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Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann anlässlich der Eröffnung des Erweiterungsbaus für das Museum Berggruen

Redner:
Bernd Neumann
Gehalten:
Freitag, 15. März 2013

In seiner Rede würdigte Staatsminister Bernd Neumann den Kunstsammler Heinz Berggruen. Dass er seine Kunstsammlung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz übereignet hatte, sei ein "herausragender Akt der Versöhnung" gewesen. Mit den neuen Ausstellungsflächen werde das Berggruen-Museum noch attraktiver.

- Es gilt das gesprochene Wort -

Anrede,

als Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Preußischer Kulturbesitz begrüße ich Sie zu diesem, für unsere Einrichtung wunderbaren Ereignis alle sehr herzlich. Heinz Berggruen, der Sammler, Journalist, Kunsthändler, Kosmopolit und Philantrop hat 1996 in einem Interview anlässlich der Eröffnung des Museums Berggruen gesagt: „Ich habe eigentlich immer in meiner eigenen Welt gelebt, wo immer ich war. Das war die Welt der Bilder, das war die Welt der Kunst. Die hat mich umgeben und beschützt.“

Wer Heinz Berggruen einmal in diesem, seinem Museum, erlebt hat, der versteht, was Berlins Ehrenbürger damals meinte. Noch immer ist etwas von der Aura dieser charismatischen Persönlichkeit in den Räumen zu spüren.

Es war und ist ein herausragender Akt der Versöhnung, dass Heinz Berggruen, der 1936 vor den nationalsozialistischen Verfolgungen aus diesem Land fliehen musste, mit seiner Sammlung nach Deutschland zurückkehrte und sie der Stiftung Preußischer Kulturbesitz übereignete. Die im Jahr 2000 vereinbarte Summe für die 167 Kunstwerke lag deutlich unter dem damaligen aktuellen Marktpreis.

Es wäre angesichts der heutigen Preise auf dem Kunstmarkt gänzlich undenkbar, solche hochkarätigen Werke mit Steuermitteln anzukaufen.

Deshalb war der Erwerb der Sammlung damals ein höchst erfolgreicher Vorgang. Ich freue mich deshalb, dass der zu dieser Zeit verantwortliche Kulturstaatsminister, Michael Naumann, heute anwesend ist und beglückwünsche ihn auch heute noch mal zu dieser Entscheidung. 

Wir sind Heinz Berggruen in Dankbarkeit und Respekt verbunden und wollen sein Vermächtnis weiter pflegen. Darum hat 2007 der Stiftungsrat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz unter meinem Vorsitz entschieden, das Museum Berggruen zu erweitern. Der Bund hat hierfür 7,6 Mio. Euro aufgebracht.

Das Land Berlin stellte dankenswerterweise die Liegenschaft des benachbarten historischen Kommandantenhauses kostenfrei zur Verfügung. Dafür meinen Dank auch an Sie, Herr Regierender Bürgermeister.

Mit den neuen Ausstellungsflächen wird das Museum Berggruen noch attraktiver. Es wird Platz für zusätzliche Leihgaben sowie für Wechsel- und Sonderausstellungen gewonnen, so dass das Haus lebendig und abwechslungsreich bleibt. Eine elegante, zurückhaltende Pergola verbindet nun den Stülerbau mit dem neuen Ausstellungsbereich. Ein Skulpturengarten auf der straßenabgewandten Hofseite erlaubt jetzt auch die Präsentation von Werken im Außenraum.

Ich bin überzeugt, dass Heinz Berggruen die Erweiterung seines Museums gefallen hätte! Er könnte sich auch von den neuen Räumen voller Kunst „umgeben und beschützt“ fühlen, denn sie vermitteln jene einzigartige Intimität, die auch den Stülerbau auszeichnet und die dem Betrachter die Kunst im wahrsten Sinne des Wortes nahe bringt.

Gerade die kleineren Formate und die detailgetreuen, verspielten Arbeiten profitieren ungemein von diesem fast privat anmutenden Ausstellungscharakter. Freuen wir uns also, dass auch mit diesen neuen Raumfolgen die Tradition im Geiste dieses großen Kunstfreundes weiterlebt.

