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Rede von Bundeskanzlerin Merkel bei der Grundsteinlegung für das neue Werk der Nestlé Deutschland AG

Redner:
Angela Merkel
Gehalten:
Freitag, 31. Mai 2013
Ort:
Schwerin

in Schwerin

Sehr geehrter Herr Bulcke,
sehr geehrter Herr Berssenbrügge,
sehr geehrter Herr Ministerpräsident Sellering,
sehr geehrter Herr Wirtschaftsminister,
Frau Oberbürgermeisterin,
Herr Botschafter,
liebe Kolleginnen und Kollegen aus den Parlamenten,
meine Damen und Herren,

heute legen wir den Grundstein für eine große Investition von Nestlé – von Nestlé Deutschland; es ist die größte in Mecklenburg-Vorpommern seit der Wiedervereinigung. Und deshalb sind wir dankbar dafür, dass Sie sich für Deutschland entschieden haben. Als jemand, der auch seinen Wahlkreis in diesem Bundesland hat, sage ich ganz besonders danke dafür, dass Sie sich für Mecklenburg-Vorpommern entschieden haben.

Ich glaube, diese Entscheidung beruht ja auf handfesten Faktoren. Mecklenburg-Vorpommern im Allgemeinen und Schwerin im Besonderen haben eine hervorragende Infrastruktur, exzellent ausgebildete Fachkräfte und, begünstigt durch die geografische Lage, vielversprechende Absatzmärkte. Das heißt, die Rahmenbedingungen stimmen. Es ist immer wieder hervorgehoben worden, dass gerade auch die Diskussionen mit der Landesregierung so geführt wurden, dass das Unternehmen den Eindruck gewonnen hatte, hier willkommen zu sein. Und das ist es auch, wie man freiweg sagen darf.

Für den Standort Schwerin spricht natürlich auch, dass der Hamburger Hafen, der ja als weltgrößter Umschlagplatz für Rohkaffee gilt, in einer guten Autostunde zu erreichen ist. Hamburg und zum Beispiel Lateinamerika sind ja eng miteinander verbunden. Eine gute Autostunde – das heißt, der Hafen ist quasi vor dem Werkstor. Es zeigt sich wieder einmal, wie wichtig Investitionen in die Infrastruktur sind, wie wichtig es ist, gute Autobahnanbindungen, Schienenwege und Wasserwege zu haben. Das sind Standortvorteile, die sich eben auch für Ansiedlungen von Unternehmen positiv bemerkbar machen. Ich erinnere mich sehr gut daran, dass wir, als wir Anfang der 90er Jahre über die A 20 und alles, was damit zusammenhing, diskutierten, uns vorgestellt haben, dass eines Tages eine vorhandene Infrastruktur eben auch dazu führt, dass sich Unternehmen dazu entschließen, sich hier anzusiedeln.

Deutschland verfügt insgesamt über ein sehr gutes Verkehrsnetz – die neuen Bundesländer ganz besonders. Die Bundesregierung hat immer Wert darauf gelegt, wo auch immer sich finanzielle Spielräume ergeben, in Straßen und andere Verkehrswege zu investieren. Denn – das wird auch für die Zukunft gelten – eine leistungsfähige Infrastruktur ist eine notwendige Voraussetzung für eine starke Wirtschaft.

Die regionale Wirtschaftsförderung ist natürlich auch ein wesentlicher Faktor. Der Bund setzt dafür allein in diesem Jahr mehr als 580 Millionen Euro ein. Es hat sich als richtig erwiesen, die Wirtschaftsförderung in den neuen Bundesländern so zu gestalten, dass die Motivation der Menschen, hier zu leben, gestärkt wird, weil eine faire Chance besteht, sich hier beruflich entfalten zu können. An diesem Beispiel hier in Schwerin zeigt sich ja, dass das funktioniert.

