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Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann anlässlich des Baubeginns des Dokumentationszentrums der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung

Redner:
Bernd Neumann
Gehalten:
Dienstag, 11. Juni 2013

"Mit dem Baubeginn hier im Deutschlandhaus erreichen wir einen unverrückbaren Meilenstein auf dem Weg, die menschlichen Schicksale von Flucht und Vertreibung zu dokumentieren, deren Ursachen zu nennen und zur Versöhnung beizutragen," so Staatsminister Bernd Neumann in seiner Rede.

- Es gilt das gesprochene Wort. -

Anrede,

als Vorsitzender der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung begrüße ich Sie alle herzlich. Heute ist ein wichtiger Tag für die Erinnerungskultur in Deutschland. Mit dem Baubeginn für das Ausstellungs-, Dokumentations- und Informationszentrum der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung hier im Deutschlandhaus erreichen wir einen unverrückbaren Meilenstein auf dem Weg, die menschlichen Schicksale von Flucht und Vertreibung zu dokumentieren, deren Ursachen zu nennen und zur Versöhnung beizutragen.

Ihre Anwesenheit, verehrte Frau Bundeskanzlerin, liebe Frau Dr. Merkel, unterstreicht die Bedeutung dieses Tages – ich danke Ihnen für Ihr Kommen und begrüße Sie besonders herzlich! Nach dem sich gleich anschließenden Film freuen wir uns auf Ihre Rede. Danach werden wir gemeinsam mit Ihnen die Open-Air-Ausstellung über das geplante Dokumentationszentrum eröffnen.

Meine Damen und Herren,
die Initiative für dieses Dokumentationszentrum zu Flucht und Vertreibung geht auf zwei Personen zurück, die ich gleich zu Beginn in besonderem nennen möchte: Es ist zum einen der 2005 verstorbene ehemalige Bundestagsabgeordnete Peter Glotz. Ich freue mich, dass heute seine Frau bei uns ist. Liebe Frau Walch-Glotz, ich begrüße Sie sehr herzlich in unserer Mitte!

Und es ist zum anderen Erika Steinbach zu nennen, die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen. Liebe Erika, ich heiße auch Dich heute an diesem besonderen Tag herzlich willkommen.

Meine Damen und Herren,
die Bundesregierung hat im März 2008 die Gründung einer Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung und den Bau eines Dokumentationszentrums in Berlin beschlossen.

Damit soll im Geiste der Versöhnung die Erinnerung und das Gedenken an Flucht und Vertreibung im 20. Jahrhundert im historischen Kontext des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Expansions- und Vernichtungspolitik und ihrer Folgen wachgehalten werden.

Mir ging es von Anfang an und immer darum, dass die Konzeption für die Dokumentationsstätte von einem breiten gesellschaftlichen Konsens getragen wird. Darüber hinaus war es Ziel, dass dieses Projekt von unseren osteuropäischen Nachbarn – insbesondere von den Polen – nicht als Provokation, sondern als Beitrag zur Aussöhnung und zum Brückenbau in Europa angesehen wird.

Und natürlich wollte ich, dass die Vertriebenen und ihre Landsmannschaften sich in dieser Einrichtung wiederfinden. Zu Anfang schien es, als käme die Erreichung dieser Ziele einer Quadratur des Kreises gleich. Heute darf ich sagen, es ist gelungen.

Aber es war ein schwieriger und durchaus dornenreicher Weg dahin – von einer ersten konzeptionellen Idee 2007, über die Verabschiedung des Stiftungsgesetzes im Jahr 2008 und seine Novellierung 2010 bis hin zur Bildung der Gremien, also des Stiftungsrats und des international besetzten Wissenschaftlichen Beraterkreises.

Ich freue mich, dass heute zahlreiche Vertreter beider Gremien hier anwesend sind. Ich bedanke mich für Ihre Mitarbeit, für Ihr Engagement, für die Emotionen, aber immer auch den Willen zum Konsens. Die einstimmige Verabschiedung der Stiftungskonzeption und der Leitlinien für die künftige Dauerausstellung im Sommer 2012 durch den Stiftungsrat und den Wissenschaftlichen Beraterkreis ist das stolze Ergebnis unserer gemeinsamen Arbeit. Sie wurden im August 2012 in fünf Sprachen veröffentlicht und fanden eine überwiegend positive Aufnahme im In- und Ausland.

Mit dem heutigen Tag ist die Arbeit nicht getan, sondern geht im gewissen Sinne noch einmal richtig los, was die konkrete Ausgestaltung der künftigen Dauerausstellung angeht. Dafür wünsche ich insbesondere dem Stiftungsdirektor, Ihnen, lieber Herr Professor Kittel, und Ihren Mitarbeitern viel Erfolg!

Im November 2011 fiel die Wettbewerbsentscheidung für das österreichische Architektenbüro der Brüder Stefan und Bernhard Marte – die ich beide heute gern begrüße. Deren Entwurf werden Sie, meine Damen und Herren, gleich im Film näher erläutert sehen. Der neue, zeitgemäße Bau wird die Berliner Museums- und Gedenklandschaft deutlich bereichern.

Und mit dem Einverständnis des Bauherrn, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben – lieber Jürgen Gehb, ich begrüße Dich herzlich – wird es jetzt bald mit der Ruhe auf den Fluren des Deutschlandhauses zu Ende sein, weil die aktiven Baumaßnahmen beginnen.

Meine Damen und Herren,
lassen Sie mich zum Abschluss noch eine persönliche Bemerkung machen. Ich gehöre auch zur Erlebnisgeneration von Flucht und Vertreibung der Deutschen und musste als Kind mit meinen Eltern unsere Heimatstadt Elbing in Westpreußen verlassen. Deshalb ist dies heute auch für mich ein besonderer Augenblick.

Ich kann aus eigenem Erleben ermessen, wie lange dieses im wahrsten Sinne des Wortes einschneidende Erlebnis von Flucht und Vertreibung nachwirkt und ein Leben prägen kann.
Flucht und Vertreibung der Deutschen bilden einen Hauptakzent der Stiftungsarbeit wie auch in der Dauerausstellung.

Das persönliche Erleben ist jedoch nur eine Seite der Medaille. Die andere ist die wissenschaftliche Dokumentation, und der fühlt sich die Stiftung Flucht, Vertreibung und Versöhnung ebenso verpflichtet wie der exemplarischen Würdigung einzelner Biographien. Das Geschehen wird in der Darstellung eingebettet in den Zusammenhang des von Nazi-Deutschland entfesselten Zweiten Weltkrieges und seinen schrecklichen Folgen.

Ich wünsche nun unserem ambitionierten Projekt eine zügige Realisierung, bei der Zeit- und Kostenplan eingehalten werden und dem Direktor und seinem Team allzeit kluges und besonnenes Vorgehen.

Dienstag, 11. Juni 2013

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