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Mittwoch, 17. November 2010

Kulturstaatsminister Bernd Neumann im Interview mit "PRINT & more" über die konfessionelle Presse

Interview mit:
Bernd Neumann
Quelle:
in "PRINT&more"

Für das Sonderheft Konfessionelle Presse/2010 von „PRINT&more – Das Magazin der deutschen Zeitschriftenverleger“  sprach Bernd Neumann mit Dirk Platte über die Bedeutung der konfessionellen Medien in der deutschen Medienlandschaft.

- Das Interview im Wortlaut. -

PRINT & more: Herr Staatsminister, wir leben in Zeiten großer religiöser Spannungen – wenn nicht zwischen den Religionen, so doch zwischen manchen Anhängern dieser Religionen. Welche Rolle können in solchen Zeiten religiös geprägte Medien spielen?

Bernd Neumann: Gerade in unserer Zeit, in der Religion und Weltanschauung immer stärker die internationale Politik beeinflussen, zeigt sich, dass eine demokratische Gesellschaft ohne Aufklärung und die Vermittlung ethischer Wertvorstellungen nicht funktioniert. Da sind Medien gefragt, die politische Hintergründe aufzeigen und Orientierung geben können. Dabei ist es wichtig, dass christliche Zeitungen und Zeitschriften beider Konfessionen in Fragen von Religion und Glauben klar Stellung beziehen, denn unsere gesamte Kultur und Identität basiert auf christlichen Wertvorstellungen. Nach unserem christlichen Weltbild ist die Menschenwürde absolut und universell, also auch unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Religion. Aufgabe christlicher Medien ist es, für dieses Menschenbild und unsere Vorstellung von Menschenwürde zu werben. Angesichts religiös motivierter Spannungen sehe ich konfessionelle Medien aber auch in der Pflicht, für einen friedlichen Dialog der Religionen einzutreten.

PRINT & more: Und welchen Platz sehen Sie für die konfessionelle Presse in der deutschen Medienlandschaft?

Neumann: Christliche Printmedien haben mit etwa 1000 Titeln in Deutschland einen festen Platz in unserer Medienlandschaft. Sie sprechen Menschen an, die sich nicht mit Oberflächlichem zufrieden geben, sondern sich für die „großen Fragen“ unseres Lebens interessieren. Dies ist umso wichtiger, als vielen Menschen angesichts einer immer komplexer und unübersichtlicher werdenden Welt zunehmend die Orientierung fehlt. Sie haben zwar Zugriff auf ein Meer von Informationen. Was aber oft fehlt, sind Erklärungen und Hintergrundanalysen, ethische Orientierungsmarken und die Auseinandersetzung mit Glaubensfragen. Kirchliche Medien sind da wie Orientierungslotsen im Informationsdickicht.

PRINT & more: Klassische Qualitätsmedien – nicht nur die konfessionellen Medien – geraten zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Was kann der Staat tun, um hier zu helfen?

Neumann: Aus den Veränderungen der Rahmenbedingungen für Medienangebote die notwendigen Folgerungen zu ziehen, tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln und angemessene Arbeitsbedingungen für Journalistinnen und Journalisten zu schaffen, ist nach dem Grundgesetz allein Sache der Unternehmen, Redaktionen und Tarifpartner. Hier darf die Politik keinen direkten Einfluss ausüben. Staatliche Subventionen sind und bleiben für die Bundesregierung tabu; sie wären der Anfang vom Ende der Unabhängigkeit einer freien Presse. Gleichwohl steht der Staat verfassungsrechtlich in der Pflicht, Rahmenbedingungen zu schaffen, die ein qualitativ hochwertiges und vielfältiges Angebot freier Medienanbieter fördern. Hier geht es in erster Linie darum, die grundgesetzlich garantierten Medienfreiheiten und die Refinanzierbarkeit professioneller journalistischer Angebote zu sichern. Die Bundesregierung nimmt diese Aufgabe durch eine Vielzahl unterschiedlicher Maßnahmen wahr. Sie reichen von der Sicherung des diskriminierungsfreien technischen Zugangs von Programmanbietern und Nutzern zu Übertragungsnetzen und Informationen bis zur Modernisierung des Urheberrechts und der Gestaltung des internationalen Rechtsrahmens der Medien. Aktuell wollen wir mit der Einführung eines urheberrechtlichen Leistungsschutzrechts die Rahmenbedingungen für Presseverleger verbessern und ihnen ein eigenes rechtliches Fundament im Internet bieten.

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