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Dienstag, 1. März 2011

Namensbeitrag von Staatsminister Bernd Neumann in „politik und kultur“ zur Verleihung des  Deutschen Computerspielpreises

von:
Bernd Neumann
Quelle:
in "politik und kultur"

Kunst und Kultur können von hochwertigen Computerspielen profitieren. Auch in der Bildung kommt digitalen Spielen eine immer größere Bedeutung zu. Der Deutsche Computerspielpreis fördert daher Hersteller und Entwickler, die auf Kreativität und Sachverstand setzen.

Der Namensbeitrag im Wortlaut:

An digitalen Spielen wird die Rasanz der aktuellen Medienentwicklung und der damit verbundenen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen besonders augenfällig. Zwischen dem ersten erfolgreichen, heute geradezu archaisch anmutenden Computerspiel „PONG“ und den nahezu perfekt inszenierten virtuellen Erlebniswelten moderner Spiele liegen gerade einmal wenige Jahrzehnte. In diesem kurzen Zeitraum hat sich eine atemberaubende Entwicklung vollzogen, die man im soeben eröffneten ersten deutschen Computerspielmuseum in Berlin sogar besichtigen kann.

Digitale Spiele sind zu Leitmedien vieler Kinder und Jugendlicher geworden. Damit haben sie die Musik und das Fernsehen aus dieser Rolle teilweise verdrängt. Lern- und Simulationsspiele werden zunehmend zu einem wichtigen Instrument für Bildung und Ausbildung. Interaktive Unterhaltungsmedien sind überdies Entwicklungs- und Anwendungsbereiche einer entscheidenden Zukunftstechnologie, bei der Deutschland wesentlich stärker als bisher den Markt mitgestalten sollte.

Aber nicht nur ihr Einfluss auf die Jugendkultur, auch ihre inhaltliche Vielfalt und ihre breiten Anwendungsmöglichkeiten legen nahe, dass sich digitale Spiele inzwischen zu Kulturgütern entwickelt haben. Sie haben auch die Dramaturgie von Geschichten verändert, eine eigene Ästhetik hervorgebracht und andere Medien und Kunstgattungen beeinflusst. Besonders deutlich wird das am Beispiel des Films. Die Zahl der Filme, die Stoffe und Figuren digitaler Spiele aufnehmen, wächst stetig und umgekehrt greifen Spiele Filmstoffe auf. Dramaturgie und Ästhetik von digitalen Spielen und Filmen befruchten sich also wechselseitig. Aber auch die Musik verschiedener Genres liefert einen wichtigen Beitrag zur Ästhetik digitaler Spiele, wie sich auch umgekehrt wichtige Impulse für Komponisten aus der Arbeit mit Spielen ergeben.

Wenn digitale Spiele also inzwischen den Kulturgütern zuzurechnen sind, bedeutet dies natürlich nicht, dass jedes Spiel wertvoll und gefahrlos ist. Dies ist jedoch keine Besonderheit digitaler Spiele. Auch andere Medien, die ohne jeden Zweifel Kulturgüter sind, können wertvoll oder wertlos, förderlich oder verderblich sein. Es kommt also nicht auf das Medium an sich an, sondern allein darauf, was man daraus macht.

Genau hier knüpft der seit 2009 jährlich vergebene, gemeinsam von Politik und Wirtschaft ausgerichtete und finanzierte Deutsche Computerspielpreis an. Sein wichtigstes Ziel ist, das Angebot kulturell und pädagogisch hochwertiger Spiele aus deutscher Produktion zu erweitern und zu verbessern. Damit sollen zugleich deutsche Entwickler gefördert werden, die dieses Marktsegment bedienen. Der Preis ist das weithin sichtbare Signal an die Öffentlichkeit, dass digitale Spiele längst viel mehr sein können als belangloser Zeitvertreib oder Instrumente zur virtuellen Inszenierung von Gewalt. Die bislang durch die unabhängige, von Politik und Wirtschaft paritätisch besetzte Jury ausgewählten Produkte zeigen eine thematische und funktionale Bandbreite, welche die beachtliche Kreativität und Leistungsfähigkeit deutscher Entwickler und Hersteller belegt.

