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Kulturstaatsminister Bernd Neumann zur Eröffnung der Ausstellung "Nur hier"

Redner:
Bernd Neumann
Gehalten:
Donnerstag, 17. Januar 2013

In der Bonner Bundeskunsthalle hat Kulturstaatsminister Bernd Neumann die aktuelle Ausstellung "Nur hier" der Bundeskunstsammlung eröffnet. In seiner Rede stellte er den künftigen Intendanten der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Rein Wolfs, vor.

- Es gilt das gesprochene Wort -

Meine Damen und Herren,

ich freue mich, gerade zu diesem Zeitpunkt in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland eine Ausstellung zu eröffnen – zumal wenn unsere eigene Bundeskunstsammlung im Zentrum steht! Die Sammlung ist ein wahrer Schatz unserer Kunstförderung. Sie verfolgt seit nunmehr 42 Jahren konsequent zwei Ziele: Zum einen will sie das deutsche künstlerische Schaffen und damit die Entwicklung der zeitgenössischen Kunst in der Bundesrepublik Deutschland dokumentieren und gleichzeitig durch die Ankäufe in Deutschland lebende zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler fördern.

Zum anderen leiht sie Arbeiten an herausgehobene Dienststellen des Bundes aus, wobei das Motiv nicht die Ausschmückung von Diensträumen ist, sondern die Begegnung mit zeitgenössischer Kunst und die Präsentation Deutschlands als weltoffenen Kulturstaat. Deshalb werden die Werke auch – sei es für Ausstellungen, sei es als längerfristige Leihgabe – an Museen weltweit verliehen; angesichts sinkender Ankaufsetats bei Museen wird dies auch immer häufiger nachgefragt! Herr Spies ist ja schon ausführlich auf die Ausstellungen eingegangen, die die Bundeskunstsammlung in den letzen Jahren bestritten hat.

Es sei nur angemerkt, dass die Ausstellung "Visite" aus den Beständen der Bundeskunstsammlung, die im Jahr 2008 in diesem Haus gezeigt wurde, bis heute die meist besuchte Ausstellung aus dem Bereich der zeitgenössischen Kunst in der KAH ist. Es wäre schön, wenn die heutige Präsentation „Nur Hier“ an diesen Erfolg anknüpfen könnte!

Ich möchte an dieser Stelle die Mitglieder der Ankaufskommission, die die heutige Ausstellung mit den Ankäufen der letzten fünf Jahre kuratiert haben, nennen: Anne-Marie Bonnet, Ingrid Mössinger, Hans-Jörg Clement und Yilmaz Dziewior. Herzlichen Dank für Ihre Arbeit! Hans-Jörg Clement wird ja gleich kompetent in die Ausstellung einführen.

Meine Damen und Herren,
wir sind hier zu Gast in der Kunst- und Ausstellungshalle Bonn, und ich nutze die Gelegenheit, aus aktuellem Anlass etwas zur Lage und Perspektive der KAH zu sagen.

Die KAH ist die größte Einrichtung dieser Art in meinem Ressort und mit 16 Millionen Euro jährlich vom Bund finanziert auch die teuerste. Sie ist ein klares Bekenntnis des Bundes zur ehemaligen Hauptstadt Bonn. Mit dieser Förderung – und auch mit dem in direkter Nachbarschaft liegenden Haus der Geschichte – fühlen wir uns der Historie der "Bonner Republik" verpflichtet. Das bleibt so!

Der Auftrag der Kunst- und Ausstellungshalle ist es, geistige und kulturelle Entwicklungen von nationaler und internationaler Bedeutung insbesondere durch Ausstellungen, aber auch durch Vorträge und Diskussionen sichtbar zu machen. So sieht es der Gesellschaftsvertrag vor.

Betrachtet man die Gesamtbilanz der letzten zwanzig Jahre, dann ist sie diesem Auftrag in den meisten Jahren eindrucksvoll gerecht geworden. Sie schafft den Spagat, ein Ort für aktuelle Kunst zu sein und darüber hinaus große und international renommierte kulturhistorische Ausstellungen zu zeigen. Die KAH ist nach wie vor auch international eine erste Adresse – und an diesen guten Ruf wollen wir unbedingt anknüpfen, was die Zukunft anbetrifft.

