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Freitag, 5. November 2010

Kulturstaatsminister Bernd Neumann im Interview mit "promedia"

Interview mit:
Bernd Neumann
Quelle:
in "promedia"

Im Interview mit dem Magazin promedia sprach Staatsminister Bernd Neumann über Maßnahmen und Förderungen zur Digitalisierung deutscher Kinos und die Rolle des DFFF für die deutsche Filmwirtschaft.

Das Interview im Wortlaut:

promedia: Herr Neumann, die Verleiher haben sich auf keinen festen Zuschuss zur Kinodigitalisierung festgelegt und verhandeln mit den Kinos einzeln. Sind damit ihr Zwei-Säulenmodell und damit die flächendeckende Digitalisierung gescheitert?

Bernd Neumann: Nein. Wir sind unserem Ziel, der Digitalisierung der Kinos in Deutschland, ein großes Stück näher gekommen. Wie Sie sicherlich wissen, hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages am 6. Oktober die Entsperrung der Bundesmittel entschieden und damit den Weg für eine zeitnahe Förderung frei gemacht.

Voraussetzung für die Aufhebung der Sperre war zum einen die Mitfinanzierung durch die Länder, zum anderen die Mitfinanzierung durch die Filmwirtschaft, und hier neben den Kinos insbesondere die Verleiher. Die Verleihwirtschaft hat uns von Anfang an zugesagt, dass sie sich mit mindestens 20 Millionen Euro an der Umstellung der so genannten Kriterienkinos, die im Fokus unserer Förderung stehen, beteiligen wird. Diese Zusage der Verleiher gilt nach wie vor, sie wollen sie einhalten.

promedia: Warum haben Sie sich nicht für den französischen Weg entschieden, die Verleiher per Gesetz zu einer finanziellen Beteiligung an den Umrüstungskosten zu zwingen?

Neumann: Mit gesetzlichen Zwangsabgaben haben wir nicht nur gute Erfahrungen gemacht. Sie wissen, was ich meine. Jedes Förderprogramm sollte sich an den besonderen nationalen Bedürfnissen und Rahmenbedingungen orientieren. Entscheidend ist, dass am Ende eine Förderung steht, die ziel- und bedarfsgerecht ist. Ich gehe davon aus, dass das von meinem Hause gemeinsam mit der Filmförderungsanstalt und der Filmwirtschaft entwickelte Förderprogramm ihr Ziel erreichen wird: eine flächendeckende Digitalisierung und der Erhalt der Vielfalt der deutschen Kinolandschaft. Im Übrigen bliebe uns der Weg einer gesetzlichen Verpflichtung ja immer noch.

promedia: Wie es aussieht, werden einige kleinere Kinos weder von den Verleihern, noch von Third Parties finanziell unterstützt. Sehen Sie eine Möglichkeit, diesen kleinen Kinos mit zusätzlichen Fördermitteln zu helfen?

Neumann: Ich gehe davon aus, dass alle Kinos, die auf digitales Abspiel umgestellt werden sollen und über ein nachhaltiges Geschäftsmodell verfügen, ausreichende Möglichkeiten erhalten werden, diese Umstellung zu finanzieren - sei es über die gängigen Marktmodelle der so genannten „Third Parties“, sei es mit Hilfe der vom BKM, den Ländern, der Filmförderungsanstalt und den Verleihern bereitgestellten Fördermittel. Natürlich können wir keine 100-Prozent-Förderung gewährleisten. Einen gewissen Eigenanteil müssen die Kinos selbst erbringen, das ist auch europarechtlich zwingend.

promedia: Ein Teil der Bundesländer beteiligt sich nicht an der Förderung der Digitalisierung. Auf welche Förderung oder Unterstützung können die Kinos in diesen Ländern hoffen?

Neumann: Ich gehe davon aus, dass sich am Ende alle Länder an der Digitalisierung der Kinos beteiligen werden. Schon jetzt hat der größte Teil bereits Förderprogramme aufgelegt oder beabsichtigt, dies in naher Zukunft zu tun. Allein durch die bereits bestehenden Förderprogramme werden etwa 75 Prozent der umzustellenden Leinwände erfasst.

