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Kulturstaatsminister

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Pressemitteilung:
456
Ausgabejahr:
2011

Bernd Neumann und Frédéric Mitterrand verleihen deutsch-französischen Literaturpreis 2011

Kulturstaatsminister Bernd Neumann und der französische Kulturminister Frédéric Mitterrand haben bei einem Festakt im Ministère de la Culture et de la Communication in Paris den deutsch-französischen Literaturpreis „Franz-Hessel-Preis“ 2011 an die Autoren Thomas Melle und Céline Minard verliehen.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann und der französische Kulturminister Mitterand mit den beiden Preisträgern Céline Minard und Thomas Melle Freude über den Franz-Hessel-Preis Foto: D. Ignaszewski-Koboy

Bernd Neumann erklärte in seiner Rede: „Frédéric Mitterrand und ich haben den deutsch-französischen Literaturpreis vor allem deshalb ins Leben gerufen, um den deutsch-französischen Kulturraum innerhalb Europas zu stärken und den literarischen Dialog zwischen unseren beiden Ländern zu vertiefen. Wir sind überzeugt, dass dieser Dialog gerade heute wieder von besonderer Bedeutung ist. Europa wird in den Schlagzeilen der letzten Monate fast ausschließlich durch die Krise in Wirtschaft und Finanzen wahrgenommen. Natürlich müssen wir auf die Fragen Antworten haben und die Krise überwinden – Frankreich und Deutschland gehen hierbei Hand in Hand. Aber Europa ist mehr als Ökonomie und Euro. Ein geeintes Europa kann sich nur durch die über Jahrhunderte gewachsenen, gemeinsamen, kulturellen Werte begründen. Diese Wertegemeinschaft gilt es zu festigen, zu erneuern und auszubauen. Kultur ist die Quelle der Kreativität; und gerade in einer Krise sind wir auf diese angewiesen!“

Kulturstaatsminister Bernd Neumann und die Generaldirektorin der UNESCO Irena Bokova Bild vergrößern Kulturstaatsminister Bernd Neumann neben der Generaldirektorin der UNESCO Irena Bokova (M.) Foto: AA/ Wolfgang Lahr

Staatsminister Bernd Neumann betonte: „Frankreich hat – im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern – keine Kürzungen bei seinem Kulturetat vorgenommen. Und auch der Deutsche Bundestag hat erst vor wenigen Tagen beschlossen, den Kulturhaushalt in Deutschland um 5,1 Prozent zu erhöhen – zum 7. Mal in Folge. Denn die Förderung von Kunst und Kultur ist keine Subvention, sondern eine wichtige Investition in die Zukunft  – und das gilt für Deutschland wie für ganz Europa. Deshalb begrüße ich ausdrücklich den Vorschlag der Europäischen Kommission, die Ausgaben im Bereich Kultur und Medien für die nächste Dekade (2014 - 2020) um 37 Prozent zu erhöhen. Das ist ein wichtiger Schritt zur Stärkung der kulturellen Identität Europas.“

Im Rahmen seiner Reise zur Verleihung des deutsch-französischen Literaturpreises 2011 in Paris führte Kulturstaatsminister Bernd Neumann politische Gespräche mit dem französischen Kulturminister Frédéric Mitterrand sowie bei der UNESCO mit der Generaldirektorin Irena Bokova.

Der deutsch-französische Literaturpreis ist mit jeweils 10.000 Euro dotiert und soll dazu beitragen, dass die Werke der preisgekrönten Autorinnen und Autoren in die jeweils andere Sprache übersetzt werden. Verantwortlich für das Gemeinschaftsprojekt sind die Stiftung Genshagen (Deutschland) und die Villa Gillet (Frankreich). Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und das französische Ministère de la Culture et de la Communication finanzieren diese Auszeichnung.

Mit diesem Preis werden zeitgenössische Autoren ausgezeichnet, die im Nachbarland noch nicht bekannt sind und deren Werke noch nicht übersetzt wurden. Damit trägt der Preis dazu bei, den literarischen und intellektuellen Dialog zwischen Deutschland und Frankreich zu beleben. Namensgeber des Preises ist der Schriftsteller und Übersetzer Franz Hessel (1880 -1941), der mit seinem Leben und Werk („Pariser Romanze“, „Spazieren in Berlin“) ein Mittler zwischen den beiden Ländern und Kulturen war. Die Preisträger werden von einer deutsch-französischen Jury ausgewählt.

Französische Jury: Nils C. Ahl, Francesca Isidori, Christine de Mazières, Augustin Trapenard, Guy Walter. Deutsche Jury: Hatice Akyün, Thorsten Dönges, Hans-Peter Kunisc, Petra Metz und Ulrike Vedder

Thomas Melle wurde 1975 in Bonn geboren. Er studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie in Tübingen, Austin/Texas und Berlin. Er übersetzte William T. Vollmann, veröffentlichte mehrere Theaterstücke und den Erzählungsband Raumforderung (Suhrkamp, 2007). In seinem Debütroman Sickster (Rowohlt, 2011) schreibt Melle über den Wahnsinn und das Großstadtleben der Gegenwart. Es ist die hochneurotische Geschichte zweier Männer, die nach einer oberflächlichen Bekanntschaft zu Schulzeiten im Berlin der Jetztzeit erneut aufeinander treffen; ein scheinbar erfolgreicher Manager und ein eher gescheiterter Journalist und Autor. Der Leser folgt ihnen durch die Nächte der Großstadt, in denen Sex, Alkohol und Drogen im Mittelpunkt stehen. Der Rhythmus wird immer schneller, Rückblenden, verschiedene Wahrnehmungen und Perspektiven kreuzen und durchdringen sich. Sprachlich hoch verdichtet entsteht ein aufwühlendes Zeitportrait, ein virtuos komponierter Gegenwartsroman.

Céline Minard wurde 1969 in Rouen geboren. Sie studierte Philosophie und war als Buchhändlerin tätig, danach widmete sie sich ganz dem Schreiben. Sie ist Autorin mehrerer Romane und Erzählungen. 2007 und 2008 war sie Stipendiatin in der Villa Médicis und 2011 in der Villa Kujoyama. Für ihren Roman Bastard Battle (Léo Scheer 2008) bekam sie 2008 den Sonderpreis der Jury des Prix Welper – Fondation La Poste.

2011 veröffentlichte sie Les Ales (Cambourakis) in Zusammenarbeit mit der Bildhauerin Scomparo, und So long, Luise (Denoël): Das testamentarische Werk einer alten, weltberühmten Romanschriftstellerin, die sich ein letztes Mal einen Spaß daraus macht, die Spuren zwischen Realität und Fiktion zu verwischen und diese Grenzen zu überschreiten. Es vermischen sich Märchen, Western, Memoiren und die wundersamsten Geschöpfe tauchen auf. Das Testament mündet in einer Art Galerie, einer Vielzahl von Sälen, in denen das Echo des bereits gelebten Lebens widerhallt, das durch die Schrift wiedererweckt und erneut ins Spiel gebracht wird.

Weitere Informationen zu den Preisträgern und zum Franz-Hessel-Preis:

Charlotte Stolz, Stiftung Genshagen, Tel. +49 (0)3378 80 59 59, stolz@stiftung-genshagen.de http://www.stiftung-genshagen.de/

Céline Linguagrossa, Villa Gillet, Tél : +33 (0)4 78 27 02 48, c.linguagrossa@villagillet.net http://www.villagillet.net/

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