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Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann anlässlich der Eröffnung des Archivs von Imre Kertész in der Akademie der Künste

Redner:
Bernd Neumann
Gehalten:
Donnerstag, 15. November 2012

"Die Manuskripte, Korrespondenzen und persönlichen Dokumente von Imre Kertész werden nun Teil des bedeutendsten interdisziplinären Archivs der Künste des 20. Jahrhunderts im deutschen Sprachraum", so Staatsminister Bernd Neumann in seiner Rede.

- Es gilt das gesprochene Wort. -

Anrede,
das Werk von Imre Kertész ist selbst für die an großer Kunst nicht armen Bestände der Akademie der Künste ein einzigartiger Zugewinn. Es ist das Werk eines ungarischen Kosmopoliten und Schriftstellers von Weltrang, Literaturnobelpreisträgers, Mitgliedes des Ordens Pour le Mérite und dieser Akademie sowie Träger vieler weiterer Preise und Auszeichnungen.

Imre Kertész hat als 15-Jähriger das Konzentrationslager überlebt. Dies hat seine Biographie und seine Arbeit geprägt und gezeichnet. Er ist Zeitzeuge und literarische Stimme gegen das Vergessen, ein Wort- und Welterfinder des Überlebens im Reich der Sprache.

Lieber Herr Kertész, es ist eine Geste des Vertrauens und der Versöhnung, dass Sie dieses Oeuvre auf Dauer einer Akademie in der Hauptstadt Deutschlands überlassen. Dafür möchte ich Ihnen auch im Namen der Bundesregierung sehr herzlich danken!

Meine Damen und Herren,
„Denke ich an einen neuen Roman, denke ich immer an Auschwitz“, hat Imre Kertész einmal gesagt. Er hat nie einen Zweifel daran gelassen, wie sehr er das Konzentrationslager und auch das Überleben selbst als Verwundung erfahren hat. Die Sprache, die er für diese Verwundung gefunden und geformt hat, ist wie ein Rettungsanker geworden.

Imre Kertész hat der Erfahrung des Schreckens und des Unaussprechlichen in seiner vielgerühmten „Tetralogie der Schicksallosigkeit“ eine besondere literarische Form gegeben. Sie gibt in ihrer Wahrhaftigkeit und Konsequenz den Opfern ihre Würde zurück und spendet Trost.

„Im schöpferischen Gelingen, wie dunkel der Stoff auch sein mag, liegt stets ein Element der Erhellung“, dies hat Daniel Kehlmann über seinen Kollegen gesagt. Das Entstehen dieses großartigen Werks wird nun hier im Archiv der Akademie der Künste anhand vieler Dokumente und Originalzeugnisse nachvollziehbar.

Meine Damen und Herren,
die Akademie der Künste mit ihren beiden Hauptstandorten – am Hanseatenweg und hier am Pariser Platz – ist im Jahre 2004 in die Obhut des Bundes übergegangen. Sie steht exemplarisch für das besondere kulturelle Engagement des Bundes in der Hauptstadt, die das Schaufenster der Kulturnation Deutschland ist.

Die Akademie der Künste ist eine Einrichtung von nationaler Bedeutung; ihr Mitgliederverzeichnis zeigt ein beeindruckendes Panorama an Namen aus der Welt der Künste.

Die Manuskripte, Korrespondenzen und persönlichen Dokumente von Imre Kertész werden nun Teil des bedeutendsten interdisziplinären Archivs der Künste des 20. Jahrhunderts im deutschen Sprachraum. Sie konnten mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder, der Friede Springer Stiftung und nicht zuletzt meines Hauses angekauft werden.

Ich möchte an dieser Stelle gerne daran erinnern, dass es zahlreiche ungarische Mitglieder der Akademie sind, die die Kultur in Deutschland ganz wesentlich bereichern. Neben Imre Kertész sind dies allen voran der ehemalige Akademie-Präsident György Konrád, Péter Esterházy, Péter Nádas, der verstorbene Ivan Nagel, István Szabó und Terézia Mora. Viele von ihnen erheben immer wieder die Stimme für die Freiheit von Kunst, Kultur und Literatur, wenn sie sie bedroht sehen – auch hier in Europa.

Es ist eine der Aufgaben der Akademie der Künste, dafür einzutreten, dass weltweit Autoren und Filmemacher, aber auch Journalisten und bildende Künstler, frei und ungehindert arbeiten und wirken dürfen. Ich denke hierbei an die eindrucksvolle Veranstaltung 2011 für Ai Weiwei hier in der Akademie.

Wir müssen Flagge zeigen, wenn die Freiheit der Kunst beschnitten und Demokratie und Menschenrechte mit Füßen getreten werden! Dazu ermahnt uns nicht zuletzt auch ein Werk wie das von Imre Kertész.

Lieber Herr Kertész, Ihr Werk hat nun im Archiv der Akademie der Künste ein dauerhaftes Domizil gefunden – ein Konvolut von herausragender literarischer, aber auch historischer Bedeutung.
Wir alle sind uns der Verantwortung und Verpflichtung bewusst, die aus diesem Werk erwachsen. Hierfür noch einmal ganz herzlichen Dank!

Donnerstag, 15. November 2012

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