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Nachhaltigkeit

Neue Strategie für biobasiertes Wirtschaften

Klebestoffe aus Pflanzenöl, Spielzeug aus Biokunststoff - das ist keine Zukunftsmusik. Denn immer mehr Produkte lassen sich aus Rohstoffen herstellen, die in der Natur nachwachsen. Mit der Politikstrategie Bioökonomie will die Bundesregierung deren Potenziale noch besser nutzen.

Eine Medizinisch Technische Laborassistentin kontrolliert in einem Reinraum das Wachstum und die Sterilität von Gras und Zuckerrohrpflanzen. Aigner: "Bioökonomie ist ein Wachstumsmarkt, auf dem sich Deutschland schon jetzt im Spitzenfeld bewegt" Foto: picture alliance / ZB

Nachwachsende Rohstoffe wie Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen bergen enorme Ressourcen. Die deutsche Wirtschaft soll dadurch noch rohstoffeffizienter und damit wettbewerbsfähiger werden. Mit ihrer Politikstrategie zur Bioökonomie, die das Kabinett beschlossen hat, will die Bundesregierung diesen Prozess unterstützen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen weiter vermindern.

Die Strategie führt verschiedene Bereiche und Akteure mit dem Ziel einer einheitlichen und stringenten Politik zusammen. Eine "Interministerielle Arbeitsgruppe Bioökonomie" wird den Umsetzungsprozess begleiten und weiterentwickeln.

Bei der Vorstellung der Strategie sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner: "Wir müssen wegkommen vom Öl und lernen, stärker zu nutzen, was die Natur uns bietet. Die Bioökonomie ist ein Wachstumsmarkt, auf dem sich Deutschland schon jetzt im Spitzenfeld bewegt. Wir können diese Stellung weiter ausbauen, neue Erfindungen umsetzen, Arbeitsplätze schaffen und zugleich den Umweltschutz voranbringen."

Sicherung der Ernährung hat Vorrang

Die Förderung der biobasierten Wirtschaft muss national und international mit der Sicherung der Ernährung, dem Schutz der Umwelt und des Klimas sowie der Arten- und Pflanzenvielfalt und sozialen Standards im Einklang stehen. Dabei sind unterschiedliche Interessen zum Ausgleich zu bringen - etwa die Konkurrenz um die Nutzung von Flächen.

"Die Ernährung und die Produktion von Lebensmitteln muss immer Vorrang haben – dieser Grundsatz gilt", betonte Aigner. Daneben setzt die Strategie auf die vollständige und hochwertige Nutzung von Biomasse im Rahmen der Kreislaufwirtschaft, auf Forschung, Ausbildung und Lehre. Nicht zuletzt müssen Information und gesellschaftlicher Dialog zur Akzeptanz der Bioökonomie bei den Verbrauchern beitragen.

Das Konzept der biobasierten Wirtschaft, der so genannten Bioökonomie, umfasst alle Wirtschaftsbereiche, die nachwachsende Ressourcen und deren Produkte erzeugen, verarbeiten, nutzen und damit handeln. Zum Einsatz kommen nicht nur Rohstoffe, die in der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft sowie in der Aquakultur oder der mikrobiellen Produktion erzeugt werden. Zunehmend spielen auch biogene Rest- und Abfallstoffe eine Rolle.

Potenziale und Wachstumschancen

Wachstumspotenziale gibt es vor allem in der industriellen Biotechnologie, bei nachwachsenden Rohstoffen für die stoffliche und energetische Nutzung sowie in den klassischen Sektoren Lebensmittel- und Futterproduktion.

Die deutsche Land- und Ernährungswirtschaft produziert eine große Vielfalt an Lebensmitteln. Sie behaupten sich im internationalen Wettbewerb vor allem aufgrund ihrer hohen Qualität sowie durch den Einsatz moderner Technologien. Im Zuge der positiven wirtschaftlichen Entwicklung wird insbesondere in Schwellenländern eine Nachfrage nach höher veredelten Produkten entstehen.

Nachwachsende Rohstoffe wie Mais, Raps, Rhizinussamen und Kokosöl werden zur Herstellung von zahlreichen Produkten verwendet: Kunststoffen, Fasern, Waschmitteln, Kosmetika, Farben, Klebstoffen, Baustoffen, Hydraulikölen und Schmiermitteln bis hin zu Arzneimitteln. Deutschland gehört hier international zum Spitzenfeld.

Beispiele für die Anwendung biotechnologischer Verfahren sind biotechnologisch hergestellte Fein- und Spezialchemikalien sowie Antibiotika für die pharmazeutische Industrie. Ebenso: biobasierte Kunststoffe und Verbundwerkstoffe, die unter anderem in der Automobil- und Baubranche sowie bei Herstellern von Haushalts- und Sportartikeln zum Einsatz kommen. Ferner werden biotechnologisch produzierte Enzyme und Mikroorganismen zum Beispiel für Wasch- und Reinigungsmittel verwendet.

Energetische Nutzung von Biomasse

Bioenergie aus Energiepflanzen, Holz oder Reststoffen wie insbesondere Stroh, Bioabfälle, Gülle oder Reststoffen aus der Bioraffinerie wird sowohl zur Strom-, Wärme- als auch zur Kraftstofferzeugung eingesetzt und ist gleichzeitig speicherfähig. Sie lieferte deshalb 2012 mit fast 65,5 Prozent am Gesamtenergieverbrauch den mit Abstand größten Anteil an den Erneuerbaren Energien in Deutschland. Im Strombereich ist Biomasse mit 6,8 Prozent des Bruttostromverbrauchs hinter der Windkraft derzeit die zweitwichtigste erneuerbare Energiequelle.

Grundlage Nachhaltigkeitsstrategie

Die Strategie zur Bioökonomie baut auf der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung auf. Sie ist außerdem eng verzahnt mit der "Nationalen Forschungsstrategie Bioökonomie 2030" (Förderetat 2011-2016: 2,4 Milliarden Euro), dem Energiekonzept, der Rohstoffstrategie, dem Deutschen Ressourceneffizienzprogramm und anderen Ressourcen-Strategien der Bundesregierung.

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka unterstrich: "Mit der Nationalen Forschungsstrategie 'BioÖkonomie 2030' und dem Zukunftsprojekt 'Nachwachsende Rohstoffe als Alternative zum Öl' legen wir in der Forschung die Grundlagen für die Bioökonomie. Mir ist wichtig, dass der Bioökonomierat, in dem diese Disziplinen ebenfalls vereint sind, den Prozess und den Dialog über Prioritätensetzungen mit der Gesellschaft begleitet."

Auf Empfehlung des Bioökonomierats startete das Bundesforschungsministerium nun als eine Maßnahme der Politikstrategie Bioökonomie eine neue Forschungsinitiative zur nachhaltigen Nutzung von landwirtschaftlichen Böden. Für die Förderinitiative "Boden als nachhaltige Ressource für die Bioökonomie - BonaRes" können bis zum 31. Januar 2014 Projektvorschläge beim Bundesforschungsministerium eingereicht werden.

Mittwoch, 17. Juli 2013

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