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Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann anlässlich der Eröffnung des Neubaus des Folkwang-Museums

Redner:
Bernd Neumann
Quelle:
Museum Folkwang, Essen
Gehalten:
Donnerstag, 28. Januar 2010
Ort:
Museum Folkwang, Essen

Staatsminister Bernd Neumann betonte in seiner Rede, dass Museen nicht nur Orte der Kontemplation sind, sondern auch eine große politische, gesellschaftliche und eminent wirtschaftliche Bedeutung haben.

- Es gilt das gesprochene Wort. -

Anrede,

innerhalb von drei Wochen bin ich zum zweiten Mal in Essen, um den Neubau eines Museums zu eröffnen: am 9. Januar das Ruhrmuseum in der Zeche Zollverein, und heute das Folkwang Museum. Gerade in Zeiten einer Wirtschafts- und Finanzkrise, in denen auch die Kultur vor Einsparungen nicht sicher scheint, sind solche Termine absolute Höhepunkte. „Es ist, als ob hier eine andere Welt wäre.“ Dies sagte schon 1927 der Hamburger Museumsmann Max Sauerlandt angesichts des starken Rückhalts, den das damals seit  5 Jahren bestehende Folkwang Museum in der Stadt erfuhr.

Dem kann ich mich nur anschließen! Heute wie damals ist das Folkwang Museum jedoch nur durch mäzenatisches Wirken denkbar, ein herausragendes Beispiel für Public-private-Partnership, auch wenn man bei seiner Gründung den neudeutschen Begriff noch nicht kannte. 1922 schloss der Museumsverein, der die einmalige Folkwang-Sammlung von den Erben Karl Ernst Osthaus’ erstanden hatte, mit der Stadt einen Vertrag und übertrug ihr die Hälfte am Eigentum der Sammlung. Die Stadt verpflichtete sich im Gegenzug, für Bau, Unterhalt und Personal zu sorgen und zwar – ich zitiere – „in würdigen und geeigneten Räumen“ und ohne zeitliche Begrenzung.

Lieber Herr Professor Beitz, für die „würdigen und geeigneten Räume“ hat nun nicht die Stadt, sondern die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung mit einem Betrag von 55 Millionen Euro als alleinige Förderin gesorgt. Ohne Ihre großzügige Förderentscheidung vom Sommer 2006, gäbe es diesen wunderbaren neuen Museumsbau nicht. Ich sage von ganzem Herzen Danke – und dies auch im Namen der Bundeskanzlerin.

Dieses einmalige und bereits vor seiner Eröffnung höchst gelobte Gebäude wurde in der Rekordzeit von nur zwei Jahren realisiert.

Lieber Herr Chipperfield, vor gut drei Monaten haben wir gemeinsam das wunderbare Neue Museum auf der Museumsinsel in Berlin eröffnet. Welch‘ ein Unterscheid zwischen dem Folkwang Museum mit seiner Transparenz, Konzentration auf die Kunst und seine Öffnung in die Stadt und den mit so viel Respekt behandelten farbigen Räumen des Neuen Museums! Ich finde, gute Architektur, ein guter Architekt zeichnet sich durch Sensibilität und Anpassungsfähigkeit aus. Viele Architekten setzen heute allein auf die Wiedererkennbarkeit ihrer Handschrift. Das zeitigt manchmal geradezu brutale Ergebnisse, die nichts mehr mit dem Ort und seiner Geschichte und letztendlich auch mit den Menschen zu tun haben, für die ein Bau errichtet wird. Wie anders bei Ihnen!

Lieber Herr Chipperfield, danke für ihr wunderbares Wirken in Deutschland, vom Literaturmuseum der Moderne bis zum Folkwang Museum! Glückwunsch für den gelungenen Neubau hier in Essen! Das Museum Folkwang ist eines der wenigen Museen, das über eine aussagekräftige Sammlung amerikanischer Fotografie verfügt. Deshalb strebt Herr Direktor Fischer den Ankauf einer Fotoserie von Robert Frank mit dem Titel „From the Bus“ an, ein Schlüsselwerk des Künstlers und zukünftig vermutlich ein Highlight der fotografischen Sammlung des Folkwang Museums. Ich kann heute mitteilen, dass der Bund dem Wunsch von Herrn Fischer, sich am Ankauf zu beteiligen, entsprechen wird, sobald die anderen Finanzierungsbeteiligungen geklärt sind.

Der Stadt Essen und allen Besuchern des Folkwang Museums wurde mit dem Neubau ein großartiges Haus für die Kunst geschenkt. Privates Engagement in der Kultur ist allerdings nicht beliebig wiederholbar, und es darf auf keinen Fall dazu führen, dass sich die öffentliche Hand aus der Förderung zurückzieht. Das Land Nordrhein-Westfalen, lieber Ministerpräsident Rüttgers, geht in den letzen Jahren mit seiner Verdoppelung der Kulturfördermittel da ja mit gutem Beispiel voran. Herr Oberbürgermeister Paß, ich hoffe, nein ich bin mir sicher, dass Sie trotz der finanziellen Lage, in der sich die Kommunen derzeit befinden, dieses Juwel zu schätzen wissen und alles tun werden, damit es in der deutschen und internationalen Museumslandschaft sein Feuer entfalten kann. Museen sind ja nicht nur Orte der Kontemplation, sondern sie haben eine große politische, gesellschaftliche und – das darf man nicht vergessen – auch eine eminent wirtschaftliche Bedeutung.

Kultur ist das Fundament, das den Strukturwandel des Ruhrgebietes trägt. Dass das Motto der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 „Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel“ vom Gründer des Folkwang Museums, Karl Ernst Osthaus, stammt, ist aus meiner Sicht ein besonderes Zeichen für die kreative Kraft, die das Ruhrgebiet aus seiner Vergangenheit für die Gestaltung der Zukunft ziehen kann.

Herr Dr. Fischer, Frau Eskildsen, Ihnen und Ihrem Team wünsche ich auch in Zukunft eine glückliche Hand und zahlreiche interessierte Besucher in diesem wunderbaren Haus inmitten der europäischen Kulturhauptstadt.

Donnerstag, 28. Januar 2010

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