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Mittwoch, 3. August 2011

Interview

Polizeiausbildung in Afghanistan: Schlüssel fürs System

Interview mit:
Andreas Ledtje
Quelle:
in "Bundeswehr aktuell"

Es ist bereits der vierte Auslandseinsatz für Polizeioberkommissar Andreas Ledtje, aber der erste in Afghanistan. Der Landespolizist aus Schleswig-Holstein war bereits im Kosovo und in Bosnien-Herzegowina eingesetzt. Derzeit ist er im Rahmen der EUPOL-Mission Trainer am Police Training Center in Kabul. Für Ledtje ist es ein freiwilliger Auslandseinsatz.

Trainer in Kabul: Polizeioberkommissar Andreas Ledtje im Schulungsraum. Trainer in Kabul: Polizeioberkommissar Andreas Ledtje im Schulungsraum. Foto: BMI

aktuell: Warum haben Sie sich entschlossen, beruflich nach Afghanistan zu gehen?

Ledtje: In der Landespolizei Schleswig-Holstein haben wir einen Pool an Polizeibeamten, die sich in Auslandseinsätzen engagieren. Ich bin seit 1998 in diesem Pool und habe bereits an mehreren internationalen Einsätzen teilgenommen. Die Bundesrepublik Deutschland investiert derzeit sehr viel Zeit, Kosten und Personal in den Aufbau der Polizei in Afghanistan. Ich habe es als Teilnehmer verschiedener Auslandsmissionen als meine Pflicht angesehen, mich auch an diesem Aufbau zu beteiligen.

aktuell: Was waren Ihre ersten Eindrücke von Land und Leute?

Ledtje: Es handelt sich um ein sehr interessantes Land. Afghanistan hat eine atemberaubende Landschaft zu bieten. Die Afghanen habe ich bisher als ein sehr freundliches Volk kennengelernt. Sie vermitteln mir den Eindruck, dass sie unser Engagement wert sind. Allerdings muss man auch sagen, dass ich mich in Kabul aufhalte. Da ist die Luftverschmutzung auch ein nicht unerheblicher Anteil des ersten Eindrucks.

aktuell: Wo liegen für Sie bei der Ausbildung der afghanischen Polizisten die größten Herausforderungen?

Ledtje: Ich halte es für sehr schwierig, die alten Strukturen und entsprechende Mitarbeiter so zu prägen, dass ein halbwegs moderner und funktioneller Polizeiapparat herauskommt. Die Mischung aus Allgemeinbildung – dazu zähle ich auch das Lesen und Schreiben – und die Vermittlung unseres polizeilichen Wissens ist für mich die echte Herausforderung dieser Mission. Sie ist aber auch der Schlüssel für ein solides System.

aktuell: Was war während ihrer Einsatzzeit in Afghanistan ihr – bis jetzt – schönstes Erlebnis?

Ledtje: An der Polizeiakademie in Kabul wird auch ein Kindergarten unterstützt. Es ist immer wieder ein schönes Erlebnis, in die leuchtenden Kinderaugen zu sehen, wenn sie uns morgens zuwinken. Sie vermitteln mir als Vater ein gutes Gefühl und eine Bestätigung, dass es gut ist, was wir hier machen.

aktuell: Was wünschen Sie den Menschen in Afghanistan für die Zukunft?

Ledtje: Ich wünsche den Menschen vor allem Frieden. Ich kann nur hoffen, dass sich die vernünftigen Kräfte dieses Landes durchsetzen und dem Terrorismus ein Ende bereiten. Denn nur so ist auf lange Sicht eine positive Entwicklung möglich.

Die Fragen stellte Sylvia Jaeck von "aktuell" - Zeitung für die Bundeswehr.

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