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Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann anlässlich der Feier zum 50-jährigen Bestehen des Arsenals – Institut für Film- Videokunst e. V.

Redner:
Bernd Neumann
Gehalten:
Dienstag, 4. Juni 2013

"Das Arsenal vereint Kino, Festival und Filmverleih und ist darüber hinaus ein internationaler Ort des lebendigen Austauschs für Kuratoren, Filmwissenschaftler, Filmemacher, Studenten und für jeden der eine Leidenschaft für Film hat.", so Staatsminister Bernd Neumann in seiner Rede.

- Es gilt das gesprochene Wort. -

Anrede,

Anrede,
ich begrüße sehr herzlich Gero Gandert, einen der Schöpfer und Initiatoren des Vereins “Freunde der Deutschen Kinemathek“. Ich freue mich, dass Erika und Ulrich Gregor heute Abend anwesend sind. Die beiden sind sozusagen ein Gründungspaar sowohl der Freunde der Deutschen Kinemathek als auch des 1970 gegründeten Kinos “Arsenal“, dem heutigen Namensgeber des Vereins.

Und mehr als das: Liebe Erika, lieber Ulrich Gregor, Sie haben uns das Filmesehen gelehrt – Filmbildung und Filmkritik in Deutschland wären ohne Sie nicht auf dem heutigen hohen Niveau.
30 Jahre lang hatten Sie die Verantwortung für das Internationale Forum des Jungen Films im Rahmen der Berlinale!

Diese wäre ohne Ihr langjähriges Wirken mit Sicherheit ein anderes Festival: Vielleicht weniger publikumsorientiert, weniger politisch, weniger weltoffen – und weniger erfolgreich. Ich möchte Ihnen an dieser Stelle für Ihr großes Lebenswerk danken, das ganz dem Film gewidmet ist, mit Leidenschaft und großem Sachverstand, mit Herzblut und scharfem Intellekt – vielen Dank!

Der Verein “Arsenal“ – Institut für Film und Videokunst e. V. kann auf stolze 50 Jahre zurückblicken. 50 Jahre, in denen der Verein stets in Bewegung war und in denen er seine einzigartige Struktur geschaffen hat.

Das Arsenal vereint Kino, Festival und Filmverleih und ist darüber hinaus ein internationaler Ort des lebendigen Austauschs für Kuratoren, Filmwissenschaftler, Filmemacher, Studenten und für jeden der eine Leidenschaft für Film hat.

Gegründet im März 1963 als “Freunde der Deutschen Kinemathek“, hatte der Verein zunächst das Ziel, die Filmbestände der Deutschen Kinemathek, die dieses Jahr ebenfalls ihr 50-jähriges Bestehen feiert, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Jahr 1970 war dann ein Meilenstein in der Geschichte des Arsenals. Endlich wurde das eigene Kino in der Welserstraße in Berlin Schöneberg eröffnet: Das Kino Arsenal, das dann im Jahr 2000 hierher an den Potsdamer Platz umgezogen ist.

Die Wahl des Namens “Arsenal“ bringt meines Erachtens das Wesen dieses Kinos auf den Punkt. Zum einen stammt der Name ab vom legendären Stummfilm von Aleksandr Dowschenko, der heute Abend ja in frisch digitalisierter Fassung gezeigt wird. Er erinnert damit natürlich zugleich an die einflussreiche Tradition russischer Filme der 1920er Jahre, die mit ihrem avantgardistischen Impetus filmästhetisch ganz neue Wege aufzeigten.

Zum anderen verdeutlicht der Name “Arsenal“ an sich die besondere Bedeutung dieses Vereins: Ein Depot, ein Arsenal voller kostbarer Schätze internationaler Film- und Videokunst. Kein Wunder also, dass der Verein während seiner Umstrukturierung im Jahre 2008 beschlossen hat, sich umzutaufen und nunmehr den Namen des Kinos zu tragen.

Von Anbeginn werden im Kino Arsenal nicht nur Filme gezeigt, sondern sie werden auch in ihren Zusammenhang gestellt, indem zum Beispiel moderierte Publikumsgespräche veranstaltet und besonderes Informationsmaterial herausgegeben wird. Bei den im Arsenal gezeigten und diskutierten Filmen handelt es sich um innovative Film- und Videokunst aus aller Welt. Im Laufe der Zeit konnte der Verein ein bemerkenswertes, internationales Netz aufbauen und verbindet somit die unterschiedlichsten Filmkulturen.

