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Mittwoch, 26. Januar 2011

Interview

Böhmer: Integration ist eine zentrale Zukunftsaufgabe

Interview mit:
Maria Böhmer
Quelle:
in Bild

Staatsministerin Maria Böhmer spricht im Bild-Interview gemeinsam mit dem türkischen Minister Faruk Celik über Integration von Migranten in Deutschland. Eltern müssten verstärkt überzeugt werden, wie wichtig Sprache und Ausbildung für die Zukunft ihrer Kinder seien.

Bild: Vor 50 Jahren, am 31. Oktober 1961, schlössen Deutschland und die Türkei das „Anwerbeabkommen". Ein Grund zu feiern - oder zu klagen?

Faruk Celik: „Zu gedenken. Deutschland sollte nie vergessen, dass die türkischen Arbeitskräfte viel zum Aufbau der Industrie und damit dem Wohlstand dieses Landes beigetragen haben. Auch ihre Kultur und ihre Werte haben die deutsche Gesellschaft bereichert. Und die türkische Küche ist hier nicht mehr wegzudenken."

Maria Böhmer: „Das alles steht außer Frage. Aber man muss auch sehen, dass man damals Arbeitskräfte holen wollte - und überrascht war, dass Menschen kamen. Integration wurde viele Jahre vernachlässigt und ist eine der zentralen Zukunftsaufgaben unseres Landes."

Bild: Hilft das Sarrazin-Buch Ihrer Politik?

Böhmer: "Sarrazin spricht die richtigen Problemfelder wie Bildung und Sprache an. aber er zeichnet ein sehr einseitiges Bild von Integration. Er stellt Muslime unter Generalverdacht und verschweigt die vielen positiven Beispiele von gelungenem Zusammenleben."

Celik: „Das Buch trägt nicht zur Integration, sondern zur Spaltung bei und hat unsere bisherige Integrationsarbeit zunichte gemacht, weil es Menschen in Schubladen steckt. Ich war überrascht und bedaure sehr, dass es im 21. Jahrhundert noch so ein Buch gibt und es auch noch auf Interesse stößt. Dass es 1,2 Millionen Mal verkauft wurde, sorgt mich sogar sehr!"

Bild: Was tun Sie für die Integration?

Böhmer: „Wir sind uns einig, verstärkt türkische Eltern von der Wichtigkeit von Sprache und Ausbildung für die Zukunft ihrer Kinder überzeugen zu müssen. Wenn doppelt so viele junge Migranten wie deutsche Kinder die Schule abbrechen, ist das zu viel. Deshalb sollte jedes türkische Kind einen Kindergarten besuchen und die deutsche Sprache können, bevor es eingeschult wird."

Celik: „Ich appelliere eindringlich und ohne Einschränkung an alle türkischen Mitbürger in Deutschland, die deutsche Sprache zu lernen und die Bildung ihrer Kinder zu unterstützen. Wer die Sprache des Landes nicht lernt, stößt auf viele Schwierigkeiten."

Das Gespräch führte Kerstin Jäckel.

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