Navigation und Service

Inhalt

Freitag, 16. Juli 2010

Kultureller Reichtum für alle

von:
Bernd Neumann
Quelle:
erschienen in „position – IHK-Magazin für Berufsbildung“

Das Thema Kulturelle Bildung hat sich mittlerweile zu einem neuen politischen Schwerpunkt entwickelt. Kulturelle Bildung ist die Voraussetzung für geistigen und kreativen Reichtum für alle. Hierbei geht es nicht allein um das Schaffen und Nutzen von Entwicklungschancen, sondern am Ende immer auch um ein Stück Lebensqualität.

Der Namensbeitrag im Wortlaut:

Seit meinem Amtsantritt unterstütze ich diesen Bereich durch eine verstärkte Kulturförderung. Denn es handelt sich um ein Gebiet, in dem die Grundlagen für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft gelegt werden. Bei manchen Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen muss eine Neugier auf die Welt der Kultur erst wieder geweckt werden. Aber auch die großen Kultureinrichtungen, die Theater, Museen und Konzerthäuser müssen sich stärker öffnen, um sich besser auf ihr Publikum einstellen zu können. Mit anderen Worten: Nur wenn beide Seiten aufeinander neugierig sind, können sich interessante und spannungsreiche Beziehungen und Wechselwirkungen ergeben.

Kulturelle Bildung gehört daher heute zu den unverzichtbaren Aufgaben jeder Kultureinrichtung. Deshalb habe ich bereits vor zwei Jahren alle von meinem Haus geförderten Einrichtungen verpflichtet, verstärkt auch Angebote der Kulturellen Bildung einzuplanen und regelmäßig darüber zu berichten. Die kulturelle Vermittlungsarbeit in Museen, Theatern und Konzerthäusern muss Chefsache sein.

Die Intensivierung der kulturell-künstlerischen Vermittlungsarbeit ist meines Erachtens die beste Voraussetzung dafür, dass sich die öffentlichen Kultureinrichtungen neue Publikumsschichten erschließen. Seit diesem Jahr werden bundesweit vorbildliche Modellprojekte auch finanziell vom Bund unterstützt. Ich habe zudem 2009 einen Preis für kulturelle Bildung ausgelobt, der jährlich von einer Fachjury vergeben wird und mit insgesamt 60.000 Euro dotiert ist.

Im vergangenen Jahr ist auf meine Anregung hin die von meinem Haus geförderte Stiftung Genshagen bei Berlin zu einer Plattform für kulturelle Bildung in Europa ausgebaut worden. Die Stiftung hat seither die Aufgabe, europaweit den Dialog zwischen Expertinnen und Experten der kulturellen Bildung zu pflegen und konkrete Kooperationsprojekte zu realisieren. Mit der Sprache der Kunst erhalten junge Menschen aus ganz Europa die Chance zur Begegnung über Grenzen hinweg. Auch die Kulturhauptstadt Europas 2010 „Essen für das Ruhrgebiet“ legt einen Schwerpunkt in die kulturelle Bildung. Mit 19 Millionen Euro ist der BKM Hauptförderer und hat bei seinen Projekten auf die kulturelle Vermittlung besonderen Wert gelegt.

Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang auch die Kulturstiftung des Bundes (KSB), die ebenfalls von meinem Haus gefördert wird. Die KSB unterstützt über ihre Fonds und in Einzelprojekten Modellvorhaben der kulturellen Bildung. Dazu gehört die Initiative "Jedem Kind ein Instrument" ebenso wie der Fonds für Theaterprojekte "Heimspiel" oder das "Netzwerk Neue Musik". In diesem Jahr läuft mit „AGENTEN“ ein neues großes Modellvorhaben an, das eine intensive, kreative und nachhaltige Vernetzung von Schulen und Kultureinrichtungen anstrebt.

