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Montag, 29. August 2011

Kulturstaatsminister Bernd Neumann im Interview mit der B.Z.

Interview mit:
Bernd Neumann
Quelle:
in der "B.Z."

Im Interview mit Michael Zöllner von der B.Z. sprach Kulturstaatsminister Bernd Neumann über den deutschen Film, die Berlinale und den Wiederaufbau des Berliner Schlosses.

- Das Interview im Wortlaut. -

B.Z.: Herr Kulturstaatsminister, nach einem großen Zuschauereinbruch im letzten Jahr ist die Zahl der Kinobesucher im ersten Halbjahr 2011 wieder gestiegen. Wie schon in früheren Jahren lag dies vor allem an einem Film von Til Schweiger. 4,3 Million Besucher allein für „Kokowääh“. Ist der Erfolg des deutschen Films abhängig von Til Schweiger?

Bernd Neumann: Wir haben in Deutschland ja viele erfolgreiche Regisseure. Aber die Filme von Til Schweiger sind Publikumsmagneten und garantieren immer wieder hohe Besucherzahlen. Damit leistet er einen großen Beitrag für den Erfolg des deutschen Films.

B.Z.: Aber warum muss ein Garant für Millionenbesucher von der Filmförderung des Bundeskulturministeriums mit 900.000 Euro unterstützt werden? "Ottos Eleven“, auch ein Garant, erhielt sogar 1,2 Millionen Euro. Inwieweit sind Otto und Til Schweiger förderungswürdige Kultur?

Neumann: Alle diese Filme, unabhängig von einem Genre, leisten einen Beitrag für den deutschen Film, aber auch für den Produktionsstandort Deutschland. Und in diesem Zusammenhang ist auch die Förderung für die beiden Projekte zu sehen. Denn es handelt sich bei den genannten Beträgen um die Förderung durch den Deutschen Filmförderfonds, der eine fördernde Maßnahme für die Kulturwirtschaft darstellt.

B.Z.: Zur Berlinale. Es gab in diesem Jahr wieder Kritik an dem Wettbewerb des Festivals. Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Festivaldirektor Dieter Kosslick?

Neumann: Sehr. Nach einer eher spröden Periode haben sich die Filmfestspiele mit Dieter Kosslick zu einem internationalen Highlight entwickelt. Es ist ihm zu verdanken, dass die Berlinale neben Cannes eines der bedeutendsten Festivals weltweit ist.

B.Z.: Sein Vertrag läuft bis 2013. Sie verhandeln zurzeit über eine Verlängerung. Wird Dieter Kosslick über 2013 hinaus Chef der Berlinale bleiben?

Neumann: Ich bin sehr dafür und gehe auch davon aus, dass sein Vertrag verlängert wird, denn ich habe völliges Vertrauen in die Arbeit von Dieter Kosslick. Wenn jemand so erfolgreich ist wie er, dann muss man interessiert daran sein, dass er seine Arbeit auch fortführt.

B.Z.: Alle müssen sparen, nur die Bundeskultur nicht. Sie hatten im letzten Jahr eine Etaterhöhung von 27 Millionen Euro, also 2,4 Prozent. Liegt dies auch daran, dass Sie dem Kanzleramt angegliedert sind und sozusagen fußläufig die Kanzlerin erreichen können?

Neumann: Die Kulturpolitik des Bundes hat da auch eine Vorbildfunktion. Seit Amtsantritt konnte ich jedes Jahr meinen Etat erhöhen. Und ich gehe davon aus, dass dies ebenfalls 2012 geschieht. Dafür war es nötig, die Abgeordneten-Kollegen davon zu überzeugen und auch darüber hinaus dafür zu werben, dass Geld für die Kultur keine Subvention, sondern eine Investition in die Zukunft ist. Eine solche Rückendeckung muss man sich hart erarbeiten. Dass mir das gelungen ist, macht mich ein wenig stolz. Natürlich unterstützt die Bundeskanzlerin mich.

B.Z.: Sie gehen also von einer weiteren Etaterhöhung aus?

