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Laudatio von Kulturstaatsminister Bernd Neumann anlässlich der Verleihung des Kulturgroschens des Deutschen Kulturrats an Professor Ernst Elitz

Redner:
Bernd Neumann
Gehalten:
Dienstag, 25. September 2012

Kulturstaatsminister Bernd Neumann würdigte Ernst Elitz in seiner Laudatio als "jemanden, der die Bereiche Medien und Kultur in einer Person herausragend vereint".

- Es gilt das gesprochene Wort. -

Anrede,

nach Fritz Pleitgen halte ich nun zum zweiten Mal innerhalb von fünf Jahren die Laudatio auf einen ebenfalls herausragenden Journalisten des Landes bei der Verleihung des Kulturgroschens.

Der Deutsche Kulturrat würdigt seit nunmehr zwanzig Jahren kulturpolitisches Engagement mit dem „Kulturgroschen“. Mit dieser Auszeichnung, lieber Herr Elitz, befinden Sie sich in guter Gesellschaft: Daniel Barenboim, Johannes Rau, William Forsythe, Edgar Reitz oder Klaus-Dieter Lehmann wurden ebenfalls mit dem Kulturgroschen geehrt.

Meinen herzlichen Glückwunsch zu dieser besonderen und höchst verdienten Auszeichnung!

Meine Damen und Herren,
seit seines Studiums war Ernst Elitz journalistisch tätig, und dies sowohl in Printmedien als auch elektronischen Medien, privat und öffentlich-rechtlich. Beim RIAS Berlin stieg er bezeichnenderweise in die Abteilung „Kulturelles Wort“ ein.

Er schrieb für den Spiegel, für die Zeit, die Abendzeitung, die Berliner Zeitung, die Stuttgarter Zeitung. Und er schreibt noch heute. Die Liste der Rundfunksender, für die er arbeitete, ist nicht weniger eindrucksvoll. Ernst Elitz war bei der ARD, dem SDR und dem ZDF vor und hinter der Kamera tätig.

Sein Gesicht ist bekannt aus Sendungen wie Tagesthemen, Weltspiegel, Pro und Contra, heute, heute-journal, Kennzeichen D, Länderspiegel. Für einen Mann, der von sich sagt: „Es war nie mein Lebensziel, an der Tankstelle erkannt zu werden“, hat es Ernst Elitz zu einer erstaunlichen Ubiquität gebracht.

Und es ist nicht nur sein Gesicht bekannt, sondern das, für was dieses Gesicht steht. Ein Zitat in der Züricher Zeitung aus dem Jahr 1999 trifft es meines Erachtens exakt: „Hart in der Sache, aber durchaus moderat und konziliant im Ton mag Elitz deshalb auch für ein Stück positiver Streitkultur im aufgeregten bundesdeutschen Medienzirkus stehen…“.

Lieber Ernst Elitz,
Ihr journalistisches und kulturelles Meisterstück ist natürlich die Gründung des Deutschlandradios, dessen Chef Sie 15 Jahre waren. Als Sie 1994 zum ersten Intendanten des aus RIAS, Deutschlandsender Kultur und Deutschlandfunk entstandenen neuen Senders gewählt wurden, lag ein schweres Stück Arbeit vor Ihnen.

So unterschiedliche Sender wie RIAS-Berlin – der für die einstige DDR westdeutscher Feindsender per excellence war – und DS Kultur – früher strengideologisch angepasster DDR-Rundfunk – in ein einheitliches Gesamtkonzept einzubinden, war schon eine besondere Herausforderung.

16 Länder mussten unter einen Hut gebracht und das Personal von 1.800 Mitarbeitern auf 700 gesenkt werden. Sie haben dem Deutschlandradio in die Unabhängigkeit und zur Eigenständigkeit verholfen – auch in finanzieller Hinsicht. Ursprünglich wurde der Gebührenanteil für das Deutschlandradio über ARD und ZDF zugeleitet. Ernst Elitz hat erfolgreich durchgesetzt, dass dem Deutschlandradio nun 7 % aus der Grundgebühr direkt zugewiesen werden.