Dieses Netz entfaltet seine Wirkung insbesondere jedes Jahr bei der Berlinale mit dem “Internationalen Forum des Jungen Films“. Seit 2006 ergänzt das Forum Expanded das Ganze auf geschickte Weise.

Es wäre ein Trugschluss, wenn man denkt, das Arsenal sei lediglich ein Kino mit 2 Sälen. Das Arsenal hat ebenso ein Verleihprogramm insbesondere auch für Filme, die keinen kommerziellen Verleih finden können. Hier hat das künstlerisch experimentelle Filmschaffen an der Schnittstelle zur Bildenden Kunst eine besondere Chance. Dabei zeigt sich einmal mehr, wie sehr das Arsenal seiner Gründungsphilosophie treu geblieben ist.

Denn hier hat der Avantgardefilm ein Zuhause, wird das ästhetische Wagnis geschätzt und verehrt. Die Präsentation im eigenen Hause, auf Festivals, in Kunst- und Galerieräumen lädt jeden dazu ein, die Bedingungen des Kinos ständig neu zu erforschen.

Apropos “erforschen“. In den vergangen zwei Jahren initiierte und organisierte das Arsenal unter anderem das Forschungsprojekt “Living Archive“, das Geschichte und Gegenwart der Institution anhand einer zeitgenössischen Auseinandersetzung mit dem Arsenal-Archiv untersuchte. Rund 8.000 Titel umfasst seine Filmsammlung mittlerweile – und es ist typisch Arsenal, dass es zum Jubiläum diesen Schatz auf spektakuläre Weise hebt!

40 Kuratorinnen und Kuratoren haben sich im Rahmen von “Living Archive“ mit einem halben Jahrhundert internationaler Filmkunst jenseits des Mainstreams auseinandergesetzt – ein Projekt, das von der Kulturstiftung des Bundes, die aus meinem Etat finanziert wird, mit rund 200.000 Euro gefördert wurde.

Sie, liebe Frau Völckers, werden nachher noch ausführlicher auf dieses Projekt eingehen, dessen Ergebnisse ab heute im Rahmen des einmonatigen Jubiläumsfestivals gezeigt werden. Im Übrigen wurde Arsenal in den zurückliegenden Jahren mehrfach von der Kulturstiftung des Bundes in beträchtlicher Höhe gefördert. Dafür Ihnen, liebe Frau Völckers, herzlichen Dank.

Aufgrund der internationalen Bedeutung und des kulturellen Werts für die Bundeshauptstadt hat der BKM 2004 das Arsenal in die Bundesverantwortung übernommen. Seitdem erhält das Arsenal direkt eine jährliche Förderung von ca. 1,2 Millionen Euro und das Internationale Forum des Jungen Films ca. 1,2 Millionen Euro; beides von meinem Hause finanziert.

Es ist mir ein Anliegen hier und heute an dieser Stelle zu sagen, dass mir bewusst ist, was für ein Kleinod wir hier besitzen, welches es gilt, in seinem Schaffen zu unterstützen. Und – sollte es mal Probleme geben – werden wir sie im Sinne des Arsenals lösen.

In Zeiten von Wirtschafts- und Finanzkrisen ist es ganz wichtig darauf zu achten, dass die Kultur nicht unter die Räder kommt. Ich glaube ganz objektiv feststellen zu können, dass der Bund hierbei mit gutem Beispiel vorangeht.

Zur Kultur gehört zweifelsohne auch der Film. Ja, Filme gehören sogar zu den wichtigsten Kulturgütern unserer Zeit. Sie öffnen uns die Augen: für die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Sie dokumentieren das gesellschaftliche Leben und spiegeln die kulturelle Entwicklung wider. Sie dienen sowohl der Unterhaltung als auch der Information. Filme sind unzweifelhaft ein bedeutender Teil sowohl des nationalen als auch des internationalen Kulturerbes.

Das Arsenal trägt in Deutschland einen bedeutenden Beitrag dazu bei, dieses wertvolle Kulturgut der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Doch nicht nur das – das Arsenal ermöglicht zudem, dass Filme kritisch betrachtet, neu entdeckt und erforscht werden – und das nicht nur in Berlin, nicht nur deutschlandweit, sondern international.

Hierfür gilt Dank dem Vorstand des Vereins sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – für Ihre engagierte Arbeit, für Ihren unglaublich motivierten Einsatz und für Ihre leidenschaftliche Hingabe zum Film. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Arsenal!

Mittwoch, 5. Juni 2013

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