann für das Handelsblatt

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