Vom langwierigen Kampf um bundesweite Frequenzen ganz zu schweigen. Das Deutschlandradio konnte im zähem Ringen mittlerweile zehnmal mehr UKW-Frequenzen als bei seiner Gründung 1994 erringen: Über 300 sind es heute!

Für passionierte Vielfahrer jedoch gibt es bei diesem Flickenteppich durchaus einen gallebitteren Wermutstropfen: Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur haben einen fatalen Hang zur Flüchtigkeit und müssen alle paar Kilometer im Autoradio neu gesucht werden. Hier wäre Abhilfe zu schaffen – und das Deutschlandradio mit Willi Steul an der Spitze ist mit der Präferenz für das Digitalradio da auch auf einem guten Weg!

Kultur und Information war von Anfang an der Schwerpunkt des Deutschlandradios. Um den von Ihnen, lieber Herr Elitz, im Programm gewollten Kulturakzent auch nach außen hin stärker zu setzen, haben Sie das Deutschlandradio Berlin in Deutschlandradio Kultur umbenannt.

Sie haben Deutschlandradio Kultur zum meistzitierten Rundfunksender Deutschlands gemacht, laut einer emnid-Umfrage insbesondere aufgrund der journalistischen Verlässlichkeit und der Qualität der Hintergrundberichterstattung.

Und dies ist der Kern des Funktionsauftrages des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die Grundlage seiner Legitimation. Und diesem Kern müssen sich auch ARD und ZDF wieder stärker annähern. Und zwar in den Hauptprogrammen und nicht in Spartenkanälen. Denn der dem Funktionsauftrag und der Gebührenfinanzierung zu Grunde liegende Qualitätsanspruch richtet sich primär an die öffentlich-rechtlichen Sender, wobei die privaten Sender trotzdem nicht aus Ihrer gesellschaftlichen Verantwortung entlassen sind.

Gott sei Dank gibt es mit dem Deutschlandradio ein nationales Radio, das – so Ernst Elitz – „unabhängig von Werbung, ohne Schielen auf Massengeschmack, Qualitätsprogramme für Information und Kultur bietet, die in der Medienlandschaft Maßstäbe setzt.“ Das ist sicherlich auch ein Grund dafür, dass die Zahl der täglichen Hörer unter Ernst Elitz von 750.000 auf 1,6 Millionen anstieg, also mehr als verdoppelt wurde.

Meine Damen und Herren,
und auch im Bereich der Musik hat sich Ernst Elitz mit dem Deutschlandradio verdient gemacht. Zusammen mit dem Bund, mit Berlin und dem RBB finanziert das Deutschlandradio die „Rundfunkorchester und -chöre Berlin GmbH“, kurz: ROC Berlin. Das Deutschlandradio ist hier mit einem Anteil von 40 % der entscheidende Player.

Die bei ROC zusammengeschlossenen zwei Orchester und zwei Chöre – das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin (DSO), das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB), der Rundfunkchor Berlin und der Rias Kammerchor – haben nicht nur eine besondere Bedeutung für die deutsche Rundfunkgeschichte, sondern auch einen künstlerischer Ruf, der auch im internationalen Maßstab hervorragend ist. Die ROC ist Ernst Elitz´s Baby, ohne ihn wäre dieses Prunkstück der Musikkultur nicht entstanden und ohne ihn würde es die beiden Orchester und Chöre nicht mehr geben.

Meine Damen und Herren,
es gibt meiner Meinung nach kaum jemanden, der die Bereiche Medien und Kultur in einer Person so herausragend vereint wie Ernst Elitz. Und dabei ist immer Qualität die Grundlage.

Ernst Elitz steht in besonderem Maße für Qualitätsjournalismus. Die Vielfalt der Medien stellen heute besonders hohe Anforderungen an den Journalismus. Der Journalismus kann diese Herausforderungen bewältigen, wenn er sich auf seine bewährten Prinzipien besinnt und sich in der gewandelten Medienwelt zugleich neu erfindet.

Zu den bleibenden Grundlagen des Journalismus gehören ein fest verankertes Berufsethos, dessen Maßstäbe unter anderem Objektivität, Unbestechlichkeit, Seriosität und Gründlichkeit der Recherche, die Achtung der Menschenwürde anderer, aber auch die Trennung von redaktionellem Text und Anzeigen sowie Bericht und Meinung sein müssen.

