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Freitag, 26. Februar 2010

China-Reise des Wirtschaftsministers

China - ein internationaler Schlüsselmarkt

von:
Rainer Brüderle

Letzte Woche hat Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle China bereist. In der "Welt" beschreibt er den Aufstieg des Landes zum Global Player und die Chancen, die sich für die Industrienation Deutschland daraus ergeben. So erreichten die Exporte nach China selbst im Krisenjahr 2009 Rekordzahlen.

Porträt Brüderle Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle Foto: REGIERUNGonline/Kugler

Der Beitrag des Ministers:

China ist groß, aber noch nicht stark", das sagte mir der stellvertretende Ministerpräsident der Volksrepublik China, Wang Qishan, bei unserem Gespräch vor acht Wochen in Peking und schwärmte von „Made in Germany" und der Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

Während die europäischen Länder oft staunend vor dem neuen chinesischen Wirtschaftswunder stehen, nimmt sich China selbst offenbar immer noch als Nachzügler wahr, der sich auf Aufholjagd befindet. In der Äußerung Wangs steckt einerseits Respekt für die Leistung Deutschlands, andererseits aber auch die sichere Gewissheit, auf Dauer selbst in der obersten Liga mitspielen zu können.

China ist für die deutsche Wirtschaft längst zu einem Schlüsselmarkt geworden. Im Krisenjahr 2009 konnte nur ein Land aus dem Kreis der G20-Staaten mit nennenswerten Wachstumsraten aufwarten: die Volksrepublik China.

Von einer starken chinesischen Wirtschaft profitiert die Weltwirtschaft und damit letztlich auch die deutsche Wirtschaft. Das gilt insbesondere für die Exportwirtschaft.

Deutsche Exporte nach China sehr hoch

Die deutschen Exporte nach China haben sich seit dem Jahr 2000 im Zuge des chinesischen Wirtschaftswunders fast vervierfacht. Im Jahr 2009 konnte die deutsche Exportwirtschaft, die mit zweistelligen Einbrüchen zu kämpfen hatte, nur in China Zuwächse erzielen.

Mit einem Plus von sieben Prozent und einem Ausfuhrvolumen von 36,5 Milliarden Euro haben die deutschen Exporte nach China im Jahr 2009 mitten in der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit ein neues Allzeithoch erreicht.

Die Tatsache, dass China uns als Exportweltmeister nach Meinung mancher Experten abgelöst hat, muss keine „Bedrohung" sein. Dass 1,3 Milliarden Chinesen auf dem Weltmarkt mehr anbieten als 82 Millionen Deutsche, sollte uns nicht beunruhigen.

Deutschland ist der größte Handelspartner Chinas in Europa und auch einer der wichtigsten Auslandsinvestoren. Dieses Engagement ist in jeder Hinsicht positiv.

Die Zeiten, als deutsche Unternehmen ihre Produktion aus Kostengründen nach China verlagerten, gehören allerdings weitgehend der Vergangenheit an. Wenn sich deutsche Unternehmenheute nach China orientieren, dann meist, um sich den riesigen chinesischen Binnenmarkt zu erschließen, so die Einschätzung der deutsehen Handelskammer in China.

Dass diese Rechnung aufgeht, sehen wir am Beispiel der Automobilindustrie. China ist inzwischen der größte Automobilmarkt der Welt und die deutschen Automobilbauer haben einen großen Marktanteil. Der Erfolg in China nützt auch den Stammwerken hierzulande. Sie profitieren durch von der Mischkalkulation und von den Zulieferungen aus den chinesischen Werken.

Die Automobilindustrie ist ein gutes Beispiel, aber nicht das einzige: Ähnliche Erfolgsgeschichten gibt es auch im Maschinenbau, in der Chemieindustrie, in der Elektrotechnik und in vielen anderen Branchen.

Zukünftige Märkte in China

Wo liegen die größten Zukunftschancen auf dem chinesischen Markt? Exemplarisch will ich hier drei Bereiche nennen: Umwelttechnologien, Konsumgüter und Dienstleistungen.

Das Wirtschaftswachstum Chinas, so beeindruckend es ist, fordert seinen Preis: hoher Ressourcenverbrauch und wachsende Umweltzerstörung. Deshalb wird auch China auf einen Pfad der nachhaltigen Entwicklung umschwenken müssen.