Der große Vorteil unserer reichen Kulturlandschaft besteht in der Chance, sich mit vielen verschiedenen Facetten auseinanderzusetzen – und dazu möchte ich ganz ausdrücklich ermutigen. Zu einer ausgewogenen Mischung gehören klassische Musik und Jazz, Theateraufführungen und anspruchsvolle Computerspiele sowie, was mir als besonders wichtig erscheint, auch eigene künstlerische Betätigungen z. B. in Bands, Chören oder Laienspielgruppen. Es wäre kurzsichtig, aus dem sogenannten Pisa-Schock den Schluss zu ziehen, musische und andere kreative Fächer hätten eine geringere Relevanz als naturwissenschaftliche. Beide sind wichtig – und sie können sich gegenseitig bereichern, wie nicht zuletzt auch neuere Forschungsergebnisse belegen.

Neben der kulturellen Bildung habe ich einen Schwerpunkt meiner Aktivitäten auch auf die Stärkung der Medienkompetenz gelegt. Beide Bereiche sind mittlerweile so eng miteinander verknüpft, dass keiner ohne negative Auswirkungen auf den anderen vernachlässigt werden könnte. Deshalb fördert mein Haus zahlreiche Einrichtungen und Projekte, die seit vielen Jahren auch einen wichtigen kulturellen Vermittlungsauftrag erfüllen. Zu ihnen zählt das Netzwerk für Film- und Medienkompetenz „Vision Kino" ebenso wie die „Nationale Initiative Printmedien", „FragFINN - Ein Netz für Kinder" oder der „Deutsche Computerspielpreis“.

Ein besonders attraktives Angebot für junge Menschen ist aus kulturpolitischer Sicht das freiwillige soziale Jahr, das seit 2002 auch in kulturellen Einrichtungen durchgeführt werden kann. In Frage kommen hier z.B.  Museen, Theater, Bibliotheken, soziokulturelle Zentren, Kunstschulen, Medienwerkstätten, Musikschulen oder auch der Bereich des Denkmalschutzes. Dies bietet Jugendlichen die Möglichkeit, mit kulturellen Ausdrucksformen in Berührung zu kommen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, die eigene Kreativität zu erproben und Impulse für die berufliche Zukunft zu erhalten. Die Kultureinrichtungen, die jungen Menschen die Möglichkeit eines freiwilligen sozialen Jahres bieten, profitieren nicht nur von der Unterstützung bei der alltäglichen Arbeit, sondern auch durch ideenreiches Engagement der jungen Menschen. Die klassischen Kultureinrichtungen schlagen damit eine wichtige Brücke zu jüngeren Generationen und deren Bedürfnissen und Interessen - alle Beteiligten können gleichermaßen daraus Gewinn ziehen.

Gerade die Freiwilligenzeit im Kulturbereich hat neben der identitätsstiftenden auch eine in hohem Maße gemeinschaftsfördernde Komponente: ehemalige Freiwillige sind zum einen viel eher bereit, sich in späteren Jahren bürgerschaftlich zu engagieren. Wer sich für den Kulturbereich einsetzt, ist in der Regel auch gesellschaftlichen Veränderungen gegenüber aufgeschlossener. Zudem erhöht die freiwillige Arbeit im Kulturbereich die Chancen für gelungene Integration und den Umgang mit Minderheiten. Denn der künstlerisch-spielerische Umgang mit anderen Rollen und Identitäten und die Notwendigkeit, sich auf unbekannte geschichtliche, soziale und zwischenmenschliche Situationen einzulassen, hinterlassen zweifelsohne auch positive Spuren im realen Alltagsverhalten.

Schließlich ist das freiwillige soziale Jahr in der Kultur mit Blick auf die Vermittlungsarbeit der Kulturinstitutionen bedeutsam. Denn welche Vermittlung könnte stärker sein als die von jungen Menschen, die sich in den Kultureinrichtungen unmittelbar und intensiv mit den künstlerischen Prozessen auseinandersetzen und an ihnen beteiligen? Hier können die Freiwilligen in ganz unterschiedlichen Bereichen der Kultur Erfahrungen sammeln, die ihnen in dieser Form sonst nicht oder nicht in gleichem Maße geboten werden. Deshalb unterstützte ich die bundesweite Einrichtung von Plätzen für das Freiwillige Jahr Kultur – ganz besonders natürlich in den von mir geförderten Einrichtungen.

Seitenübersicht

Beiträge