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Verbraucherschutz

Finanzberatung transparent gemacht

Verbraucher in Deutschland sollen künftig genau wissen, welchen Anlageberater sie vor sich haben: einen Vermittler, der vom Verkauf von Finanzprodukten profitiert, oder einen unabhängigen Berater, dessen Dienst der Kunde selbst vergütet.

Drei Personen sitzen bei einem Beratungsgespräch an einem Tisch. Beratungen sollen stärker an den Interessen der Verbraucher ausgerichtet werden. Foto: Jens Komossa

Die Bundesregierung führt deshalb den geschützten Beruf des "Honorar-Anlageberaters" ein und hat dazu einen Gesetzentwurf verabschiedet. Der Deutsche Bundestag hat das Gesetz am 26. April 2013 beschlossen. Es soll Mitte 2014 in Kraft treten.

Beratungskriterien klar definiert

"Mit dem Gesetz haben wir eine weitere wichtige Etappe auf dem Weg zu einer besseren Finanzberatung zurückgelegt", begrüßte Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner den Beschluss des Bundestages. "Die Finanzkrise hat gezeigt, dass gerade im Bereich der Geldanlage großer Handlungsbedarf besteht, die Beratung stärker an den Interessen der Verbraucher auszurichten."

Die Honorarberatung könne diesem Anspruch am besten gerecht werden, da sie nicht durch Provisionszahlungen beeinflusst wird. "Indem wir die Kriterien einer Honorarberatung klar definieren, erschließen wir ein neues Geschäftsfeld. Ich bin davon überzeugt, dass die Honorarberatung in Deutschland zu einem Erfolgsmodell wird", sagte Aigner.

Anlageberatung wird in Deutschland derzeit hauptsächlich in Form der provisionsgestützten Beratung erbracht. Heute gibt es nur etwa 1.500 Honorarberater gegenüber etwa 300.000 provisionsabhängigen Beratern.

Das will die Bundesregierung im Sinne der Verbraucher ändern. Denn oft wissen die Kunden nicht, ob ein Anlageberater Provisionen bestimmter Anbieter oder Emittenten erhält und daher vor allem deren Produkte empfiehlt. Daran hat auch die gesetzliche Offenlegungspflicht des Beraters nicht viel geändert.

Der Kunde steht im Vordergrund

Die Bundesregierung stellt Honorarberatung erstmals auf eine gesetzliche Grundlage und schafft damit den Einstieg in eine Alternativkultur der Anlageberatung.

"Der Kunde und seine persönlichen Interessen müssen immer im Vordergrund stehen. Nur Banken und Berater, die diesen Grundsatz berücksichtigen, werden langfristig auf dem Anlagemarkt erfolgreich sein können", unterstrich Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner. Der Gesetzentwurf basiert auf einer Initiative des Verbraucherministeriums von 2011.

Beratung und Verkauf trennen

Dem Verbraucher muss im Beratungsgespräch klar sein, mit wem er es zu tun hat: Mit einem Vermittler, der vom Verkauf von Finanzprodukten profitiert und für den die Beratung eine notwendige Vorstufe darstellt; oder mit einem unabhängigen Berater, der von der Beratungsleistung lebt - dem Honorar, das unabhängig vom Verkauf der Finanzprodukte ist. Die Bundesregierung will daher den Verkauf von Anlage-Produkten und die reine Beratungskompetenz voneinander trennen.

Besserer Marktüberblick

Die künftigen Honorarberater müssen weitergehende Anforderungen erfüllen als Anlageberater auf Provisionsbasis:

  • Sie müssen über einen ausreichenden Marktüberblick verfügen. Die Beratung muss ein breites Angebot umfassen. Sie darf sich nicht auf eigene oder auf Finanzanlagen nahestehende Anbieter oder Emittenten beschränken.
  • Die Beratung darf ausschließlich auf Kundenvergütung erfolgen. Sind bestimmte Finanzprodukte nicht provisionsfrei am Markt erhältlich, müssen die Berater diese "Zuwendungen" unverzüglich an ihre Kunden weiterleiten.
  • Für Honorar-Finanzanlageberater führt der Gesetzentwurf spezielle gewerberechtliche Erlaubnis- und Eintragungspflichten (IHK-Register) ein. Damit wird eine honorargestützte Anlageberatung auch für beispielsweise offene Investmentfonds möglich.

EU-Regelung erst später

Das Honoraranlageberatungsgesetz ist ein weiterer Baustein für den neuen Ordnungsrahmen für die Finanzmärkte und für mehr Verbraucherschutz. Auch damit ist Deutschland Vorreiter in Europa.

Zwar verfolgt die EU-Kommission ein vergleichbares Konzept für eine "unabhängige Beratung", die deutsche Regelung ist aber umfassender. Mit der Neufassung der EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID (Markets in Financial Instruments Directive) wird zudem nicht vor 2015 gerechnet.

Freitag, 26. April 2013

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