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Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann anlässlich der Maecenas-Ehrung des Arbeitskreises selbständiger Kultur-Institute von Karin und Uwe Hollweg

Redner:
Bernd Neumann
Gehalten:
Sonntag, 13. November 2011
Ort:
Rathaus Bremen

Staatsminister Bernd Neumann ging in seiner Rede auf die Arbeit des AsKI und das Wirken des Ehepaars Hollweg ein und würdigte den Wert des Ehrenamts und des bürgerschaftlichen Einsatzes in unserer Gesellschaft.

-  Es gilt das gesprochene Wort. -

Anrede,

ich habe sehr gern zugesagt, heute anlässlich der Maecenas-Ehrung für Karin und Uwe Hollweg zu sprechen. Zum einen, weil es zu Hause in Bremen stattfindet, zum anderen, weil es sich um eine bedeutende nationale Auszeichnung handelt, die von meinem Ressort unterstützt wird, aber insbesondere, weil ich den Hollwegs seit Jahrzehnten eng verbunden bin.

Mit Uwe Hollweg verbindet mich – das brauche ich hier in Bremen ja kaum eigens zu unterstreichen – eine lange politische und vor allem auch freundschaftliche Wegstrecke. Ich bin ihm 1979 als Landesvorsitzender der CDU nachgefolgt – er hat sozusagen den Weg für mich geebnet – und gemeinsam haben wir über Jahrzehnte zusammen in Bremen und für Bremen gewirkt.

Angesichts der herausragenden Bedeutung des kulturellen Wirkens von Karin und Uwe Hollweg ist eine national angesehene Würdigung wie die Maecenas-Ehrung aus meiner Sicht längst überfällig! Seit 1989 zeichnet der Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute – kurz: AsKI – Persönlichkeiten aus, die sich mit ihrem privaten Engagement um die Förderung von Kunst und Kultur in Deutschland besonders verdient gemacht haben.

Die bisher Geehrten bilden einen wahrhaft illustren Kreis von Förderern und Stiftern, die die kulturelle Landschaft unseres Landes ganz entscheidend – und bleibend – geprägt haben: Neben Arend Oetker finden sich Alfred C. Toepfer, Henri Nannen, Anette und Udo Brandhorst und nun auch die Hollwegs – ich finde, das ist eine angemessene Gesellschaft! 

Auch der AsKI ist ein handverlesener Kreis von 35 deutschen Kunst- und Kultureinrichtungen. Die Mitgliedschaft erhält man nicht über das Ausfüllen eines Antragsformulars. Sie wird verliehen, wenn eine interessierte Einrichtung die Kriterien erfüllt und von der Mitgliederversammlung des AsKI für würdig befunden wird.

Alle Mitgliedsinstitute können sich selbst auf die eine oder andere Weise auf private Initiative zurückführen – darunter Leuchttürme unserer Kulturnation wie die Deutsche Schillergesellschaft in Marbach, das Städel Museum in Frankfurt und die Franckeschen Stiftungen in Halle, oder hier in Bremen die Kunsthalle und das Gerhard-Marcks-Haus.

Der Bund fördert den AsKI seit seiner Gründung 1967 institutionell, das heißt dauerhaft und verlässlich – auch dies ist ein Zeichen dafür, wie sehr die Bundesregierung die Bedeutung privaten Engagements für Kunst und Kultur anerkennt.

Mit dem Maecenas Preis will der AsKI einmal im Jahr ein Zeichen für diejenigen setzen, die sich persönlich dafür verantwortlich fühlen, ein Stück des ihnen widerfahrenen Glücks und Erfolgs an die Gesellschaft zurückzugeben. Auf dem Bürgersinn von Förderern, Stiftern und Mäzenen wie Karin und Uwe Hollweg baut unser Gemeinwesen auf – wir können dafür nicht dankbar genug sein!

Meine Damen und Herren,
vom antiken Maecenas ist bekannt, dass er nicht nur manchen Dichtern ein wahrhaft fürstliches Auskommen sicherte, sondern auch, dass er von genau diesen Dichtern – darunter Größen wie Horaz und Vergil – gerne auch elegante Lobdichtungen entgegen nahm.

Meine Damen und Herren, nichts liegt nun Karin und Uwe Hollweg ferner als das! Ich kenne keinen, der wie die Hollwegs so viel für die Gesellschaft tut und so wenig Aufhebens davon macht! Angesichts des ungeheuren Spektrums der mäzenatischen Tätigkeit der Hollwegs kann man wohl nur feststellen: Hier wollen zwei Menschen Gutes tun – in aller Bescheidenheit und Aufrichtigkeit.

Ich weiß, lieber Hennig Scherf, dass Sie die Laudatio halten werden, aber auch ich muss als Kulturstaatsminister wenigstens kurz auf die großen Verdienste der Hollwegs eingehen, aber nur im Kontext von Projekten, die wir gemeinsam unterstützt haben!

Es ist nämlich so, dass mich manches Mal eine Förderung der Hollwegs dazu bewogen hat, auch Geld des Bundes locker zu machen. Ich will nur einige Beispiele nennen und fange einmal mit dem aktuellsten an.

