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Montag, 30. November 2009

Guttenberg: Bombardement wird neu geprüft

Interview mit:
Karl-Theodor zu Guttenberg
Quelle:
in "Bild"

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg lässt die Informationen und Dokumente über das Bombardement der Tanklastzüge in Kunduz neu auswerten. Anschließend will er den Vorfall neu bewerten, kündigt der Minister im Interview mit der Bild-Zeitung an.

Das Interview im Wortlaut:

 

Bild: Herr Minister, nach dem Rücktritt Ihres Vorgängers wird das Bombardement der Tanklastzüge nahe Kunduz neu aufgerollt. Wie lange dauert das?

 

Karl-Theodor zu Guttenberg: Ich habe sofort nach Vorlage der mir vorenthaltenen Berichte dem Bundestag eine Neubewertung zugesagt. Derzeit werden die gesamten Unterlagen noch einmal neu ausgewertet.

 

Bild: Hätten auch Sie Ihre Einschätzung früher revidieren müssen?

 

zu Guttenberg: Klar ist, dass vor Ort Fehler gemacht wurden, sowohl vor wie nach dem Luftschlag. Diese Fehler wurden von mir, soweit der ISAF-Bericht von General McChrystal sie beschrieb, am 6. November deutlich benannt. Ob die jetzt vorliegenden Dokumente diese Fehler in einem anderen Licht erscheinen lassen, ist Gegenstand der momentanen Prüfung.

 

Bild: Was genau wird geprüft?

 

zu Guttenberg: Eine erste Sichtung der Berichte zeigt, dass sich insbesondere folgende Fragen stellen: Hätte es zum Luftschlag gegen die Tanklaster kommen müssen? Hätte ein fehlerfreies Handeln - unabhängig von der juristischen Bewertung - auch insbesondere unbeteiligte Opfer gefordert? Gleichzeitig werden wir uns selbstkritisch fragen müssen, ob wir als internationale Gemeinschaft wirklich alles getan haben beziehungsweise tun, damit solche Fehler in Zukunft unterbleiben. Ist die Ausstattung, sind die Rahmenbedingungen ausreichend, um sicherzustellen, dass unsere Soldaten in Zukunft in solchen Situationen angemessen reagieren können? Das ist die Frage, die wir mit Blick auf die Afghanistan-Konferenz diskutieren müssen.

 

Bild: Trauen Sie Ihren obersten Bundeswehr-Generälen noch?

 

zu Guttenberg: Ich habe in den ersten vier Wochen meiner Amtszeit eine hoch motivierte, offene Zusammenarbeit mit Generälen und Soldaten erlebt Ich habe von Anfang an klargemacht, dass ich hohe Ansprüche an Loyalität und Transparenz nach innen wie außen habe, und ich habe den Eindruck, dass dies inzwischen nachhaltig verstanden worden ist.

 

Bild: Herrscht ein übertriebener Korpsgeist an der Spitze der Bundeswehr?

 

zu Guttenberg: Für solche Pauschalurteile gibt es keinen Grund.

 

Bild: Braucht es eine neue Organisation von Armeeführung und Ministerium?

 

zu Guttenberg: Es wäre zu früh, jetzt schon abschließend über Veränderungen zu befinden. Wir werden jetzt mit aller gebotenen Gründlichkeit analysieren, an welcher Stelle in der Organisation Verbesserungspotenzial besteht, und dies im Zuge der Arbeit einer Strukturkommission umsetzen.

 

Bild: Wie kann man den Soldaten in Afghanistan den Rücken stärken und zugleich die Vorgänge aufklären?

 

zu Guttenberg: Das ist doch kein Widerspruch. Das Ansehen und die Wertschätzung unserer Soldaten vor Ort hängt doch unmittelbar mit dem Vertrauen zusammen, das die Gesellschaft in ihren Einsatz hat. Gerade deshalb ist Transparenz der Schlüssel für Vertrauen und Anerkennung. Und glauben Sie mir: Für das, was die Soldaten in Afghanistan leisten, verdienen sie Vertrauen und Anerkennung von uns allen.

 

Das Interview führte Nikolaus Blome.

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