Eine fundierte journalistische Aus- und Fortbildung weist dabei den Weg, um den Wandel in Medien und gesellschaftlicher Kommunikation erfolgreich zu gestalten. Sie, lieber Herr Elitz, sind dafür ein beispielhafter Repräsentant.

Ernst Elitz sagt von sich: „Ich interessiere mich immer für das Neue, denn das Alte kennt man ja schon – und neugierig war ich schon immer“. Diese Neugierde, gepaart mit Leistungsbereitschaft, Beharrlichkeit und nachgerade preußischer Disziplin – etwas, was dem gebürtigen Berliner wohl einfach gegeben scheint –, ist Zeit seines Lebens Antrieb und Kraftquelle zugleich.

In allen Formaten präsentierte er die Sache, nicht sich selbst. Das ist in der Medienbranche, der Heimat der großen Egos und Selbstdarsteller, eine rare Fähigkeit.

Weggefährten bescheinigen ihm eine geradezu „unerträgliche Freundlichkeit“. Es wird auch diese Freundlichkeit gewesen sein, die das Kunststück gelingen ließ, geräuschlos und konfliktfrei einen West- und einen Ostsender miteinander zu fusionieren, die sich politisch und weltanschaulich diametral gegenüberstanden.

Ernst Elitz wäre nicht Ernst Elitz, wenn er sich nach dem Ausscheiden als Intendant des Deutschlandradios und nach der Auszeichnung mit zahlreichen Preisen zur Ruhe gesetzt hätte.

Nein, er ist in Sachen Kultur und Medien engagiert wie eh und je und sorgt dafür, dass dieses Engagement weiter getragen wird. Als Honorarprofessor der FU Berlin bildet er die zukünftigen Kultur- und Medienmanager aus, bei der Axel Springer Akademie sorgt er für die Aus- und Weiterbildung der Journalisten, in der Stiftung Zukunft Berlin arbeitet er für eine gute Zukunft der Hauptstadt, natürlich mit der Kultur als deren Fundament.

Auch in aktuellen Kulturdebatten zeigt Ernst Elitz Flagge. In einem Artikel in der WELT im Frühjahr dieses Jahres setzt er sich mit den Autoren des Buches „Der Kulturinfarkt“ auseinander. Diese schlagen ja vor, das kulturelle Angebot in Deutschland zu halbieren und zukünftig nur noch das zu fördern, was nachgefragt wird.

Hierauf gibt Ernst Elitz die treffenden Antworten – ich zitiere: „Der Auftrag des Grundgesetzes, gleichwertige Lebensverhältnisse in allen Regionen sicherzustellen, gilt auch für die Kultur. Mit einer Schlachteplatte, wie sie die Autoren des ‚Kulturinfarkts‘ auftischen, lässt dieser Auftrag sich nicht erfüllen. … „Tatsächlich, Deutschland droht ein ‚Kulturinfarkt‘ – falls sich jemand anschicken sollte, auf die Autoren dieser Streitschrift zu hören.“ – Wie wahr, lieber Herr Elitz!

Meine Damen und Herren,
von den vielen Preisen, die Ernst Elitz verliehen wurden, möchte ich nur einen herausheben, weil er – so glaube ich – zeigt, wie breit und tief das Wirken von Ernst Elitz für die Belange der Kultur geht. So wurde ihm 2007 der Sieghardt von Köckritz-Preis von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz verliehen.

Die Stiftung begründete dies mit Elitz` Engagement bei der Verbreitung des Wissens um das gemeinsame kulturelle Erbe in Deutschland. Er habe sich immer dafür eingesetzt, dass dieses Wissen gepflegt und vermittelt werden müsse, damit sich eine Wertschätzung und auch eine bürgerschaftliche Verantwortung für den Erhalt der Kultur entwickeln könne.

Meine Damen und Herren,
dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen, außer dem herzlichen Dank an Ernst Elitz für seine wirklich herausragenden Verdienste für die Kultur und nochmals herzlichen Glückwunsch zur Verleihung des Kulturgroschens.

Mittwoch, 26. September 2012

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