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Freitag, 19. August 2011

Kulturstaatsminister Bernd Neumann im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung

Interview mit:
Bernd Neumann
Quelle:
Neue Osnabrücker Zeitung

Im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung sprach Staatsminister Bernd Neumann über die Bedeutung des Filmproduktionsstandorts Deutschland, den Computerspielpreis, den Schutz des Urheberrechts sowie über Kulturförderung.

- Das Interview im Wortlaut. -

Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ): Herr Neumann, in den Kinos herrscht die Blockbuster-Monokultur, weil sogar preisgekrönte Berlinale-Filme nicht einmal einen Verleih finden. Ist das ein Aufgabengebiet, wo ein Kulturstaatsminister Impulse geben kann?

Bernd Neumann: Ja! Mein Haus konzentriert sich gerade auf die kulturelle Filmförderung, und auch schwierige, anspruchsvolle Stoffe werden durch den Deutschen Filmförderfonds (DFFF) gefördert. Natürlich ist es das Ziel, dass anspruchsvolle Filme auch ihr Publikum finden. Filme mit schwierigen Themen sind schwerer zu vermitteln als Mainstream-Filme. Dem widmen sich besonders die Programm- und Arthouse-Kinos – deshalb unterstützen wir diese, zum Beispiel bei der Digitalisierung.

NOZ: Aber befördert die Digitalisierung nicht gerade die Beschränkung auf Blockbuster? Im 3-D-Bereich zum Beispiel sind bisher ja in erster Linie amerikanische Produktionen gelaufen.

Neumann: Digitalisierung im Kinobereich bedeutet zunächst nur die technische Umstellung von analogem auf digitales Filmabspiel. Alle Kinos werden demnächst digitale Abspielgeräte haben müssen, weil Filme – auch Arthouse-Filme – zunehmend digital produziert werden. Es trifft auch nicht zu, dass ausschließlich Blockbuster digital bzw. in 3-D hergestellt werden. Bestes Beispiel hierfür ist „Pina“ von Wim Wenders. Sein 3-D-Film wurde auf der Berlinale uraufgeführt und hat zudem im Kino sehr gute Zuschauerzahlen erreicht. Die Digitalisierung bietet damit auch neue Chancen für den kulturell anspruchsvollen Film.

NOZ: Eine ganz und gar mit Deutschland identifizierte Leuchtturmproduktion wie „Das Leben der Anderen“ bleibt doch ein seltenes Phänomen: ein Film aus Deutschland, wo nicht Tarantino draufsteht, sondern Henckel von Donnersmarck. Ist der Deutsche Filmförderfonds das richtige Instrument, um den deutschen Film international bekannter zu machen?

Neumann: Wir haben Deutschland wieder zu einem interessanten Standort für Filmproduktionen gemacht. Vor wenigen Jahren war zum Beispiel das Studio Babelsberg, das größte Filmstudio Europas, in existenziellen Schwierigkeiten und hatte jährlich nur noch eine Kinoproduktion. Das hat sich durch den Filmförderfonds rasant geändert. Jetzt kommen große internationale Produktionen wieder zahlreich nach Babelsberg. Der Deutsche Filmförderfonds hat geradezu zu einem Boom in der gesamten Filmwirtschaft geführt. In der Folge führt das dazu, dass auch Schauspieler oder der technische Stab in diesen internationalen Produktionen mit deutschen Mitwirkenden besetzt werden, beispielsweise in „Valkyrie“, „Der Vorleser“ oder „Inglourious Basterds“. Dies kommt dem deutschen Film sehr nachhaltig zugute.

NOZ: Ein anderes Ihrer ganz wichtigen Themen sind Computerspiele. Diese Branche fördern Sie, verglichen mit den Geldern, die Sie für den Film bereitstellen, mit einem verschwindend geringen Betrag: 90 Millionen Euro im Vergleich zu 300000 Euro für den Computerspielpreis.

Neumann: Der Computerspiel-Industrie geht es auch ohne staatliche Förderung gut. Das ist beim deutschen Film nicht der Fall. Mit dem Computerspielpreis, den wir zur Hälfte mitfinanzieren, will der Bund besonders die Entwicklung von qualitativ hochwertigen sowie kulturell und pädagogisch wertvollen Computerspielen fördern.

NOZ: Ein weiteres Ihrer Kernthemen ist das Urheberrecht. Wie wollen Sie das Bewusstsein in den Köpfen verankern, dass ein neuer Song nicht per se über YouTube verfügbar ist, sondern kulturelle Schöpfungen einen materiellen und ideellen Wert darstellen?

Neumann: Indem wir über diese Zusammenhänge mehr aufklären. Bereits in den Schulen muss viel stärker bewusst gemacht werden, dass der Schutz des geistigen Eigentums ein grundlegendes Element unserer demokratischen Gesellschaft ist. Die vielfache Verletzung der Urheberrechte bedroht nicht nur die Existenzgrundlage der Kreativen, sondern auch unsere kulturelle Vielfalt. Gefordert sind aber auch die Unternehmen der Kultur- und Kreativbranche selbst, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, um Verletzungen des Urheberrechts entgegenzuwirken. Und wenn das alles nicht hilft, muss für rechtliche Regelungen gesorgt werden. Wer bewusst und sogar mit kommerziellen Absichten gegen das Urheberrecht verstößt, muss auch wissen, dass das strafbar ist.

NOZ: Aus Ihrem Haus fließen jährlich 400 Millionen Euro in die Hauptstadtkultur, andererseits müssen Sie tatenlos zusehen, wenn in Wuppertal ein traditionsreiches Theater vor der Schließung steht. Können Sie das vor Ländern und Kommunen rechtfertigen?

Neumann: Das kulturelle Engagement des Bundes in der Hauptstadt ist im Grundgesetz festgelegt. Ich bin sehr glücklich darüber, dass Berlin nicht das einzige Kulturzentrum in Deutschland ist. Wir haben auch in der Fläche ein wunderbares und differenziertes Kulturangebot. Im Ausland werden wir darum beneidet. Aber in Berlin konzentriert sich deutsche Geschichte, auch im Hinblick auf die Repräsentationsbauten. Deswegen fühlt der Bund sich verpflichtet, einen beträchtlichen Beitrag zur Kultur, zum kulturellen Erbe Deutschlands in Berlin zu leisten. Das Engagement meines Haues beschränkt sich aber nicht auf Berlin, sondern es fördert und unterstützt Projekte und Künstler bundesweit.

NOZ: Die Kommunen stöhnen und leiden trotzdem unter der Last der finanziellen Verpflichtungen.

Neumann: Die Maßnahmen des Bundes kommen ja immer den betreffenden Regionen und Kommunen zugute. Auch bei den umfangreichen Denkmalschutz-Sonderprogrammen habe ich mir zum Ziel gesetzt, in die Fläche zu gehen – davon profitieren zahlreiche Projekte in den Kommunen.

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