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Freitag, 6. Mai 2011

Namensbeitrag

In Köpfe investieren und den Terrorismus bekämpfen

von:
Cornelia Pieper
Quelle:
in "Frankfurter Rundschau"

"Unser Engagement für die Bildungsentwicklung Afghanistans ist eines der zentralen Elemente der deutschen Afghanistan-Strategie", schreibt Staatsministerin Cornelia Pieper in der Frankfurter Rundschau. Allerdings könnten Erfolge in der Bildung nur erzielt werden, wenn das Umfeld stabilisiert sei.

Schülerin einer Schule in Kabul schreibt etwas in ihr Heft Bildungsinvestitionen stützen Wiederaufbau Foto: Martin Stollberg

In die Köpfe der Menschen zu investieren, ist die beste Demokratisierungs- und Menschenrechtspolitik und zugleich der wirksamste Kampf gegen den Terrorismus.“ Bei dieser Aussage bleibe ich und möchte den Raum zur Entgegnung auf einen an dieser Stelle erschienenen Artikel von Tom Koenigs nutzen. Herr Koenigs hatte im Anschluss an seine Afghanistan-Reise das deutsche Engagement für die Bildungsentwicklung in Afghanistan kritisiert.

Vorab: Unser Engagement für die Bildungsentwicklung Afghanistans ist eines der zentralen Elemente der deutschen Afghanistan-Strategie. Erfolge im Bildungsbereich werden wir allerdings nur erzielen, wenn das Umfeld stabilisiert ist und die Kämpfer reintegriert sind.

Die traditionelle Unterstützung des afghanischen Sekundarschulwesens durch Deutschland ist auch heute ein wichtiger Pfeiler beim Aufbau des afghanischen Bildungsbereichs. Es ist richtig, die drei traditionell von uns unterstützten Sekundarschulen in Kabul weiter zu begleiten. Die Förderung dieser Schulen hat sich in den vergangenen Jahren auf knapp eine Million Euro jährlich eingependelt.

Wir setzen in der Zusammenarbeit auf das Prinzip der „Afghan ownership“. So befinden sich alle drei von uns unterstützten Schulen in afghanischer Trägerschaft. Heute noch zählen diese Schulen zu den besten des Landes. Wir betrachten es als unsere Aufgabe, auch weiterhin verstärkten Deutschunterricht an diesen Schulen anzubieten. Dafür sind seit 2002 unverändert sieben Lehrerinnen und Lehrer sowie ein Fachberater der Zentralstelle für Auslandsschulwesen dort und leisten hervorragende Arbeit. Sie bilden zusätzlich afghanische Lehrerinnen und Lehrer aus 17 staatlichen Schulen verschiedener Landesteile fort. Neben der Förderung der afghanischen Bildungselite wird dadurch ein weiterer Fokus auf die Verbesserung der Breitenbildung in den Provinzen gelegt.

Die deutsch-afghanischen Hochschulbeziehungen werden seit 2002 maßgeblich vom Deutschen Akademischen Austauschdienst entwickelt. Ein DAAD-Koordinator in Kabul arbeitet, unter nicht immer einfachen Bedingungen, als Schnittstelle zwischen deutschen und afghanischen Universitäten. Durch die erfolgreiche Beratungstätigkeit des Koordinierungsbüros konnten seit Wiederaufnahme des DAAD-Engagements 2002 knapp 1000 Stipendien an afghanische Studierende und Absolventen zur Weiterqualifizierung vergeben werden.

Wir konzentrieren uns in der akademischen Aufbauarbeit auf die Schwerpunkte Informationstechnologie, „Good Governance in Afghanistan“ und Wirtschaftswissenschaften. Für die Fortführung dieser Programme stehen dem DAAD in diesem Jahr 2,8 Millionen Euro zur Verfügung. Darüber hinaus wird eine für Afghanistan enorm wichtige Verwaltungshochschule aufgebaut. An ihr werden afghanische Führungskräfte für Verwaltungsaufgaben ausgebildet, nicht zuletzt auch im Bereich der Menschenrechte. Indem wir einen für afghanische Juristen konzipierten Masterstudiengang des Max-Planck-Instituts fördern, gewichten wir unser Engagement für Menschenrechtsbildung stark.

Man kann immer noch mehr tun. Wir setzen jedoch auf die tatsächliche Absorptionsfähigkeit der afghanischen Gesellschaft und auf „Afghan ownership“. Wir wollen, dass unsere afghanischen Partner aktive Teilhaber an den Bildungsprozessen sind und die angeschobenen Projekte demnächst selbst weiterführen.

Als renommierter Partner leistet das Goethe-Institut in Kabul wichtige Bildungsarbeit. Die deutsche Sprache wird in Sprachkursen landesweit gefördert. Von den sieben Millionen afghanischen Schülerinnen und Schülern lernen insgesamt 8800 Deutsch, eine beachtliche Zahl.

Unser Engagement für den Bildungssektor ist vielfältig und bedarfsorientiert. Es kann sich sehen lassen, auch weil es neben dem Bau von Primarschulen, der Sekundar- und Hochschulförderung großen Wert auf die Integration von Ausbildungskomponenten in die durchgeführten Projekte legt. Komplettiert wird der deutsche Beitrag für den afghanischen Bildungssektor durch Maßnahmen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit für den Grundschul- und den Berufsbildungsbereich. Das internationale Engagement für die Bildungsentwicklung in Afghanistan, an dem Deutschland maßgeblich beteiligt ist, gibt guten Grund zur Hoffnung, dass der Trend anhält: 2001 besuchte eine Million Jungen afghanische Schulen, zehn Jahre später lernen dort mehr als sieben Millionen Mädchen und Jungen.

Die Bundesregierung hat ein klares Bekenntnis abgelegt, den zivilen Wiederaufbau in Afghanistan zu stärken. Dazu gehört insbesondere auch der Bildungsbereich. Rückschläge werden dabei nicht ausbleiben, aber langfristig werden sich unsere Anstrengungen für die afghanische Gesellschaft und die deutsch-afghanischen Beziehungen bezahlt machen.

Von: Cornelia Pieper - Staatsministerin im Auswärtigen Amt - in der Frankfurter Rundschau.

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