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Montag, 18. März 2013

Neumann-Interview

Kulturstaatsminister Bernd Neumann über die Rolle des Bundes für die Kultur

Interview mit:
Bernd Neumann, Schwäbische Zeitung

Im Interview mit der Schwäbischen Zeitung sprach Kulturstaatsminister Bern Neumann über kulturpolitische Aufgaben und die dafür zur Verfügung stehenden Mittel zum Beispiel im Denkmalschutz und in der Filmförderung.

Das Interview im Wortlaut:

Schwäbische Zeitung: Welcher Druck lastet auf Ihrer Tätigkeit? Die Länder akzeptieren aufgrund der Probleme und Engpässe, dass der Bund mehr Einfluss nimmt. Gibt es denn Momente, wo Sie in eine Konfliktsituation kommen, weil der Finanzminister sagt: Mit mir nie und nimmer, und Sie sagen, ich habe hier ein Projekt, das muss gemacht werden?

Bernd Neumann: Meist diskutieren wir nicht auf der Ebene von Einzelprojekten. Aber Sie haben Recht: Der Haushalt muss konsolidiert werden, und beim Bund gibt es große Sparzwänge. Hier sehen aber auch die Haushaltspolitiker ein, dass die Ausgaben für Kultur im Verhältnis zum Gesamthaushalt eher peripher sind. Mit Kürzungen bei der Kultur kann man den Haushalt wirklich nicht sanieren! Trotzdem mussten meine Vorgänger Einschränkungen hinnehmen. Mir ist es in meiner Amtszeit gelungen, den Etat meines Hauses acht Mal in Folge zu erhöhen. Auch der Kulturetat 2013 wurde zum Schluss im parlamentarischen Verfahren um 100 Millionen Euro gesteigert. Davon können zum Beispiel dringend notwendige Sanierungen an Baudenkmälern in ganz Deutschland durchgeführt werden. Auch die Kulturstiftung des Bundes kann mit erhöhten Mitteln zum Beispiel zeitgenössische Kunstprojekte stärker fördern. Diese Etaterhöhungen basieren auf meiner hartnäckigen Überzeugungsarbeit und beruhen letztlich auf der Erkenntnis, dass Ausgaben für die Kultur keine Subventionen, sondern grundlegende Investitionen in die Zukunft sind. So steht es auch im Koalitionsvertrag. Inzwischen sind die Bundestagsabgeordneten meine besten Verbündeten. Beim Thema Kultur kann ich auf einen parteienübergreifenden Konsens setzen. Zudem haben wir im Bundestag einen Haushaltsausschuss, der Kulturprojekten besonders aufgeschlossen gegenübersteht.

Schwäbische Zeitung: Wir leben hier in der Provinz. Was kommt von Ihren Mitteln in den Regionen an, was in Berlin?

Neumann: Der Bundestag hatte im Rahmen der Föderalismusreform gesetzlich festgelegt, dass der Bund eine besondere Verpflichtung im Hinblick auf die repräsentativen Aufgaben der Hauptstadt hat. Berlin ist sozusagen das kulturelle Schaufenster Deutschlands. Und daher investiere ich hier bewusst einen beträchtlichen Teil der Fördergelder meines Hauses. Mein Etat umfasst wie gesagt rund 1,3 Milliarden Euro. Davon gehen nach Berlin etwa genauso viel, wie die Stadt es selbst für die Kultur ausgibt, nämlich zwischen 350 und 380 Millionen Euro. Hiervon wird zum Beispiel die Sanierung der Museumsinsel finanziert. Dieses Großprojekt mit einem langfristigen Gesamtvolumen von 1,4 Milliarden Euro trägt ja der Bund alleine.

Schwäbische Zeitung: Und was bleibt in den Regionen?

Neumann: Der größere Teil meiner Ausgaben kommt anderen Städten und Regionen in Deutschland zugute. Es geht mir genauso wie vielen Besucherinnen und Besuchern aus dem Ausland: Ich bin immer wieder fasziniert, wie vielfältig die Kultur in Deutschland ist. Dieses breit gefächerte kulturelle Angebot bis hinein auch in kleine Ortschaften – das gibt es sonst nirgendwo auf der Welt. Und das wollen wir unbedingt erhalten. Primär sind dafür Länder und Kommunen verantwortlich, so steht es im Grundgesetz. Aber der Bund hilft mit. Mein Haus hat zum Beispiel bereits zum vierten Mal ein Denkmalschutz-Sonderprogramm aufgelegt, das fast ausschließlich in Objekte in den Regionen fließt. Dasselbe gilt übrigens auch für Kunstankäufe, an denen sich der Bund beteiligt. Da achte ich sehr darauf, dass dies auch Museen in den Bundesländern und Kommunen zugutekommt. Es gibt in ganz Deutschland Kultureinrichtungen, die der Bund dauerhaft fördert, hier in der Nähe gehört zum Beispiel das Donauschwäbische Zentralmuseum in Ulm dazu. Ebenfalls fördern wir zum Beispiel die KZ-Gedenkstätte Oberer Kuhberg in Ulm oder Projekte wie die Donaueschinger Musiktage. Hier vor Ort hat sich der Bund mit Denkmalschutz-Förderungen am Ravensburger Museumsviertel beteiligt und auch an der Restaurierung von Schloss Wolfegg.