Die Wirtschaftsförderungsmittel lösen ein Mehrfaches an Folgeinvestitionen aus. Das Werk, das hier entsteht, zeigt das ganz eindrücklich. Mit einer öffentlichen Förderung von 22,5 Millionen Euro wird ein Projekt von 220 Millionen Euro realisiert. Und das gilt nur für dieses Projekt an sich und noch nicht für alle Folgewirkungen, die sich daraus ergeben. Das Geld bleibt zum Teil in der Region – das wird natürlich in den Regionen auch immer wieder diskutiert. Und deshalb kann man sagen, das Projekt bedeutet Wertschöpfung im Land und für das Land.

450 neue Arbeitsplätze – damit erfährt die Ernährungsbranche als wichtige Säule der wirtschaftlichen Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern eine weitere Stärkung. Und ich glaube, alle Unternehmen, die sich schon vor Nestlé entschieden haben, sich hier anzusiedeln, würden Ihnen sagen: Es lohnt sich, auch in Mecklenburg-Vorpommern eine Heimat zu haben.

Lebensmittelproduktion ist mit großer Verantwortung für die Menschen verbunden. Lebensmittel unbedenklich verzehren zu können, hat etwas mit Vertrauen zu tun. Hier in Mecklenburg-Vorpommern sind eben auch viele Unternehmen zu Hause, die auf dem Vertrauen der Kunden, der Konsumenten aufbauen. Ich habe vor wenigen Tagen mit dem chinesischen Ministerpräsidenten auch über dieses Thema – Grundvertrauen in Nahrungsmittel – gesprochen. Dazu darf man sagen: Deutschland, auch Europa insgesamt, ist bei dem, was wir hier herstellen können, wirklich ein Leuchtturm.

Ich möchte mich auch dafür bedanken, dass Sie gesagt haben, Sie glauben an Europa. Wir sind natürlich in einem Wettbewerb in Europa; und ich verschweige nicht, wenn die Investitionen bei uns in Deutschland stattfinden, dass wir zufrieden sind. Aber ich sage: Wir freuen uns auch, wenn auch andere Teile Europas eine gute wirtschaftliche Entwicklung haben.

Nestlé ist fast 150 Jahre alt und hat sich immer wieder als Motor der Innovation erwiesen. Sie haben immer Schritt gehalten mit den wachsenden Ansprüchen der Verbraucherinnen und Verbraucher. Die Deutschen sind durchaus wählerisch. Das heißt, neben Geschmack und Qualität ist heute auch das Thema Nachhaltigkeit für die Menschen sehr, sehr wichtig. In Zeiten der Globalisierung wird genau gefragt: Woher kommen die Rohstoffe, wie sind sie gewonnen worden? Und auch die Tatsache, dass Sie hier tarifgebundene Arbeitsplätze schaffen, ist natürlich ein wichtiges Symbol.

Lieber Herr Bulcke, lieber Herr Berssenbrügge,

dass Nestlé dem Nachhaltigkeitsgedanken Bedeutung beimisst, möchte ich in schriftlicher Form in die Zeitkapsel mit hineingeben. Denn Ihre Baupläne stehen auch für ein umwelt- und ressourcenschonendes Werk. Die Verantwortung für Nachhaltigkeit wird also von der Kaffeebohne, die wir schon in der Kapsel haben, bis hin zur Realisierung des Werks und zur sozialen Dimension der Nachhaltigkeit, zur Beschäftigung, durchgehalten. Deshalb möchte ich mit meinem Beitrag, der nicht in Silber gegossen ist, sondern auf nachhaltigem Papier steht, deutlich machen: Ich wünsche diesem Projekt allen Erfolg, gutes Gelingen und vor allen Dingen denen, die das Werk errichten, eine glückliche Hand, Gesundheit für alle, die hier arbeiten, und eine gute Realisierung dessen, was geplant, was entworfen wurde. Das Geschick der Facharbeiter und der Ausgebildeten, der Meister, der Handwerker, der Bauarbeiter – das ist ja auch ein Markenzeichen Deutschlands. Deshalb mache ich mir keine Sorgen, dass hier kein tolles Werk entstehen könnte. Und jetzt werfe ich meine Wünsche hier in die Zeitkapsel auch als Erinnerung für die Nachwelt.

Dankeschön.

Donnerstag, 6. Juni 2013

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