Die KAH hat einige schwierige Jahre hinter sich, und ich will die Problemfelder der Vergangenheit gar nicht verschweigen: Der Bundesrechnungshof hatte das Finanzgebaren der Kunst- und Ausstellungshalle massiv kritisiert.

Es war ein Kraftakt, alles wieder ins Lot zu bringen. Ich danke an dieser Stelle insbesondere dem Kaufmännischen Geschäftsführer Dr. Bernhard Spies, der hier in Rekordzeit für solide Verhältnisse gesorgt hat.

Natürlich steht und fällt der Ruf einer solchen Einrichtung wie der KAH, die zu den Flaggschiffen der Kultur in Deutschland gezählt werden muss, auch mit der künstlerischen Leitung.

Es ist bekannt, dass Robert Fleck auf eigenen Wunsch das Haus vor Ablauf seines Vertrages verließ, um sich wieder stärker der Forschung und der Lehre zuzuwenden. Dies bietet die Möglichkeit zu einem Neuanfang.

Es wird auch in Zukunft jedem künstlerischen Leiter anheimgestellt bleiben, den Auftrag der Kunst- und Ausstellungshalle mit einem eigenen Profil zu gestalten und auszufüllen. Ich kann Ihnen die erfreuliche Mitteilung machen, dass heute auf einstimmigen Vorschlag einer hochkarätig besetzten Findungskommission die Gremien der KAH eine Entscheidung für die Nachfolge bei der künstlerischen Leitung getroffen haben.

Wir freuen uns, dass Rein Wolfs ab 1. März die Leitung der Kunst- und Ausstellungshalle übernehmen wird! Er verlässt die Kunsthalle Fridericianum in Kassel – einen profilierten Ort zeitgenössischer Kunst, wo er als Künstlerischer Leiter tätig war –, um nun hier in Bonn seine vielfältigen Erfahrungen einzubringen.

Seine Sporen hat er sich als Gründungsdirektor des Migros Museums für Gegenwartskunst in Zürich verdient, bis es ihn 2002 als Ausstellungsdirektor in seine niederländische Heimat an das Museum Boijmans van Beuningen in Rotterdam zurückzog.
2003 war er zudem Kurator des niederländischen Pavillons auf der Biennale in Venedig.

In zahlreichen Gremien und Kommissionen gestaltet er darüber hinaus seit vielen Jahren die internationale Kunstszene mit. Rein Wolfs ist eine Persönlichkeit, die internationale Beziehungen mitbringt und sich zugleich im deutschen Ausstellungsbetrieb profiliert hat. Mit guten Kontakten zu Künstlern und zugleich verankert in Theorie und Praxis des Kuratierens.

Rein Wolfs ist vor allem durch seine breite kuratorische Aufstellung eine ideale Wahl. Er hat nicht nur jungen Künstlern wie Cyprien Gaillard oder Klara Lidén ein Forum geboten, sondern auch mit großen Namen der zeitgenössischen Kunst wie Douglas Gordon oder Monica Bonvicini zusammengearbeitet.
Zudem weist sein Portfolio ein beeindruckendes und durchaus auch publikumswirksames Spektrum alter und moderner Kunst auf – von Rubens bis Salvador Dalì.

Lieber Herr Wolfs, es ist heute nicht der Tag, Ihnen etwas ins Stammbuch schreiben zu wollen. Aber ich möchte Ihnen gerne mit auf den Weg geben, dass wir großes Vertrauen in Sie setzen, dass Sie die Kunst- und Ausstellungshalle in guter Tradition zum Strahlen bringen – und zwar mit Kunstausstellungen wie mit kulturhistorischen Schauen gleichermaßen. Letztere sind ein großes Pfund, mit dem die KAH auch in der Vergangenheit wuchern konnte.

Lieber Herr Wolfs, mir bleibt nun nur zu sagen: Viel Erfolg! Der jetzt eröffneten Ausstellung „Nur hier“ wünsche ich viele Besucher.

Donnerstag, 17. Januar 2013

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