Neumann: Der von mir vorgelegte Etat für 2012 sieht bereits eine Erhöhung vor. Und ich hoffe, dass dies auch für 2013 gelingt.

 

B.Z.: Sie wollen 2013 mit dem Schlossbau beginnen, wegen der Kostensteigerung durch die Verschiebung wurde das Budget auf 590 Millionen Euro erhöht. Die Befürchtung, dass das Schloss zu Berlins Elbphilharmonie wird, bleibt. Wie treten Sie dem entgegen?

Neumann: Die Elbphilharmonie in Hamburg ist nun wirklich ein sehr negatives Beispiel für explodierende Kosten. Eine solche Entwicklung wird es beim Schloss nicht geben. Der Bundesbauminister hat die Pläne geprüft, sie sind seriös.

B.Z.: 80 Millionen Euro sollen Wilhelm von Boddien und sein Schlossverein beisteuern. Zusagen für 15 Millionen soll es bisher geben. Was passiert, wenn die 80 Millionen nicht erreicht werden?

Neumann: Ich erwarte, dass der Verein die Zusagen einhalten wird und seinen Anteil beisteuert. Die Werbung geht jetzt auch erst richtig los, denken Sie z.B. an die Humboldtbox. Die Spendenbereitschaft wird sicher noch steigen, wenn der Schlossbau sichtbar gestartet ist. Da bin ich optimistisch, Herr von Boddien ist sogar noch optimistischer.

B.Z.: Selbst wenn der Verein 80 Millionen erreicht, fehlen noch Spenden für die Kuppel und für die Wiederherstellung von Portalen und Durchgängen. Werden Sie das Schloss auch ohne Kuppel bauen?

Neumann: Das kann ich mir nicht vorstellen. Stellen Sie sich den Reichstag ohne Kuppel vor! Deshalb muss die Schlosskuppel gebaut werden. Zwar ist sie im Augenblick nicht in der staatlichen Finanzierung vorgesehen, aber die Stiftung Berliner Schloss sucht dafür Sponsoren.

B.Z.: Also ein privater Sponsor? Haben wir dann einen Mercedesstern auf der Kuppel?

Neumann: Natürlich nicht. Nehmen Sie zum Beispiel die Dresdener Frauenkirche, wo viel gespendet wurde. Da gibt es selbstverständlich auch keine Werbung. Es gibt doch vielfältige andere Möglichkeiten, einen Sponsor zu würdigen. Und wenn wir bis 2019 nicht alle Wünsche erfüllen können, dann machen wir das eben später. Der Wiederaufbau ist auf einem guten Weg.

B.Z.: Die Begeisterung der Berliner und auch der Berliner Politiker für den Wiederaufbau ist sehr zurückhaltend. Wünschen Sie sich da mehr Enthusiasmus?

Neumann: Dieses Schloss wird die Mitte Berlins zu einem Juwel machen. Es schließt die Brache in der Mitte der Stadt. Das wird einmalig schön, die große Mehrheit der Berliner wird stolz sein. Was die Berliner Regierungsparteien angeht, ja, da wünsche ich mir manchmal etwas mehr Entschlossenheit und Leidenschaft. Andererseits ist die Linie von Klaus Wowereit klar. Und das ist sein eindeutiges Bekenntnis zum Schloss.

B.Z.: Neben dem Schloss wird das Einheitsdenkmal entstehen. Der Entwurf von Milla und Partner und Sasha Waltz wurde heftig kritisiert und als „Salatschüssel“ bezeichnet. Hatte Sie das gekränkt?

Neumann: Nein, aber ich teile diese Kritik überhaupt nicht. Man hätte sich ja auch für eine monumentale Version entscheiden können, stattdessen bauen wir aber etwas Zeitgenössisches, Interaktives – ein Denkmal zum Mitmachen, das man betreten und auch bewegen kann! Das wird eine Attraktion, die Menschen werden ihre Freude haben. Und darum geht es doch: Der Freude über die Wiedervereinigung Ausdruck zu verleihen.

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