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Donnerstag, 30. September 2010

20 Jahre

Die Deutschen haben in den vergangenen 20 Jahren eine große Leistung vollbracht

von:
Angela Merkel
Quelle:
in "Märkische-Allgemeine-Online"

Bundeskanzlerin Angela Merkel schreibt in der Märkischen Allgemeinen Zeitung über das historische Glück der Deutschen Einheit. "Wir haben alle Anlass zur Freude, in einem freien, demokratischen Deutschland mit einem festen Wertefundament leben zu können." 

scribble_ganzklein.jpg 20 Jahre Deutsche Einheit Foto: REGIERUNGonline

Vor 20 Jahren wurde für uns Deutsche ein Traum wahr. Es waren wohl nur noch die Wenigsten, die nach langen Jahren des Kalten Krieges die Wiedervereinigung unseres Landes in Frieden und Freiheit für möglich gehalten haben. Selbst als Michail Gorbatschow in der Sowjetunion tiefgreifende Staatsreformen auf den Weg brachte, wollte oder konnte die DDR-Führung die Zeichen der Zeit nicht erkennen. Es war dennoch nicht mehr aufzuhalten: Fehlende Meinungs- und Reisefreiheit, politische Verfolgung, Misswirtschaft und zunehmende Versorgungsengpässe forderten ihren mehr als gerechtfertigten Tribut.

Stück für Stück entglitt der Staatsmacht die Kontrolle über das öffentliche Leben. Immer mehr Bürgerinnen und Bürger zeigten Zivilcourage und nahmen ihr Schicksal in die eigene Hand. Ihnen und ihrer friedlichen Revolution haben wir es zu verdanken, dass schließlich die SED-Diktatur zusammenbrach und die Mauer fiel. Das Ergebnis der ersten freien Volkskammerwahl am 18. März 1990 war ein klares Votum für die Deutsche Einheit. Dieser Wunsch ging in Erfüllung, weil Bundeskanzler Helmut Kohl und Außenminister Hans-Dietrich Genscher mit großem Geschick den Weg bahnten, Michail Gorbatschow das Selbstbestimmungsrecht des deutschen Volkes achtete und sich insbesondere der amerikanische Präsident George Bush sen. für die Einheit aussprach.

Wir Deutschen haben in den vergangenen 20 Jahren eine Leistung vollbracht, um die uns viele auf der Welt beneiden. Trotz aller Veränderungen in fast allen Lebensbereichen hat die große Mehrheit der Menschen in den neuen Ländern die Chancen der Freiheit genutzt und sich tatkräftig für den Aufbau ins Zeug gelegt. Dank des persönlichen Engagements vieler Westdeutscher und dank der finanziellen Hilfe des Bundes und der alten Länder ist es gelungen, moderne Verkehrs- und Kommunikationswege zu schaffen, die vielfach gebeutelte Natur im Osten zu retten, die verfallenen Innenstädte zu sanieren, moderne Industrien anzusiedeln und manches mehr.

Wir hatten in den neuen Bundesländern in den letzten Monaten erstmals wieder Arbeitslosenzahlen wie kurz nach der Wiedervereinigung: unter einer Million. Die Lebenserwartung der Männer liegt heute um durchschnittlich sieben, die der Frauen um sechs Jahre höher als 1990 – ein immenser Gewinn an Lebensqualität.

Ich weiß, dass die Entwicklung seit 1990 bei manchen auch zu Enttäuschungen geführt hat. Nicht alle, die die Deutsche Einheit gerne mitgestaltet hätten, konnten sie mitgestalten, weil sie ihre Arbeit verloren haben, weil sie Opfer von Misswirtschaft und Planwirtschaft waren. Und mir ist auch bewusst, dass wir in Deutschland noch mehr miteinander reden müssen, um Missverständnisse zu beseitigen. Auch wenn man in einem Unrechtsstaat gelebt hat, kann man als Individuum ein sehr aufrechtes Leben geführt haben. Die Stasi-Akten belegen beileibe nicht nur Verstrickungen in das Spitzelsystem der SED, sondern enthalten auch viele Zeugnisse des Widerstandes gegen das Regime.

Es gibt natürlich noch Herausforderungen, vor denen wir auch heute, nach 20 Jahren, noch stehen. Dies aber schmälert nicht das historische Glück der Deutschen Einheit. Wer sich die Geschichte unseres Landes vor Augen hält, weiß auch: Wir haben allen Anlass zur Freude, in einem freien, demokratischen Deutschland mit einem festen Wertefundament leben zu können, das in freundschaftlichen Beziehungen zu allen Nachbarn steht.

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