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Rede von Bundeskanzlerin Merkel beim Besuch von US-Präsident Obama

Redner:
Angela Merkel
Gehalten:
Mittwoch, 19. Juni 2013
Ort:
Berlin

in Berlin

Sehr geehrter Herr Präsident, lieber Barack Obama,
meine Damen und Herren,

ich weiß, dass viele von Ihnen heute schon länger hier sind. Nicht immer ist gutes und schönes Wetter, aber ich sage ganz einfach: Lieber Barack Obama, wir haben das bestmögliche Wetter ausgesucht. Herzlich willkommen in Berlin.

Das Brandenburger Tor, dieses zunächst jahrzehntelang geschlossene und seit 1989 wieder offene Tor, ist für unser ganzes Land, für diese Stadt und auch für mich persönlich das Symbol unserer Freiheit. Vor 60 Jahren war es einer der Schauplätze des Volksaufstands in der DDR. Am 17. Juni 1953 fassten rund eine Million Menschen in der ganzen DDR den Mut, ihre Stimme zu erheben. Sie protestierten gegen staatliche Bevormundung und Misswirtschaft, für Bürgerrechte und Demokratie. Sie riefen: „Wir wollen freie Menschen sein.“ Ihr Ruf wurde von den auffahrenden sowjetischen Panzern erstickt. Doch die Sehnsucht nach Freiheit, sie blieb lebendig. Am Ende brach sie sich im Herbst 1989 Bahn, als ein Unterdrückungsregime des Ostblocks nach dem anderen in sich zusammenbrach und am 9. November 1989 dann auch die Berliner Mauer fiel. Die Bilder der jubelnden Menschen gerade hier am Brandenburger Tor gingen um die Welt.

Die Überwindung der Teilung und die Einheit unseres Landes wurden möglich, weil im Herbst 1989 viele Menschen in der DDR im friedlichen Protest auf die Straße gingen und riefen: „Wir sind das Volk. Wir sind ein Volk.“ Sie wurden möglich, weil Staatsmänner wie Bundeskanzler Helmut Kohl die geschichtliche Stunde erkannt haben. Und sie wurden möglich, weil wir uns in dieser Stunde einmal mehr auf den starken Partner und Freund verlassen konnten, der Deutschland und Europa nach den Schrecken zweier Weltkriege als entschiedener Verfechter der Freiheit dauerhaft verbunden sein sollte: auf die Vereinigten Staaten von Amerika. Deshalb ist es mir eine besondere Ehre und Freude, heute an genau diesem für unser Land so symbolträchtigen Ort, am Brandenburger Tor, den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Barack Obama, begrüßen zu können.

Lieber Herr Präsident, lieber Barack Obama, die Freundschaft, der Beistand und die Treue der Vereinigten Staaten von Amerika zu Deutschland – sie sind einzigartig, sie sind tief in unseren Herzen verankert. Unvergessen ist der Marshall-Plan, der im Westen Deutschlands gleichsam das Vorwort einer einzigartigen wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte war. Unvergessen sind die amerikanischen und alliierten Piloten, die 1948 und 1949 unter Einsatz ihres Lebens Berlin über eine Luftbrücke versorgt haben. Unvergessen ist John F. Kennedys Bekenntnis zu dieser Stadt; ebenfalls fast auf den Tag genau vor 50 Jahren. Unvergessen ist Ronald Reagans Appell – nur wenige Meter von hier entfernt – an den sowjetischen Staats- und Parteichef Gorbatschow, die Mauer einzureißen. Unvergessen ist die Unterstützung von George Bush senior bei der Wiedervereinigung unseres Landes.

Ja, Amerika hat einen überaus großen Anteil daran, dass sich das Brandenburger Tor vom Ort der Teilung zum Symbol von Einigkeit und Recht und Freiheit wandeln konnte. So war es dann auch nur folgerichtig, dass sich nur wenige Tage nach den schrecklichen Anschlägen des 11. September gerade auch an diesem Ort eine große Menschenmenge versammelte, um Amerika in der Stunde der Trauer und der Not beizustehen.

Es ist diese tiefe und unverbrüchliche Verbundenheit, auf die wir auch unsere gemeinsame Zukunft bauen. So entwickeln wir die transatlantische Freundschaft für das 21. Jahrhundert weiter. Gemeinsam suchen und finden wir Antworten auf unsere weltweiten außen- und sicherheitspolitischen Fragen. Gemeinsam ziehen wir notwendige Lehren aus der verheerenden Weltfinanzkrise 2008. Gemeinsam gründen wir mit der transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft die größte Freihandelszone der Welt, von der die Weltwirtschaft insgesamt profitieren wird.

Erst gestern noch haben wir uns im Kreise der führenden Wirtschaftsnationen der Welt mit den Herausforderungen beschäftigt, die uns alle bewegen. Ja, wir wollen die Globalisierung gestalten – aber nicht irgendwie, sondern auf dem Fundament unserer gemeinsamen Werte. Für mich steht außer Frage: Die transatlantische Partnerschaft ist auch im 21. Jahrhundert der Schlüssel zu Freiheit, Sicherheit und Wohlstand für alle. Auch im 21. Jahrhundert gibt es keine besseren Partner füreinander als Amerika und Europa.

Sehr geehrter Herr Präsident, lieber Barack, so heiße ich dich willkommen in dieser Stadt, willkommen am Brandenburger Tor. Ich heiße dich willkommen bei Freunden.

Mittwoch, 19. Juni 2013

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