Vor wenigen Monaten haben wir die Kunsthalle nach Sanierung und Erweiterung wieder eröffnet. 10 Millionen an Bundesmitteln konnten wir dafür geben. Und das wäre – unbeschadet des unbestrittenen Renommees der Sammlung und der Qualität der Ausstellungen – ohne den vorbildlichen bürgerschaftlichen Einsatz des Bremer Kunstvereins als Träger der Kunsthalle in Berlin nicht durchsetzbar gewesen. Über 7.000 Bürger sorgen dafür, dass einer der ältesten Kunstvereine Deutschlands auch einer der lebendigsten und bedeutendsten ist.

Bei der Kunsthalle hat die Karin und Uwe Hollweg-Stiftung mit ihrer Förderung die Initialzündung gegeben, ohne diese hätte der Bund sich nicht engagiert und die Sanierung mit dem wunderbar gelungenen Erweiterungsbau wäre dann nicht erfolgt. Auch die Deutsche Kammerphilharmonie passt in diese Kategorie und dass sie heute hier spielt, ist sicher als ein Zeichen der Dankbarkeit gegenüber den Hollwegs zu sehen.


Wir haben hier in Bremen mit der Deutschen Kammerphilharmonie ein deutschlandweit einzigartiges Orchester. Da der Bund den so genannten „laufenden Betrieb“ von Orchestern und Theatern nicht fördern kann – das ist und bleibt Sache der Länder und Kommunen – war es mir eine Freude, die Bildungsangebote der Deutschen Kammerphilharmonie – von Faust in Tenever bis „Afrika kommt“ – mit Bundesmitteln zu unterstützen.

Die documenta, die mein Haus wesentlich finanziert über die Kulturstiftung des Bundes, ist die größte Schau zeitgenössischer Kunst, auf die die Welt alle fünf Jahre mit Spannung schaut. Sie wird seit langem von den Hollwegs gefördert – und ich denke, das haben wir vor allem der Künstlerin Karin Hollweg zu verdanken, die als erfolgreiche Künstlerin ohnehin die künstlerische Triebfeder in der Stiftung ist und einen besonderen Zugang zur zeitgenössischen Kunst hat!

Gerne nutze ich heute die Gelegenheit, Karin und Uwe Hollweg  auch für ihre großzügige Unterstützung der Stipendiatenstätte Casa di Goethe in Rom zu danken. Dadurch können wir einen der besonderen deutschen Kulturorte in Italien besser ausstatten, ein Aushängeschild unseres Landes und ein inspirierender Platz für Kreativität und Kultur – vielen herzlichen Dank!

Meine Damen und Herren,
obwohl die Kulturfinanzierung in Deutschland nach wie vor – im Unterschied etwa zu den USA – zu 90% durch die öffentliche Hand getragen wird, darf dies nicht darüber hinweg täuschen, dass es eine Vielzahl von Projekten gibt, seien es Baumaßnahmen, Ausstellungen, Erwerbungen oder Künstlerstipendien, die ohne den Zufluss privater Mittel nicht zu verwirklichen wären.

Bremen hat eine große Tradition bürgerschaftlichen Engagements, und es ist ein gutes Zeichen für unser Gemeinwesen, dass das heute auf so breiter Basis fortlebt. Die Bremer Stiftungstradition reicht bis in das Mittelalter zurück – ich denke da nur an die Stiftung „Haus Seefahrt“ von 1545.

Derzeit gibt es im Land Bremen etwa 300 Stiftungen, und einige von Ihnen haben auch den Stiftungszweck der Kunst- und Kulturförderung. Bremen gehört in Deutschland zu den Städten mit den meisten Stiftungen.

Es sind die großen Mäzene wie Karin und Uwe Hollweg, die diese Tradition weitertragen- aber nicht nur. Rund ein Drittel aller Bremer sind ehrenamtlich aktiv – damit sind sie Spitze bei den Stadtstaaten! Der Bund möchte die Ehrenamtlichkeit und das Mäzenatentum weiter stärken, darum haben wir vor einiger Zeit für bessere Abzugsmöglichkeiten von Spenden und die Steuerfreiheit von Nebentätigkeiten wie beispielsweise die Leitung von Laienchören gesorgt.

Ich werde mich auch in Zukunft dafür stark machen, dass der Wert des Ehrenamts und des bürgerschaftlichen Einsatzes in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert genießt. Denn: Wer stiftet, der stiftet auch andere an, Gutes zu tun und Verantwortung zu übernehmen.


Wer – wie die Hollwegs – eine Stiftung gründet, der meint es ernst mit seinem Engagement, und das meist über Generationen hinweg. Ohne Sie, die Sammler und Mäzene, gäbe es vieles nicht, was wir in ganz Deutschland als Teil unserer Kultur schätzen. Ohne die Tätigkeit der Hollweg-Stiftung wäre die Kultur in unserer Stadt ein deutliches Stück ärmer.

Liebe Karin, lieber Uwe, ich danke Euch für Euer außerordentliches kulturelles Engagement und wünsche Euch weiterhin eine glückliche Hand und viel Freude mit der Stiftung und den Projekten.

Sonntag, 13. November 2011

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