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Donnerstag, 9. August 2012

Interview

Gesetzesbrüche bestrafen

Interview mit:
Daniel Bahr
Quelle:
Bild

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr fordert harte Konsequenzen für rechtswidrige Organvergabe. Im Gespräch mit der Bild-Zeitung sagte er, die Gesetze seien bereits klar formuliert, mögliche Regelungslücken seien jedoch zu beseitigen. Ein neues Gesetz ermöglicht nun unangemeldete Kontrollen in Transplantations-Zentren.

Bild: Organhandel, kriminelle Ärzte, Organe werden an der Liste vorbei vergeben. Ist das Transplantations-System korrupt?

Daniel Bahr: Nein. Wir dürfen die Themen nicht vermengen. Die Gesetze in Deutschland sind klar formuliert. Versuche, sie zu umgehen, müssen mit aller Härte bestraft werden. In Göttingen und Regensburg geht es um Manipulation von Daten.

Bild: Sind die Schummeleien bei der schnellen Organvergabe die Regel?

Bahr: Nein, auch hier gibt es eindeutige Regeln. Ist ein Organ nicht geeignet für den Empfänger, kann es einem anderen Menschen das Leben retten, anstatt ungenutzt zu bleiben. Das entscheidet kein Arzt allein, es sind mehrere Kliniken und Eurotransplant eingebunden und alle Empfänger stehen auf der Liste.

Bild: Wo konnte getrickst werden?

Bahr: Das wird detailliert geprüft. Die Regeln von Bundesärztekammer, Eurotransplant und der Stiftung Organtransplantation sind klar. Künftig muss aber verhindert werden, dass Ärzte manipulieren können.

Bild: Muss das Gesetz geändert werden zu mehr staatlicher Kontrolle?

Bahr: Die Länder erfüllen staatliche Kontrolle. Der Ruf nach staatlicher Organvergabe ist aber keine Lösung. Das neue Gesetz ermöglicht seit 1. August zudem unangemeldete Überprüfungen in Transplantationszentren, was mehr Transparenz schafft. Wenn es Gesetzeslücken geben sollte, müssen die geschlossen werden. Nach der Sommerpause lade ich alle Parteien ein, um gemeinsam über Konsequenzen zu beraten und das Vertrauen zurückzugewinnen.

Bild: Es gibt zu wenig Organe und zu viele Menschen, die eines brauchen. Muss mehr Druck auf Spender ausgeübt werden?

Bahr: Bei diesem Thema ist Zwang falsch. Ich setze weiter auf Freiwilligkeit, so wie es auch die Entscheidungslösung vorsieht. Es ist ein Akt der Nächstenliebe, nach dem eigenen Tod jemand anderem die Chance auf ein neues Leben zu geben.

Bild: Wie sollen Bürger wieder Vertrauen fassen?

Bahr: Kassen informieren verstärkt und ich appelliere an alle, sich mit dem Thema zu befassen.

Bild: Welche Organe spenden Sie?

Bahr: Mein Spenderausweis hat keine Einschränkungen, es könnten alle Organe genutzt werden, was meiner Familie im Unglücksfall die Entscheidung erspart. Aktuell sterben 20 Menschen pro Woche, weil Organe fehlen - jeder kann ein potenzieller Lebensretter sein.

Das Interview führte Angi Baldauf für Bild.

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