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Freitag, 28. Januar 2011

Frauen

Gegen die männliche Monokultur im Management

von:
Kristina Schröder
Quelle:
im "Handelsblatt"

Mit einer freiwilligen flexiblen Quote will Bundesfrauenministerin Kristina Schröder dafür sorgen, dass mehr Frauen in Führungspositionen gelangen. Wie dieser Mechanismus funktionieren soll, erklärt die Ministerin in einem Beitrag für das Handelsblatt. Gelingt es vorher, den durchschnittlichen Frauenanteil in Aufsichtsräten, Vorständen und Geschäftsführungen zu verdreifachen, kommt die Quote erst gar nicht.

Es gibt zweifellos viele gute Gründe, der männlichen Monokultur im Management den Kampf anzusagen. Kein einziger davon allerdings rechtfertigt die wohlfeile Forderung nach einer für alle Unternehmen einheitlichen Frauenquote. Die staatlich verordnete Einheitsquote als Patentrezept gegen männliche Dominanz in Führungspositionen hat denselben Effekt, den man Kortison als Patentmittel gegen Hautausschlag nachsagt: Die Symptome verschwinden – die Ursachen bleiben. Denn solange Unternehmen der Monokultur im eigenen Haus nicht selbst den Kampf ansagen, gilt der Satz von Albert Einstein: „Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.“

Vom gesetzlichen Quotenzwang profitieren diejenigen Frauen, die am besten in die männliche Monokultur passen – in eine Kultur, in der familiäre Aufgaben als Handicap gelten und in der diejenigen am erfolgreichsten sind, die familiäre Verantwortung aus ihrem Leben outsourcen oder gleich auf Familie verzichten. Ergebnisgleichheit als Chancengleichheit auszugeben ist deshalb Augenwischerei. Frauen, die Zeit für Familie und Verantwortung in einer Führungsposition wollen, sollten sich damit nicht abspeisen lassen.

Sie müssen es auch nicht, denn staatlich verordnete, starre Frauenquoten, die alle Unternehmen über einen Kamm scheren, werden sich wegen schwerwiegender verfassungsrechtlicher Bedenken erst gar nicht umsetzen lassen. Schon im Bericht der Gemeinsamen Verfassungskommission von Bundestag und Bundesrat, die 1993 aus Anlass der Wiedervereinigung Vorschläge für Grundgesetzänderungen vorlegte, heißt es über die Verfassungsbestimmung zur Förderung der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau: „Es bestand Einigkeit, dass diese Bestimmung eine Frauenförderung in Gestalt sog. starrer Quoten nicht gestattet.“ Ein gerade fertiggestelltes Rechtsgutachten des renommierten Verfassungsrechtlers Fritz Ossenbühl zur Zulässigkeit von Frauenquoten bei der Bestellung von Aufsichtsräten, Vorständen und Geschäftsführungen kommt zum selben Ergebnis: Starre, auf die Herstellung von Ergebnisgleichheit gerichtete Quoten sind demnach nicht mit dem Grundgesetz vereinbar.

Chancengerechtigkeit erfordert intelligente und marktwirtschaftliche Lösungen, die den Ursachen schlechterer Aufstiegschancen von Frauen gerecht werden und hinreichend zwischen unterschiedlichen Ausgangsbedingungen in verschiedenen Branchen und Unternehmen differenzieren. Auf diesen beiden Prämissen beruht mein Stufenplan für mehr Frauen in Führungspositionen, den ich im Frühjahr 2011 vorlegen werde.

Kern dieses Stufenplans ist eine gesetzliche Pflicht zur Selbstverpflichtung: Unternehmen werden ab einer gewissen Größe gesetzlich verpflichtet, sowohl für den Vorstand als auch für den Aufsichtsrat eine selbstbestimmte Frauenquote festzulegen und zu veröffentlichen. Diese soll innerhalb von zwei Jahren erreicht werden. Die gesetzliche Pflicht zur flexiblen Quote greift erst, wenn es bis zu einem Stichtag im Jahr 2013 nicht gelingt, bundesweit den durchschnittlichen Frauenanteil in Aufsichtsräten, Vorständen und Geschäftsführungen mit Hilfe freiwilliger Selbstverpflichtungen zu verdreifachen.

Die gesetzliche Pflicht entfällt für die Unternehmen, die in Aufsichtsrat und Vorstand eine Quote von 30 Prozent erreicht haben – und damit den Frauenanteil, ab dem wir davon ausgehen dürfen, dass Frauen die Unternehmenskultur prägen und Strukturen verändern können.

An dem Tag, an dem Unternehmen ihre individuellen Zielvorgaben veröffentlichen, wird der Stufenplan einen gleichstellungspolitischen Diskurs entfachen, wie wir ihn in dieser Qualität bisher nicht erlebt haben. Es wird nicht lange dauern, bis Zielvorgaben in Rankings verglichen werden. Ein Maschinenbau-Unternehmen wird vorsichtige Zielsetzungen aufgrund der geringen Zahl weiblicher Hochschulabsolventinnen vielleicht nachvollziehbar begründen können. Ein Automobilhersteller, dem es an hervorragend qualifizierten Mitarbeiterinnen nicht mangelt, wird die Latte etwas höher hängen müssen – erst recht dann, wenn Wettbewerber mit ambitionierten Zielen Pluspunkte in der Öffentlichkeit sammeln. Die Flexiquote befeuert nach außen den Wettbewerb zwischen den Unternehmen und stößt gleichzeitig nach innen Diskussionen an, was sich mit Blick auf faire Chancen ändern muss.

Ja zur flexiblen Quote und damit zur Quotenvielfalt – nein zur Einheitsquote: Das ist der Grundgedanke meines Stufenplans für mehr Frauen in Führungspositionen. Denn ich bin überzeugt: Wandel durch Wettbewerbsdruck ist auch in der Gesellschaftspolitik erfolgversprechender als staatliche Bevormundung.

Von: Kristina Schröder, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Quelle: Handelsblatt

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