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Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Empfang der Sternsinger

Redner:
Angela Merkel
Gehalten:
Freitag, 4. Januar 2013
Ort:
Berlin

im Bundeskanzleramt

Herr Prälat Krämer,
Herr Pfarrer Rapp
und vor allem ihr, liebe Sternsinger, die ihr heute hier zu Gast seid,

ich möchte euch ganz herzlich im Bundeskanzleramt willkommen heißen. Ich freue mich sehr über euren Besuch gleich zum Jahresanfang. Dieser Besuch ist immer mein erster öffentlicher Termin im Jahr. So ist das auch in diesem Jahr. Mit euch beginnt das Jahr farbenfroh. Das macht Mut.

Aber bei aller Freude und Fröhlichkeit, die das Sternsingen verbreitet – es geht euch im Kern ja um eine ernste Sache. Denn ihr zieht von Tür zu Tür, um Geld für Kinder zu sammeln, die Hilfe brauchen. Dieses Jahr steht ein Wunsch im Mittelpunkt, der allen Jungen und Mädchen auf der Welt ganz wichtig ist, nämlich dass man gesund groß werden kann.

Ich hoffe erst einmal, dass ihr alle selber gesund und fit seid. Das Sternsingen bringt ja eine Reihe von Gefährdungen mit sich. Die Jahreszeit, in der das bei uns stattfindet, ist nicht gerade die wärmste. Man kann sich schnell kalte Füße holen und einen Schnupfen oder Husten bekommen.

Viele von euch wissen ja auch, was es bedeutet, krank zu sein, im Bett zu liegen, sich schlecht zu fühlen, nicht ganz fit zu sein. Selbst die schönsten Dinge, die man sonst machen könnte, machen dann gar keine Freude, wenn man selber krank ist. Ihr wisst auch, wie schön es ist, wenn man jemanden hat, der einen pflegt, wenn man krank ist, der sich um einen kümmert, der weiß, wo man Medikamente bekommt und zu welchem Arzt man gehen kann, um das, was die Krankheit ausmacht, überhaupt behandeln zu können.

In Deutschland sind wir in der glücklichen Lage, dass es all das gibt – Medikamente, Ärzte. Und die meisten haben jemanden, der sich um einen kümmert. Aber in anderen Teilen der Welt sieht das längst nicht so aus wie bei uns. Ihr wollt das – das ist euer Auftrag in diesem Jahr – verändern. Ihr wollt helfen, Kindern, die in eurem Alter sind, eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Das Recht auf Gesundheit gehört natürlich dazu. Wir wollen, dass überall auf der Welt Jungen und Mädchen gesund aufwachsen können. Ihr arbeitet dafür. Ihr singt dafür. Ihr macht das unter dem Motto: „Segen bringen, Segen sein.“ Ihr sammelt Geld für eine bessere medizinische Versorgung, zum Beispiel in Tansania oder anderswo in der Welt.

Wir wissen, dass dank eurer Einsatzkraft – ihr steht hier ja stellvertretend für viele – in Zukunft die Chancen in ärmeren Regionen besser sein werden, einen Arzt besuchen und ein Krankenhaus aufsuchen zu können. Ich möchte euch natürlich auch ein kleines bisschen helfen und werde im Anschluss an meine Rede einen Beitrag leisten, um eine ländliche Krankenstation im Osten Tansanias zu unterstützen. Sie ist in einem Umkreis von 40 Kilometern die einzige medizinische Anlaufstelle für Kranke und ratsuchende Eltern. Dort gibt es zweimal in der Woche für Mütter mit Kindern unter fünf Jahren eine kostenlose Sprechstunde. Dort können die notwendigen Impfungen stattfinden, um Infektionskrankheiten vorzubeugen. Und es kann die medizinische Behandlung erfolgen, die notwendig ist.

Diese Gesundheitsstation hilft den Menschen, Erkrankungen nicht nur zu behandeln, sondern sie von vornherein zu vermeiden. Dabei hängt vieles von Hygiene und guten Ratschlägen ab. Zum Beispiel wird Malaria, die häufigste Krankheit in Tansania, durch Mücken übertragen. Wer weiß, wie man sich vor stechenden Mücken schützen kann, bekommt diese Krankheit erst gar nicht. Hoffentlich gibt es dann auch die notwendigen Mückennetze, die schon in großer Zahl verteilt wurden und auch weiter verteilt werden müssen. Ihr Sternsinger unterstützt viele solcher Projekte. Es sind Projekte, die helfen, dass Menschen lernen, sich selber helfen zu können. Das ist ganz wichtig. Denn die Menschen wollen ja auch unabhängig werden und ihr Leben unabhängig führen können.

Ihr alle wisst, wie kompliziert es ist, wenn ihr von Haus zu Haus, von Tür zu Tür zieht, das den Menschen zu erklären. Deshalb könnt ihr auf eure Erfolge, die ihr bei eurer Arbeit erlebt, wirklich stolz sein. Ich weiß nicht, ob es manchmal auch schlechte Erfahrungen gibt. Ich denke, die Mehrzahl der Erfahrungen sind gute Erfahrungen, dass Menschen ihre Türen öffnen.

Ihr habt bei der letzten Aktion über 42 Millionen Euro gesammelt. Ich finde, das ist ein unglaublich beeindruckendes Ergebnis. Die Spenden sind das eine, wofür ihr singt. Aber ihr tragt mit euren Liedern und Gebeten auch die Freude und den Frieden von Weihnachten noch einmal in die Häuser hinein. Ihr sorgt dafür, dass das nicht einfach verlorengeht. Denn viele waren vielleicht nur einmal im Jahr in der Kirche und haben dann schon wieder vergessen, welche Botschaft von Weihnachten eigentlich ausgeht und sich über das ganze Kirchenjahr fortsetzt. Deshalb ist euer Besuch – „Segen bringen, Segen sein“ – auch eine Ermunterung, den christlichen Glauben jeden Tag ernst zu nehmen und darin eine große Kraft zu sehen.

Ihr gebt dafür, dass ihr zu den Menschen geht, Freizeit auf – Zeit, die ihr für etwas anderes verwenden könntet. Ihr, die ihr hier stellvertretend für eine halbe Million junge Mädchen und Jungen steht, zieht in dieser großen Zahl von Tür zu Tür. Ihr seid so etwas wie Könige der Barmherzigkeit. Ihr hört zu, wenn Menschen von ihrem Schicksal erzählen. Ihr verbreitet Hoffnung, ihr verbreitet Zuversicht – und vielleicht auch Kontakte. Vielleicht bekommt manches Kind, das in einer Familie besucht wird, Lust, im nächsten Jahr selber beim Sternsingen dabei zu sein. Deshalb sage ich euch herzlichen Dank.

Ich wünsche euch für eure Aktion natürlich alles Gute. Ich wünsche euch viele offene Türen, viele freundliche Gesichter und Menschen, Bekanntschaften und wenige Menschen, die mürrisch sind. Wenn jemand mürrisch ist, dann muntert ihn mit eurem Lächeln auf. Manche Menschen haben Probleme oder viele Sorgen. Im Nachhinein denken sie aber vielleicht noch einmal nach und sagen: Es war schön, dass jemand an unserer Tür war.

Noch einmal ein ganz herzliches Willkommen.

Freitag, 4. Januar 2013

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