Außerdem: Solange es in einem Land keine Förderprogramme geben sollte, könnte ein Kino in diesem Land Mittel der Filmförderungsanstalt beantragen. Denn auch die Filmförderungsanstalt will – ebenso wie mein Haus – ihre Förderung zeitnah starten.

promedia: Werden Sie auch Technik fördern, die nicht der DCI-Norm entspricht?

Neumann: Eine öffentliche Förderung darf nur erfolgen, wenn sie nachhaltig ist. Das bedeutet für die Umstellung der Kinos auf digitale Technik: Die Projektionstechnik muss geeignet sein, das Kino zukunftsfähig zu machen. Sein Spielbetrieb muss gewährleistet sein. Es muss sein Geschäftsmodell in den kommenden Jahren verwirklichen können. Wenn das alles erfüllt ist, ist eine öffentliche Förderung unproblematisch, gleich mit welcher Technik – ob DCI-Technik oder eine andere. Unsere Förderung ist also technikneutral.

promedia: Sie hatten angekündigt, dass sich die KfW im Bereich der Zwischenfinanzierung und vielleicht auch bei GAP-Finanzierungen positiv einbringen könnte. Wie ist der Stand der Verhandlungen?

Neumann: Die Koalitionsvereinbarung sieht vor, dass die KfW-Bankengruppe stärker in die Filmfinanzierung einbezogen werden soll, um eine nachhaltige Finanzierung des Kinofilms in Deutschland zu gewährleisten. Wir sind dabei, dies umzusetzen und sind hierbei auf sehr gutem Wege. Das Konzept, das von der KfW-Bankengruppe mit meinem Haus und in engem Kontakt mit der Produzentenbranche entwickelt wurde, ist bereits weit gediehen. Es beinhaltet in der Tat die Bereiche Zwischenfinanzierung und GAP-Finanzierung.

Die KfW ist derzeit bereits dabei, hierfür erforderliche interne Strukturen aufzubauen, um ein solches Finanzierungsangebot durchführen zu können, so z.B. den Aufbau eines Vertragswesens, die Implementierung eines Risikomanagements und eines Kreditbearbeitungsverfahrens. Ich bin optimistisch, dass die Markteinführung des KfW-Instrumentariums kurzfristig nach Billigung durch den Verwaltungsrat der KfW im Dezember dieses Jahres gelingen wird.

promedia: Der DFFF befindet sich im vierten Jahr. Welche Rolle hat er für die deutsche Filmwirtschaft in den Jahren 2009/2010 gespielt, in der die Filmwirtschaft international mit der Finanzkrise zu kämpfen hatte?

Neumann: Der DFFF gehört in Zeiten der äußerst restriktiven Darlehenspolitik der Banken zu den wichtigsten Finanzierungsmitteln für Produzenten in Deutschland. Jeder Produzent, mit dem ich spreche, versichert mir, dass der DFFF nicht mehr wegzudenken ist.

Insbesondere aber hat der DFFF die Folgen der Finanzkrise für unseren Standort minimiert: Im Krisenjahr 2009 ist es gelungen, internationale Großproduktionen wie „Anonymous“ und „Inglourious Basterds“ nach Deutschland zu holen. Insgesamt hat der DFFF allein im Jahr 2009 Investitionen in Deutschland von fast 345 Millionen Euro bewirkt. 2010 konnten wir hier Großproduktionen wie „Hannah“, „Die drei Musketiere“ und „A Dangerous Method“ realisieren. Das ist ein großer Erfolg.

promedia: Es gibt die Forderung, den DFFF nicht mehr zu deckeln, um damit größere internationale Filmproduktionen nach Deutschland zu holen. Sehen sie diese Notwendigkeit?

Neumann: Ein nach oben hin unbegrenzter Topf – das wäre wahrlich ein Novum im deutschen Bundeshaushalt und entspräche dem Wunschphänomen der unbegrenzten Ressourcen… Diese Forderung kann wohl kaum ernst gemeint sein. Sie ist in Anbetracht der aktuellen Haushaltslage völlig unrealistisch. Es grenzt ja schon fast an ein Wunder, dass es gelang, trotz drastischer Einsparungen im Bundeshaushalt den DFFF erst einmal begrenzt bis 2012 in der bisherigen Höhe zu erhalten.

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