Die Investitionen in Umwelttechnologien könnten sich nach Branchenschätzungen in China in den kommenden Jahren verdoppeln. Die deutsche Industrie bringt als Weltmeister in Sachen grüner Technologien hervorragende Voraussetzungen mit, um auf diesem Gebiet ganz vorne mitzuspielen.

Auch der Hunger der Chinesen nach Konsumgütern ist gewaltig. Schon heute gehören etwa 200 Millionen Chinesen zur Mittelschicht. In zehn bis 15 Jahren könnten es 600 bis 700 Millionen sein.

Gleichviel, ob die Konsumgüter im Ausland öder in China produziert werden, kommen die Produktionsmaschinen aus dem Ausland. Für deutsche Unternehmen liegt also auch hier viel Potenzial.

Der Anteil der Dienstleistungen am chinesischen Bruttoinlandsprodukt liegt bei 43 Prozent. In Deutschland beträgt der Anteil 69 Prozent, in anderen europäischen Staaten sogar noch etwas mehr. Es liegt auf der Hand, dass auch in China ein gewaltiger Strukturwandel hin zum Dienstleistungssektor zu erwarten ist. Auch hier hat die deutsche Wirtschaft gute Chancen, dabei zu sein, sei es bei Finanzdienstleistungen, in Spedition und Logistik, im Handel oder im Bereich der technischen Dienstleistungen.

Nicht immer einfacher, aber lohnenswerter Partner

China ist ein vielversprechender, aber nicht immer ein einfacher Partner. Europa und die USA wünschen sich zum Beispiel, dass China an manchen Stellen noch mehr Verantwortung für die Weltwirtschaft übernimmt. Auf mittlere Sicht wird China beispielsweise den Wechselkurs der Landeswährung Renminbi zum Dollar schrittweise flexibilisieren müssen. Das geht zwar nicht von heute auf morgen, aber mit Blick auf die weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte ist dieser Schritt auch im Interesse Chinas sicherlich notwendig.

Auch in Sachen Marktöffnung gibt es noch Handlungsbedarf. Es gibt immer noch Einfuhrbeschränkungen, Zertifizierungsanforderungen oder Beteiligungsgrenzen. In Gesprächen mit der chinesischen Regierung drängen wir permanent auf Verbesserungen.

Es wurde allerdings auch schon viel erreicht: Mit dem Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) im Jahr 2001 etwa hat sich China spürbar geöffnet. Die chinesische und die japanische Volkswirtschaft sind etwa gleich groß, trotzdem exportieren wir nach China dreimal so viel wie nach Japan - und Japan ist WTO-Mitglied der ersten Stunde.

Eine große Herausforderung für deutsche Unternehmen in China ist nach wie vor der Schutz geistigen Eigentums. Für die innovative deutsche Wirtschaft ist es entscheidend, dass ihr kreatives Potenzial angemessenen Schutz erfährt. Das sagen wir der chinesischen Seite auch sehr offen.

Gleichzeitig zeigen wir unseren chinesischen Partnern praktische Wege auf, die Schutzrechtssituation im Land zu verbessern. Dazu gehört die intensive Kooperation des deutschen und des chinesischen Patentamts ebenso wie die Fortbildung von Richtern.

Weil China schon heute große Anstrengungen unternimmt, eigene Innovationsfähigkeiten zu entwickeln, hat das Land auf Dauer auch ein Eigeninteresse, geistige Eigentumsrechte effektiv zu schützen.

Selbstverständlich lassen wir auch die Unternehmen, die heute vor Ort mit den Problemen umgehen müssen, nicht allein. Die deutsche Handelskammer in China leistet exzellente Beratung zu angemessenen Schutzrechtsstrategien.

Wichtig ist, dass die Unternehmen diese Beratung im Vorfeld nutzen. China ist auf seinem Weg, nicht nur groß, sondern auch stark zu werden, schon weit vorangekommen. Die deutsche Wirtschaft hat von diesem Aufstieg profitiert und auch künftig viel zu gewinnen. Die Bundesregierung versteht sich als Partner der Wirtschaft und wird sie tatkräftig unterstützen, um diese Chancen gemeinsam mit ihr und für sie zu nutzen.

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