Navigation und Service

Inhalt

Freitag, 12. August 2011

Bundesfreiwilligendienst

Mehr um junge Leute werben

Interview mit:
Jens Kreuter
Quelle:
in "Süddeutsche Zeitung"

Deutschland braucht das freiwillige Engagement der Bürgerinnen und Bürger. Der Zivildienstbeauftragte der Bundes, Jens Kreuter, sprach mit der Süddeutschen Zeitung über Chancen des neuen Bundesfreiwilligendienstes.

Süddeutsche Zeitung (SZ): Inwiefern unterscheidet sich die Arbeit eines jungen Menschen im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) von der im Bundesfreiwilligendienst (BFD)?

Kreuter: So gut wie gar nicht. Die beiden Dienste sind für die Freiwilligen praktisch fast identisch ausgestaltet.

SZ: Warum ist dann das FSJ so beliebt, dass schon Bewerber abgewiesen werden, während es für den BFD zu wenig Interesse gibt?

Kreuter: Jeder Abiturient kennt jemanden, der schon ein FSJ gemacht hat. Der BFD hingegen ist einfach noch nicht so bekannt.

SZ: Dann könnten doch die Wohlfahrtsverbände überzählige FSJ-Bewerber einfach in den BFD umlenken, anstatt sie nach Hause zu schicken.

Kreuter: Das tun sie jetzt auch. Vergangene Woche haben wir uns auf eine verstärkte Beratung durch die Verbände geeinigt: Insbesondere, wenn alle FSJ-Plätze voll sind, soll den Bewerbern erklärt werden, dass der BFD eine echte Option ist. So wollen die Verbände bis Ende Oktober bis zu 10000 BFD-Verträge abschließen. Das gemeinsame Ziel ist, dass kein Freiwilliger mehr abgewiesen wird.

SZ: Also alles eine Frage des Wollens?

Kreuter: Es ist ganz normal, dass eine so große Umstellung wie die Aussetzung des Zivildienstes allen Beteiligten viel abverlangt.

SZ: Zeigt sich jetzt, dass es falsch war, zwei Freiwilligendienste - einen in Bundes- und einen in Landesverwaltung - nebeneinander zu etablieren, die sich gegenseitig Konkurrenz machen?

Kreuter: Konkurrenz ist ein Wort aus dem vergangenen Herbst, als noch die Sorge umging, der neue Dienst könnte negative Auswirkungen auf das FSJ haben. Das ist überhaupt nicht eingetreten. Der Bund hat die Förderung des Länderdienstes FSJ mit 93 Millionien Euro verdoppelt. Mehr ist nicht drin, da setzt uns die Verfassung Grenzen. Um die zusätzliche Nachfrage zu decken wurde der Bundesfreiwilligendienst geschaffen. So können wir 70000 Freiwilligenplätze fördern - so viel wie nie zuvor.

SZ: Sie mussten vergangene Woche sogar durchsetzen, dass der Bund FSJ-Plätze nur noch bezuschusst, wenn ein Träger sowohl FSJ- als auch BFD-Stellen im Verhältnis drei zu zwei anbietet. Hatte diese Regel schon positive Folgen für den neuen Dienst?

Kreuter: Wir haben inzwischen eine ganz einvernehmliche Verabredung mit den Wohlfahrtsverbänden, die ja auch daran interessiert sind, dass der BFD schnell wächst und so alle Freiwilligen, die sich bewerben, einen Platz bekommen. Schon jetzt sind 5300 BFD"ler im Dienst, pro Woche gehen beim Bundesamt mehrere 100 Verträge ein. Wir sind zuversichtlich, dass die Zahlen nun noch weiter ansteigen.

SZ: Weil endlich alle an einem Strang ziehen, um die 350 Millionen Euro Fördermittel nicht zu verspielen?

Kreuter: Weil dieser Tage viele junge Menschen aus dem Sommerurlaub zurückkommen und entscheiden müssen, wie sie das nächste Jahr gestalten wollen. Bei laut Hochschulrektorenkonferenz aktuell 50000 fehlenden Studienplätzen werden einige eine Absage in ihrem Briefkasten vorfinden. Im Hinblick auf diese jungen Menschen werden wir unsere Werbe-Bemühungen jetzt noch einmal verstärken.

SZ: Zuletzt wurde über eine Verschmelzung von FSJ und BFD spekuliert. Halten Sie die für möglich?

Kreuter: Sicher wird es weiter Diskussionen geben, wie sich die Dienste entwickeln sollen. Da muss man alle Möglichkeiten durchdenken. Mein Tipp ist aber, dass bald alle darauf eingestellt sein werden, dass es zwei Rechtsformen gibt und zwei Fördertöpfe. Die vielen Einrichtungen, die bereits mit dem BFD begonnen haben, kommen damit problemlos klar.

Interview: Charlotte Frank für die Süddeutsche Zeitung.

Seitenübersicht

Beiträge