Navigation und Service

Inhalt

Montag, 14. Dezember 2009

Bernd Neumann im Interview mit dem Focus

Interview mit:
Bernd Neumann
Quelle:
in "Focus"

Kulturstaatsminister Bernd Neumann sprach im Interview mit Harald Pauli vom Focus über die Zukunft der Filmförderanstalt, die Novellierung des Filmfördergesetzes und über den mit jährlich 60 Millionen Euro ausgestatteten Deutschen Filmförderfonds.

Das Interview im Wortlaut.

Focus: Der deutsche Film ist zur Zeit erfolgreich wie selten zuvor und ein Pfeiler dieses Erfolgs ist die Filmförderungsanstalt (FFA). Deren Zukunft ist allerdings unsicher, weil trotz vielseitiger Bemühungen die Klagen von Kinobetreibern gegen die Zwangsabgabe an die FFA nicht zurückgenommen wurden. Sie wollen jetzt eine Novellierung des monierten Filmfördergesetzes (FFG) einbringen, obwohl eine Klage noch beim Bundesverfassungsgericht anhängig ist. Wie soll das gehen?

Neumann: Die verfassungsrechtlichen Bedenken richten sich weder gegen die Abgabe als solche noch gegen deren Höhe, sondern gegen die unterschiedlichen Maßstäbe. Die Abgabe für Kino und Video ist bisher gesetzlich fixiert, die fürs Fernsehen wird nur pauschal genannt. Durch die Einführung eines im Vergleich zu den anderen Zahlergruppen angemessenen Abgabemaßstabs für die TV-Veranstalter werden wir den Klagegrund beseitigen. Dann müsste das Bundesverfassungsgericht nicht mehr entscheiden.

Focus: Wann soll das passieren?

Neumann: Wir wollen die Novelle im Januar ins Kabinett einbringen und hoffen, dass sie vor der Sommerpause verabschiedet werden kann.

Focus: Der Versuch, die Kinos zur Klagerücknahme zu bewegen, indem man sie bei der Digitalisierung der Projektion unterstützt, ist ja gescheitert. Was heißt das für die nötige Digitalisierung?

Neumann: Uns geht es um die kleinen und mittleren Kinos vor allem in der Fläche, die großen Ketten brauchen, wie es scheint, keine Hilfe. Hier wollen wir weiterkommen, alles muss aber wettbewerbs- und EU-konform gestaltet werden. Den größten Anteil an den Finanzierungskosten der Digitalisierung werden die Verleiher tragen, die ja auch den größten Vorteil davon haben, ein Teil kann von der FFA kommen und aus den Bundesländern gibt es ebenfalls positive Signale zur Beteiligung. Der Digitalisierungsprozess sollte spätestens in fünf Jahren vollzogen sein.

Focus: Ein Erfolgsgarant ist auch der Deutsche Filmförderfonds (DFFF), der mit jährlich 60 Millionen Euro ausgestattet ist und 2010 in seine zweite Drei-Jahres-Phase geht. Nun gibt es Änderungen bei den Förderrichtlinien. Unter welchen Prämissen stehen diese?

Neumann: Die Änderungen werden sich in Grenzen halten, unter anderem soll durch Erhöhung der Kopienzahl sichergestellt werden, dass die Filme wirklich fürs Kino gemacht werden und nicht nur verkappte Fernsehfilme sind.

Focus: Sie wollen auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau in die Filmfinanzierung einbeziehen. Gibt es mittlerweile, auch durch den DFFF, nicht genug staatliche Unterstützung?

Neumann: Produzenten von mittleren und großen Filmen haben immer noch Schwierigkeiten, sowohl bei der Zwischen- als auch bei der Endfinanzierung. Die Banken haben sich hier zurückgezogen, die Finanzkrise hat das noch verschärft. Die Kreditanstalt ist interessiert, da einzuspringen, das wird im Moment evaluiert. Hierbei würde es sich jedoch nicht um eine staatliche Förderung wie den DFFF handeln, sondern um ein kommerzielles Filmfinanzierungsinstrument.

Seitenübersicht

Beiträge