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Schriftliches Kulturgut

Feuer und Wasser: gefährlich für Papier

Nicht nur an Denkmälern aus Stein nagt der Zahn der Zeit. Viele unserer wertvollsten Überlieferungen – von Wissenschaft über Dichtung bis hin zur Musik – sind auf Papier verfasst. Bund und Länder sorgen nun für einen besseren Schutz der Dokumente.

Archivgut nach Bergung und grober Reinigung Zerstörte Buchseiten Foto: Rheinisches Bildarchiv, Köln

Papier ist durch Katastrophen wie Feuer und Wasser, aber auch durch schleichenden Zerfall wie Säure- und Tintenfraß gefährdet. In ihrem Bemühen, die Dokumente zu erhalten, stehen die einzelnen Bibliotheken und Archive vor einer Herkulesaufgabe. Zu groß ist die Menge und zu hoch der technische Aufwand, um dieses Problem allein bewältigen zu können.

Bund und Länder haben deshalb im August 2011 die „Koordinierungsstelle schriftliches Kulturgut“ gegründet. Sie unterstützt die Einrichtungen, indem sie ein nationales Bestandserhaltungskonzept erarbeiten wird. Auch die Förderung von Modellprojekten ist in diesem Rahmen möglich. Nach einer ersten Förderrunde im Jahr 2010 sind 2011 weitere 40 Projekte bewilligt worden. Förderschwerpunkt war im Jahr 2011 die Bekämpfung von Schäden durch "Feuer und Wasser".

Modellprojekte 2011 - zwei Beispiele

Der verheerende Brand 2004 in der Anna Amalia Bibliothek in Weimar zerstörte zum Beispiel allein etwa 50.000 Bücher, darunter einen Großteil des Bestandes an Musikalien. Auch durch das Löschwasser entstanden erhebliche Schäden. Deshalb soll dort im Rahmen eines geförderten Modellprojektes die Restaurierung von hitze- und wassergeschädigten Gewebebänden erforscht werden.

Im Landesarchiv Niedersachsen befinden sich wichtige Quellen zur Herrschaft Napoleons in Norddeutschland. Sie sind durch das Leinehochwasser 1946 so schwer beschädigt, dass sie nicht mehr benutzbar und durch starken Schimmelpilzbefall vom Verfall bedroht sind. Das ist ein typisches Problem bei Wasserschäden an Dokumenten. In dem Modellprojekt wird zunächst der Schaden ermittelt. Dann wird ein Konzept entwickelt, in dem der Restaurierungsaufwand errechnet und die einzelnen Schritte geplant werden. Ziel ist, dass es auf vergleichbare Fälle übertragbar ist.

Bund und Länder helfen gemeinsam

Für die 40 bewilligten Projekte konnten insgesamt 513.00 Euro bereitgestellt werden. Davon trägt der Bund fünf Sechstel, die Länder ein Sechstel der Kosten. Kulturstaatsminister Bernd Neumann unterstrich: „Die Projekte werden einen maßgeblichen Beitrag zur Rettung historischer Bestände in Archiven und Bibliotheken leisten. Zudem sollen neue Erkenntnisse im Umgang mit feuer- und brandgeschädigten Dokumenten gewonnen werden.“

Die Koordinierungsstelle für den Erhalt des schriftlichen Kulturguts wurde im August 2011 bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz eingerichtet und bei der Staatsbibliothek zu Berlin angesiedelt. Ihre Hauptaufgaben bestehen darin,
- ein nationales Bestandserhaltungskonzept zu entwickeln,
- die Öffentlichkeit für das Problem des Papierzerfalls zu sensibilisieren,
- bereits vorhandener Erkenntnisse auszuwerten,
- bestehende Institutionen zu vernetzen und
- Forschung durch Modellprojekte zu unterstützen.
Zu diesem Zweck werden ihr jährlich 500.000 Euro aus dem Haushalt des Kulturstaatsministers zur Verfügung gestellt. Die Länder beteiligen sich über die Kulturstiftung der Länder mit weiteren 100.000 Euro. Die Koordinierungsstelle ist zunächst befristet auf fünf Jahre mit einer Option der Weiterführung eingerichtet. Nach drei Jahren sollen die Fortschritte der Koordinierungsstelle zum ersten Mal ausgewertet werden.

Freitag, 30. Dezember 2011

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