Die Erweiterung ist aber auch Dank und Anerkennung dafür, dass Sie, lieber Olivier Berggruen, und Ihre Familie, die mäzenatische Tradition großzügig weiterführen und dem Museum weitere wertvolle Leihgaben zur Verfügung stellen – 95 sind es derzeit. Dafür danke ich Ihnen, der Sie gleich im Namen der Familie zu uns sprechen werden, sehr herzlich.

Meine Damen und Herren,
ich möchte den Anlass heute auch gerne nutzen, um das mäzenatische Engagement der Sammler und Stifter für die Staatlichen Museen zu Berlin insgesamt zu würdigen.

Wie wäre es um die Berliner Museen bestellt ohne die Großzügigkeit von Sammlern und Mäzenen wie Ihnen, lieber Erich Marx, und Sie, liebe Ulla Pietzsch. Ich begrüße Sie herzlich und danke Ihnen zugleich. Auch die Sammlungen Scharf-Gerstenberg, Flick und Marzona sind für die Museen – und damit für die gesamte Stiftung – ein ungeheurer Gewinn.

Alle diese Sammlungen schließen nicht zuletzt auch die schmerzlichen Lücken in den Beständen der Berliner Museen, die gerade im Bereich der Kunst der Moderne durch die nationalsozialistischen Säuberungsaktionen gerissen wurden.

Wir haben hier in Charlottenburg zwei schöne Museen für die Sammlungen Berggruen und Scharf-Gerstenberg. Doch es ist unbestreitbar, dass wir gerade im Hinblick auf die, auch durch Schenkungen von Werken der klassischen Moderne erweiterten Bestände der Neuen Nationalgalerie zu wenig Raum haben  Nur rund 30 Prozent der Kunstwerke der Moderne können gezeigt werden – und auch nur, weil im Mies-van-der-Rohe-Bau am Kulturforum derzeit keine großen Sonderausstellungen laufen. Gottseidank verhält es sich mit den Alten Meistern in der Gemäldegalerie günstiger.

Ich möchte an dieser Stelle nicht die Kontroverse über eine mögliche Neustrukturierung der Museumslandschaft der SPK aufleben lassen, die in der Vergangenheit auch zum Teil höchst unsachlich geführt wurde, zumal sie sich augenscheinlich in ruhigeres Fahrwasser begeben hat. Es spricht schon einiges für die von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz schon seit den 90er Jahren verfolgte Zielsetzung, am Rande der Museumsinsel einen Neubau zu errichten, der dann – in räumlicher Nähe zum Bode-Museum – eine zusammenhängende Präsentation der Gemälde bis zum 18. Jahrhundert und der Skulpturen ermöglichen könnte. In der Folge würde dann das Kulturforum ein Schwerpunkt der Moderne. Dennoch halte ich den Entschluss für richtig, in einer Variantenuntersuchung noch einmal sehr konkret und objektiv mögliche Standortalternativen prüfen zu lassen, um am Ende zu einer sachgerechten und tragfähigen Entscheidung zu kommen.

Die Entscheidung sollte in diesem Jahr fallen, um der Verwirklichung des Projektes eine zeitnahe Perspektive zu geben. Eines stehe jedoch für mich jetzt schon fest: Sollte ein Umzug der Gemäldegalerie in Frage kommen, wird dieser aber nur direkt in einen Neubau erfolgen – von einer Zwischenlösung halte ich gar nichts!

Meine Damen und Herren, noch einmal zum Schluss:

Hoher Respekt den großzügigen Mäzenen, die durch ihre Schenkungen oder langfristigen Leihgaben die Berliner Museumslandschaft bereichern: Sie haben einen bedeutenden Anteil an der Strahlkraft der Berliner Museen! Dem neuen Museum Berggruen wünsche ich viel Glück, Erfolg und zahlreiche Besucherinnen und Besucher.

Montag, 18. März 2013

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