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Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann anlässlich der 12. Verleihung des EMMA Journalistinnen-Preises

Redner:
Bernd Neumann
Gehalten:
Dienstag, 15. Mai 2012

In seiner Rede zur 12. Verleihung des EMMA Journalistinnen-Preises in Berlin begründet Staatsminister Bernd Neumann die Unterstützung der Preisverleihung und würdigt das Engagement von Alice Schwarzer.

- Es gilt das gesprochene Wort. -

Anrede,

als Alice Schwarzer mich im Oktober letzten Jahres anschrieb und bat, mein Haus möge das Sponsoring des EMMA-Journalistinnen-Preises 2012 übernehmen, habe ich – entgegen dem Votum meines Ressorts – sofort und spontan zugesagt. Bisher wurde dieser Preis ja wohl vom Frauenministerium Nordrhein-Westfalen finanziert. Frau Schwarzer meinte, eine Förderung auf Bundesebene und durch das Kulturressort wäre angemessener. Das finde ich auch! Aber man muss aufpassen, dass sich Nordrhein-Westfalen nicht vor allem drückt, denn schließlich hat ja Bundesministerin Kristina Schröder bereits die Förderung des FrauenMediaTurms in Köln übernommen. Schließlich sind in Nordrhein-Westfalen zwei Frauen an der Spitze der Landesregierung – das sollte besonders verpflichten!


Für mich sprachen zwei Gründe für ein finanzielles Engagement meines Ressorts und damit des Bundes: Zum Einen, die Initiatorin und zum anderen der Preis selbst.

Zur Initiatorin: Alice Schwarzer.
Ich nutze gern die Gelegenheit, ihr generelles Engagement zu würdigen. Sie, liebe Frau Schwarzer, haben sich auf dem Wege zur Gleichberechtigung von Frauen einzigartige und bleibende Verdienste erworben. Wir beide haben – wenn ich das so sagen darf – etwa zeitgleich unser Leben begonnen und es bis heute recht unterschiedlich gestaltet.

Gerade wenn ich an die politisch turbulenten 1960er und 70er Jahre denke und die gesellschaftspolitisch gegensätzlichen Schablonen, in denen wir uns befanden, muss ich heute rückblickend feststellen: Ohne das tatkräftige Engagement von Ihnen, liebe Frau Schwarzer, wären auch heute noch Frauen auf dem politischen Parkett exotische Ausnahmen, eine Frau im Kanzleramt wäre undenkbar, es gäbe keinen Girls‘Day, keine Frauen in der Bundeswehr – und, dass Frauen schlechter einparken können, wäre kein dümmlicher Mythos, sondern stünde in jedem Lexikon. Mit Alice Schwarzer wurde der Frauenbewegung eine Ikone beschert, die eine entscheidende, positive Bewusstseinsveränderung bewirkt hat – auch bei mir selbst.

In diesem Bereich gibt es bis heute keine Persönlichkeit mit vergleichbarer Strahlkraft und Deutungsmacht. Ich nutze die Gelegenheit hier heute Ihnen, liebe Frau Schwarzer, – auch im Namen der Bundesregierung – einmal herzlich Dankeschön zu sagen.

Aber, es gibt noch viel zu tun, denn die Zahlen, die jüngst die Initiative „Pro Quote“ veröffentlicht hat, sind beschämend – nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für den Journalismus. Von 360 Tages- und Wochenzeitungen werden nur 2% von Chefredakteurinnen geführt – 50% aller Volontärsstellen haben allerdings junge Journalistinnen inne. Von 12 Intendantensesseln im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind nur 3 mit Frauen besetzt. Das ist inakzeptabel! Dagegen kann sich ja selbst die Politik noch sehen lassen. In meinem Ressort (BKM) arbeiten im obersten Verantwortungsbereich immerhin fast 40% Frauen.

Der zweite Grund für mein Hiersein: Der Preis selbst!
Als Minister für Kultur, aber vor allem auch für Medien, finde ich, dass wir mehr Qualitätsjournalismus brauchen, und der Preis von EMMA soll ja gerade diejenigen Journalisten fördern und auszeichnen, die sich mit gesellschaftlichen Fragen kritisch auseinandersetzen – aber handwerklich professionell, d.h. informativ und kreativ bei sauberer Recherche.

In diesem Zusammenhang ist die Zeitschrift EMMA eine verlässliche Mitstreiterin – seit 35 Jahren – und ohne Alice Schwarzer wohl nicht denkbar. Und das hat mir besonders gefallen: EMMA ist nicht nur kämpferisch, sondern auch humorvoll, denn sonst würden darin kaum Männerwitze veröffentlicht – als ironische Antwort auf die sogenannten Blondinenwitze. Auf diese Weise erfuhr ich, dass „Männer in Salzsäure“ ein „gelöstes Problem“ sind.

Ich finde es auch gut, dass seit 2002 ein „Sonderpreis für Männer“ vergeben wird, was dazu führt, dass u.a. heute Dieter Bartetzko für einen eindrucksvollen und aufklärerischen Beitrag über die Lebenshintergründe von Caterina Valente ausgezeichnet wird.
Dann habe ich mit Schmunzeln den Artikel der 1. Preisträgerin Kerstin Kullmann gelesen, die über drei CDU-Ministerinnen im Bundeskabinett und deren Verhältnis zur Macht schreibt. Als Angehöriger dieser Runde kann ich sagen: sehr gut recherchiert und beobachtet. Ja, Frau Kullmann, eine Aussage in Ihrem Beitrag ist besonders bemerkenswert: „Die Frauen haben sich das Kabinett erobert, die Zeit der Breitbeinigen ist vorbei!“ Im eigenen Interesse setze ich dagegen: Nicht ganz und hoffentlich nicht endgültig! Aber immerhin von 16 Kabinettsmitgliedern insgesamt sind es 6 Frauen und dabei natürlich die Kanzlerin.

Meine Damen und Herren,
auch die ausgezeichneten Artikel der anderen Preisträgerinnen und Preisträger leisten wertvolle Beiträge zur Rolle der Frauen in unserer Gesellschaft und ihrer Emanzipation. Ihnen allen gratuliere ich sehr herzlich zum Journalistinnen-Preis der EMMA.

Mittwoch, 16. Mai 2012

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