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Fussball

Bundeskanzlerin Merkel besucht DFB-Bundestag

Redner:
Angela Merkel
Gehalten:
Donnerstag, 21. Oktober 2010

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den 40. DFB-Bundestag in Essen besucht. Besonders packend beim Fußball sei das Spannungsverhältnis zwischen individuellen Persönlichkeiten, die die Vielfalt Deutschlands widerspiegelten, und dem Zusammenspiel einer Mannschaft, sagte Merkel.

Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht den DFB Bundestag in Essen. Hier mit Theo Zwanziger DFB-Präsident Zwanziger und Kanzlerin Merkel Foto: REGIERUNGonline/Imo

Sehr geehrter Herr Präsident Blatter,

sehr geehrter Herr Präsident Zwanziger,

liebe Delegierte des DFB-Bundestags,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich freue mich, heute wieder hier zu sein. Ich habe Herrn Zwanziger schon gefragt, wer den Walkürenritt, der zu Beginn gespielt wurde, ausgesucht hat. War es als Assoziation zwischen Wotan, den Walküren, dem Verhältnis beider und der Frauen-Fußballweltmeisterschaft gedacht? Sie haben heute beim Get-Together bestimmt noch viele Möglichkeiten, das zu ergründen. Jedenfalls freue ich mich, heute in der Metropole des Ruhrgebiets zu sein – ich hoffe, in anderen Städten ist man jetzt nicht beleidigt. Essen ist in diesem Jahr die Kulturhauptstadt Europas und steht natürlich auch für gelebte Fußballkultur.

Ich erinnere mich in der Tat noch gut daran, Herr Zwanziger, dass ich 2005 auf dem Außerordentlichen DFB-Bundestag in Leipzig – nicht ganz ohne Rückkopplung mit dem DFB – vorgeschlagen habe, dass wir uns vielleicht mit der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2011 beschäftigen könnten, damit nach der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in Deutschland keine Langeweile eintritt. Wenn alle Projekte so gut gelingen würden wie die Vorbereitung dieser Frauen-Fußballweltmeisterschaft, dann wäre das ganz toll. Wir können uns jedenfalls nächstes Jahr wieder auf ein großartiges Fußball-Ereignis freuen.

Damals, bei der Weltmeisterschaft 2006, und auch in diesem Jahr in Südafrika haben wir wunderbaren Fußball unserer Nationalmannschaft gesehen. Danke an Joachim Löw, an sein Team und vor allen Dingen an die Spieler der Nationalmannschaft – das waren tolle Tage mit Ihnen. Auch die ersten Qualifikationsspiele für die nächste Europameisterschaft haben ganz gut ausgeschaut. Nun muss man sehen, wie es sich weiterentwickelt. Auf jeden Fall ist wieder einmal deutlich geworden, welche Faszination Fußball auf Millionen von Menschen – darunter auch auf mich – ausüben kann. Ich bedanke mich in diesem Zusammenhang für die schönen Bilder, die Sie gerade gezeigt haben.

Manchmal fragt man sich ja: Woran liegt es eigentlich, dass Fußball so viele Menschen mitreißt? Es liegt, glaube ich, auch am Spannungsverhältnis zwischen individuellen Persönlichkeiten – in der Nationalmannschaft sind das ja ganz unterschiedliche, aber auch in vielen Vereinen –, die auch die Vielfalt Deutschlands widerspiegeln, und an dem Zusammenspiel einer Mannschaft, dem Durchhalten, dem Zeigen von Nervenstärke, der Lust und der Freude am Spiel, dem Auf und Ab und dem ganz Unerwarteten, fast nicht mehr für möglich Gehaltenen, das es im Fußball immer wieder gibt. Fußball ist etwas, das weit über das sportliche Ereignis hinaus die Menschen fasziniert. Deshalb ist es gut, dass es den Deutschen Fußball-Bund gibt. Neben den Nationalmannschaften gibt es in Deutschland fast 26.000 Vereine in 21 Landesverbänden und natürlich die Bundesliga. Herr Präsident, davor, dass Sie das alles immer wieder in der Balance halten, habe ich ein großes Stück Ehrfurcht. Auch ich habe ja manchmal Sachen in der Balance zu halten; da guckt man dann schon einmal hin, wie das anderen gelingt.