Bei der Auswahl der Jurymitglieder haben die Ausrichter nicht nur großen Wert auf hohen Sachverstand gelegt, sondern auch dafür gesorgt, dass alle für digitale Spiele wichtigen Arbeitsbereiche und Themenfelder angemessen einbezogen sind. Deshalb hat die staatliche Seite Vertreter aus Politik, Medienwissenschaft, Pädagogik und Jugendmedienschutz entsandt, während die Spielewirtschaft die Bereiche Technologie, Marketing sowie Fachpresse abdeckt und auch die Spielerseite einbezieht.

Mit dem Deutschen Computerspielpreis möchten wir nicht nur die große technische und inhaltliche Vielfalt abbilden, die heute bereits existiert. Wir wollen durch die mit dem Preis verbundenen finanziellen und ideellen Anreize auch erreichen, dass deutsche Hersteller, Entwickler und Publisher kulturell und pädagogisch hochwertige Spiele noch mehr als bisher als Marktchance sehen und ihr Angebot in diesem Bereich ausweiten. Diese weit reichende Intention des Preises zeigt sich besonders an der Vielfalt seiner Preiskategorien. Neben den besten deutschen Spielen werden nicht nur die besten Kinder- und Jugendspiele, Serious Games, mobilen Spiele und Browserspiele, sondern auch die besten Spielkonzepte von Schülern und Studenten ausgezeichnet.

Die Preisgelder werden je zur Hälfte von Bundesregierung und Spielebranche finanziert. Die Bundesregierung stellt hierfür pro Jahr bis zu 300.000 Euro bereit. Branchenverbände und Unternehmen finanzieren zudem auch die Preisgala. Dieses beachtliche Engagement der Wirtschaft ist unerlässlich, damit der Preis bei den Marktakteuren Akzeptanz findet und tatsächlich jene positiven Effekte auf den Spielemarkt ausüben kann, auf die der Preis abzielt. Dem dient auch, dass die an Hersteller und Entwickler ausgezahlten Preisgelder für die Entwicklung neuer, hochwertiger Spiele verwendet werden müssen.

Die an kulturellem und pädagogischem Wert digitaler Spiele orientierte Konzeption des Deutschen Computerspielpreises ist auch eine Antwort auf die leider nicht immer sachlich geführte Diskussion über Gewalt und digitale Spiele. Neben den Verbesserungen des Jugendschutzrechts im Spielebereich, die wir bereits erreichen konnten, müssen wir stärkere Anstrengungen als bisher unternehmen, um gerade Kinder und Jugendliche für altersgerechte, qualitativ hochwertige und attraktive Spiele zu gewinnen. Denn wer sich mit solchen Spielen befasst, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit eine kritische Distanz zu jenen Angeboten entwickeln, die uns Sorgen machen müssen.

Der Deutsche Computerspielpreis wird am 30. März 2011 in München zum dritten Mal vergeben. Die Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft hat sich bislang trotz einiger unterschiedlicher Sichtweisen als ebenso fruchtbar wie stabil erwiesen. Aus den mitunter lebhaften Debatten über Ausgestaltung und Vergabe des Preises haben beide Seiten lernen können: die Politik, dass die Welt digitaler Spiele hochkomplex ist und eine sehr differenzierte Bewertung und Behandlung erfordert – Unternehmen und Verbände hingegen, dass sie als Hersteller eine hohe gesellschaftliche Verantwortung tragen und die Sorgen auch jenes Teils der Öffentlichkeit aufnehmen müssen, der digitale Spiele mit Skepsis betrachtet.

Dieser beiderseitige Lernprozess hat zu einer Schärfung des Profils des Preises als kulturpolitisches Förderinstrument geführt und so seine öffentliche Wahrnehmung und Akzeptanz stetig wachsen lassen. Wenn die beteiligten Verbände neuerdings vorschlagen, den bei Unternehmen und Nutzern renommierten Branchenpreis LARA mit dem Deutschen Computerspielpreis zu verbinden, wird deutlich, dass der Deutsche Computerspielpreis inzwischen in der Branche und bei vielen Nutzern angekommen ist und erfreuliche Aussichten auf eine erfolgreiche Zukunft hat.

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