Schwäbische Zeitung: Ihr Haus ist auch Herrin des deutschen Filmförderfonds, der mit 70 Millionen Euro ausgestattet ist. Was sind die Kriterien, damit ein deutscher Film in den Genuss ihrer Fördermittel kommt?

Neumann: Es ist wichtig, hier zu betonen: Der DFFF ist eine primär wirtschaftlich ausgerichtete Filmförderung. Es geht hier hauptsächlich darum, dass möglichst viele Filmproduktionen – insbesondere auch internationale – in Deutschland hergestellt werden und damit unsere Studios auslasten und Filmschaffende beschäftigen. Daneben gibt es noch die kulturelle Filmförderung des Bundes. Damit werden explizit deutsche Filme gefördert, und hier geht es in erster Linie um den künstlerischen Rang. Hinzu kommt noch die Unterstützung durch die Filmförderungsanstalt, die aber von der Filmwirtschaft selbstfinanziert wird. Mit all diesen Maßnahmen möchten wir erreichen, dass der deutsche Film und der Filmstandort Deutschland auch in Zukunft konkurrenzfähig bleiben. Wir wollen, dass es hier erfolgreiche Drehbuchautoren, Schauspieler, Regisseure, Produzenten und Produktionsstätten gibt. So bleibt es möglich, dass der Film - als das aus meiner Sicht emotionalste Medium - das kulturelle und gesellschaftliche Leben in Deutschland widerspiegelt. Wichtige gesellschaftliche Zusammenhänge und historische Entwicklungen können so für viele Menschen verständlich aufgearbeitet werden. Es wäre traurig, wenn wir nur noch von US-amerikanischen Blockbustern überschwemmt würden. Aber beim Film ist es genauso wie beim Theater: Ohne Förderung geht es nicht.

Schwäbische Zeitung: Aber nehmen wir als Beispiel "Layla Fourie", der auf der Berlinale lief: Der Film einer Südafrikanerin spielt in Südafrika, erzählt eine Geschichte aus Südafrika und ist in Englisch gedreht. Und zum Dank für die deutschen Fördermittel darf dann August Diehl mitspielen?

Neumann: "Layla Fourie" gehört zu den Filmen, die nur Gelder vom Deutschen Filmförderfonds bekommen haben. Hier kommt es wie gesagt nicht darauf an, ob ein deutscher Regisseur den Film gedreht hat, sondern darauf, dass ein möglichst großer Anteil der Herstellungskosten in Deutschland ausgegeben wurde. Gerade diese Art der Förderung hat es möglich gemacht, dass wir seit 2007 einen Boom an internationalen Produktionen haben, die in Deutschland gedreht werden, für Beschäftigung sorgen und den Filmstandort Deutschland stärken. Hinzu kommt, dass deutsche Stars dadurch die Gelegenheit bekommen, an den großen internationalen Produktionen mitzuwirken. Der Deutsche Filmförderfonds bringt handfeste wirtschaftliche Effekte mit sich – von jedem Euro, der über den Fonds an Filmproduktionen geht, wird die sechsfache Summe wieder in Deutschland ausgegeben.

Schwäbische Zeitung: Nochmal gefragt: Was ist ein deutscher Film?

Neumann: Hier gibt es festgelegte und recht komplizierte Kriterien, die auch noch je nach Förderkategorie anders lauten. Wenn Sie zum Beispiel den Deutschen Filmpreis nehmen: Hauptsächliches Förderkriterium ist hier, dass der Film in der Originalsprache Deutsch gedreht wurde oder der Regisseur Deutscher ist beziehungsweise dem deutschen Kulturkreis zuzurechnen ist. Daneben gibt es noch weitere Kriterien, die erfüllt sein müssen.

Schwäbische Zeitung: Sie haben neulich signalisiert, dass Sie in der nächsten Legislaturperiode nicht mehr zur Verfügung stehen.

Neumann: Ich habe gesagt, ich kandidiere nur nicht mehr für den Deutschen Bundestag.

Schwäbische Zeitung: Ist das eine Einschränkung?

Neumann: Das ist keine Einschränkung, das ist die Antwort auf Ihre Frage. Das Amt des Kulturstaatsministers macht mir große Freude, es ist das schönste Amt in der Bundesregierung. Was nach den Wahlen passiert - schauen wir mal.

Schwäbische Zeitung: Sie sitzen in der Bundesregierung mit dem Kunstsammler Westerwelle und mit der Bayreuth-Besucherin Merkel am Kabinettstisch. Wie häufig wird denn in diesem Kabinett über Kultur gesprochen?

Neumann: Die Kulturpolitik gehört natürlich nicht zu den regelmäßigen Themen im Kabinett, diese werden eher durch die Bereiche Finanzen, Wirtschaft und Soziales bestimmt. Aber von Mal zu Mal kommen auch Themen aus meinem Bereich zur Sprache und die von Ihnen Genannten sind daran sehr interessiert. Gerade kürzlich habe ich den Bericht meines Hauses zur Aufarbeitung des SED-Unrechts im Kabinett vorgestellt.

Schwäbische Zeitung: Gemeint waren eher allgemeine Kulturthemen. Zum Beispiel: Herr Rösler kommt aus dem Wochenende und sagt, jetzt habe ich den neuen Martin Walser gelesen, müsst ihr auch mal lesen.

Neumann: Solche individuellen Kulturerlebnisse werden kaum in einer offiziellen Kabinettsitzung ausgetauscht, sondern eher bei persönlichen Begegnungen.

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