6,7 Millionen Mitglieder – das ist eine stolze Zahl. Damit ist der Deutsche Fußball-Bund ein Stück der deutschen gesellschaftlichen Realität, ein Stück unseres Landes, in dem Freude, Leidenschaft und viel sozialer Zusammenhalt gelebt werden. Herr Zwanziger, ich habe von unserem ersten Kennenlernen an immer wieder gesehen, mit welcher Leidenschaft Sie sich einsetzen. Ich möchte an dieser Stelle aber auch an Egidius Braun erinnern. Als ich Anfang der 90er Jahre Jugendministerin war – sozusagen frisch mit der deutschen Staatsbürgerschaft ausgestattet und gleich Ministerin geworden –, da war Egidius Braun einer, der sich sofort ein bisschen um mich gekümmert hat. Er wusste, dass noch nicht alle viel auf mich gezählt haben, und hat gesagt: Kommen Sie, wir machen etwas zusammen, ein paar Jugendprojekte in den neuen Bundesländern. Das war wunderbar, das werde ich nie vergessen. Herzlichen Dank, lieber Egidius Braun. Die beiden Stiftungen, die es unter dem Dach des Deutschen Fußball-Bundes gibt – die Egidius-Braun-Stiftung und die Sepp-Herberger-Stiftung –, sind auch ein Ausdruck großartigen Engagements.

Ich möchte mich aber auch bei Theo Zwanziger und allen Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bundes dafür bedanken, in welcher Weise Sie uns immer wieder im sozialen Bereich unterstützen, gerade auch was das jetzt sehr viel diskutierte Thema der Integration angeht. Wir reden viel davon, dass man die deutsche Sprache lernen soll und muss. Das ist selbstverständlich. Aber vieles, das Vertrauen schafft, das Gefühle weckt, das Zusammengehörigkeit stärkt, kann man allein über die Sprache nicht schaffen. Dabei ist das gemeinsame Fußballspielen natürlich etwas, das sich an verschiedensten Orten immer wieder als sehr wertvoll erweist.

Genau deshalb ist der Deutsche Fußball-Bund auch so ein interessanter Verband, wenn ich das so sagen darf. Profifußball auf der einen Seite und das große ehrenamtliche Engagement auf der anderen Seite – beides zusammen, wenn es sich gut verträgt, macht etwas möglich in Deutschland, das sonst kaum jemand ermöglichen könnte. Ich glaube, wir sollten uns immer wieder vergegenwärtigen: Auch die Nationalmannschaft und die Liga wären längst nicht das, was sie sind, wenn es nicht von den kleinsten Vereinen an die vielen, vielen Ehrenamtlichen gäbe, die mitmachen, die sich einsetzen, die mit Leidenschaft ihre Freizeit mit Fußball verbringen, die jungen Menschen immer wieder Mut machen, wenn man verloren hat, wieder aufzustehen, etwas nachzuholen und weiterzumachen, und die neben dem Fußball die vielen kleinen Lebenskonflikte, die es bei jungen Menschen gibt, gleich noch mit lösen. Herzlichen Dank all denen, die in diesem Bereich engagiert sind. Das macht unser Land stark.

Ich möchte zum Abschluss noch zwei Dinge sagen. Wir freuen uns auf die Frauen-Fußballweltmeisterschaft im nächsten Jahr mit dem Team um Bundestrainerin Silvia Neid. 300.000 Karten sind schon verkauft; das ist ein super Einstieg. Ich muss als Bundeskanzlerin des Gastgeberlandes natürlich neutral sein, aber man wird mir verzeihen, wenn ich, wie wahrscheinlich viele hier im Saal, unserem Team im nächsten Jahr die Daumen drücke.

Weil ich gleich nicht mehr dabei sein kann, möchte ich Ihnen, lieber Joseph Blatter, ganz herzlich für das, was Sie damals im Zusammenhang mit der Weltmeisterschaft in Deutschland für uns getan haben, danken. Ich möchte Ihnen aber auch für die Entschlossenheit danken, mit der Sie die Weltmeisterschaft auch nach Südafrika gebracht haben. Viele haben sich gefragt – ich kann es nur wiederholen: Wie soll das etwas werden? Es ist wunderbar geworden und es hat allen Spaß gemacht. Ich durfte Ihnen das Bundesverdienstkreuz überreichen. Ich kann den Anwesenden sagen, dass Herr Blatter es dabei hat und eben ganz stolz gezeigt hat. So darf er mit dieser Auszeichnung am Revers dann wohl auch Ehrenmitglied des Deutschen Fußball-Bundes werden. Herzlichen Glückwunsch für diese Auszeichnung, die Sie gleich bekommen werden.

Da ich unglaublich gerne hier war, jetzt aber noch weiter muss, sage ich Ihnen, Herr Zwanziger: Ich komme gerne einmal wieder. Herzlichen Dank Ihnen allen und gute Beratungen.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

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