Navigation und Service

Inhalt

Montag, 25. Januar 2010

Kulturstaatsminister Bernd Neumann im Interview mit der Rheinischen Post: "Kultur ist Wirtschaftsfaktor"

Interview mit:
Bernd Neumann
Quelle:
"Rheinische Post"

Im Interview mit Michael Bröcker und Gregor Mayntz von der Rheinischen Post sprach Kulturstaatsminister Bernd Neumann über den Wirtschaftsfaktor Kultur, Sparzwänge, Kultur für sozial Schwächere und das geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal.

- Das Interview im Wortlaut. -

 

Rheinische Post (RP): Die „Kulturhauptstadt 2010“ beflügelt das Ruhrgebiet. Kann Kultur beim Strukturwandel helfen?

Bernd Neumann: Das Projekt ist auf Nachhaltigkeit angelegt. Die Region wird davon auch nach 2010 profitieren. Kultur ist nicht nur „schön“ und kostet Geld, sondern sie ist zu einem entscheidenden Wirtschaftsfaktor geworden, der auch Arbeitsplatzverluste in anderen Wirtschaftszweigen kompensieren kann. Die Kultur- und Kreativwirtschaft kommt bereits auf einen Anteil von 2,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, die ganze chemische Industrie hat 2,1 Prozent.

RP: Auch Künstler leiden unter der Krise.

Neumann: Die beste Unterstützung für die Künstler ist, wenn sie Engagements, wenn sie künstlerische Aufträge haben. Wenn Städte weniger für die Kultur ausgeben, hat das zwangsläufig negative Folgen. Deshalb appelliere ich, an der Kultur nicht zu sparen. Mit Einschnitten bei den Kulturetats saniert man keine Haushalte. Im Bund gehen wir mit gutem Beispiel voran und erhöhen den Kulturhaushalt in 2010 bereits zum fünften Mal. Und ich kämpfe dafür, die Kultur auch 2011 von Kürzungen auszunehmen.

RP: Der Bundestag will, dass auch Hartz-IV-Empfänger „am kulturellen Leben teilhaben“ sollen. Dafür sind 6,37 Euro pro Monat vorgesehen. Kann das funktionieren?

Neumann: Für mich ist die Vermittlung von Kultur ein Schlüsselthema. Der Zugang zur Kultur muss unabhängig von sozialen Gegebenheiten verbessert werden und für jedermann möglich sein.

RP: Was schwebt Ihnen vor?

Neumann: Ich denke, wir sollten die Angebotsseite für alle attraktiv machen. Nehmen wir etwa das Projekt „Jedem Kind ein Instrument“. Darüber hinaus gibt es viele Einrichtungen, die etwas für sozial Schwächere tun. Gerade in finanziell kritischen Zeiten müssen wir überlegen, ob wir zum Beispiel verstärkt Museumsbesuche für bestimmte Personengruppen kostenlos ermöglichen.

RP: Wann weihen Sie das Freiheits- und Einheitsdenkmal ein?

Neumann: Es hat ja eine erste Wettbewerbsrunde gegeben, die wir unbegrenzt für alle geöffnet hatten.

RP: Die ist gescheitert.

Neumann: Leider waren die Vorschläge nicht tragfähig. Deshalb haben wir ein neues Verfahren erarbeitet. Im Februar werden wir einen vorgeschalteten Wettbewerb starten. Dann wollen wir etwa 30 Qualifizierte einladen, uns ein Projekt vorzuschlagen. Eine unabhängige Jury soll Anfang Oktober tagen, so dass wir am Jahrestag der deutschen Einheit, am 3. Oktober, das Ergebnis präsentieren können. Und dann wird es gebaut.

RP: Auf dem Sockel des alten Nationaldenkmals am Berliner Schlossplatz?

Neumann: Das haben wir noch einmal intensiv erörtert. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass dieses der geeignetste Standort ist.

RP: Wann ist es fertig?

Neumann: Hier geht es um ein Denkmal von historischer Bedeutung, da sollten wir nicht hetzen. Ich denke aber, dass es in dieser Legislaturperiode eingeweiht werden kann.

Seitenübersicht

Beiträge