Navigation und Service

Inhalt

Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann anlässlich des Festakts zum 150. Jahrestag der Unterzeichnung des Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrages zwischen Preußen und Japan

Redner:
Bernd Neumann
Gehalten:
Montag, 24. Januar 2011
Ort:
National Art Center Tokyo

Im National Art Center Tokyo ging Staatsminister Bernd Neumann in seiner Rede insbesondere auf die deutsch-japanischen Beziehungen im Bereich der Kultur ein und unterstrich, dass nach dem Zweiten Weltkrieg eine Wertepartnerschaft entstand, die mehr erreichen ließ, als es für Deutschland oder Japan alleine möglich gewesen wäre.

- Es gilt das gesprochene Wort. -

Anrede,

ich empfinde es als hohe Ehre, in Gegenwart Ihrer Kaiserlichen Hoheit die Bundesregierung bei diesem bedeutenden Jubiläum der deutsch-japanischen Beziehungen hier in Tokyo zu vertreten und Ihnen die Grüße von Bundeskanzlerin Merkel zu übermitteln.

Bereits in der vorigen Woche hat der Präsident der Bundesrepublik Deutschland Christian Wulff die deutsch-japanischen Beziehungen in einer sehr eindrucksvollen Veranstaltung in der Residenz des japanischen Botschafters in Berlin gewürdigt. Das war eine gelungene Einstimmung auf dieses historische Jubiläum, das wir heute begehen!

Genau heute vor 150 Jahren wurde der preußisch-japanische Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag hier in Tokyo unterzeichnet. Ich freue mich sehr, dass viele der Nachkommen der damals maßgeblichen Persönlichkeiten heute anwesend sind.

Damals – vor 150 Jahren – ging es darum, die Zusammenarbeit von Handel und Schifffahrt zu intensivieren, von einer Kooperation in Kultur und Wissenschaft war noch nicht die Rede. Mittlerweile hat sich aber auch in diesen Bereichen eine enge Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Ländern entwickelt – und das ist wichtig. Denn man lernt ein Land und seine Seele erst kennen und verstehen, wenn man über seine Kultur und Geschichte Bescheid weiß. In der Kultur findet sich die Identität einer Gesellschaft wieder.

Und vielleicht ist es deshalb ganz gut, wenn heute der deutsche Kulturminister zu Ihnen spricht. Herr Botschafter Dr. Stanzel hat das Grußwort des deutschen Bundespräsidenten übermittelt, bei dem die generellen Themen der japanisch-deutschen Zusammenarbeit angesprochen wurden. Deshalb möchte ich mich auf unsere Beziehungen im Bereich der Kultur konzentrieren.

Und gerade auf kulturellem Gebiet haben Japan und Deutschland sich stets viel und ganz hervorragendes zu geben gewusst! Japan hat die Kultur Deutschlands, ja ganz Europas mitgeprägt. Das gilt sowohl für die Alltagskultur wie auch für die schönen Künste. Viele Ausstellungen in beiden Ländern erinnern in diesem Freundschaftsjahr daran.

Sozusagen „nebenan“, im Suntory-Museum kann in der Ausstellung „300 Jahre Meißen“ nachvollzogen werden, welchen Enthusiasmus und welche Vorbildwirkung Japans unübertroffene Meisterschaft in der Porzellangestaltung in Europa auslöste.

Auch die großen Leistungen der europäischen Malerei und angewandten Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts sind kaum denkbar ohne die Inspiration durch Japans reiche Tradition. Van Goghs Maltechnik ist ebenso von Japan inspiriert wie der Jugendstil. Große Verehrung genoss und genießt dabei nach wie vor Hokusai. Ich freue mich, hier ankündigen zu können, dass ab dem Sommer dieses Jahres in Berlin eine umfassende Schau seiner bewundernswerten Werke zu sehen sein wird.

Ebenfalls durch mein Ministerium gefördert wird eine Ausstellung der Gewänder für das Nô-Theater im Berliner Museum für Asiatische Kunst, die einen Blick auf die prachtvolle Tradition japanischer Stoffkunst ermöglicht. Ab Oktober 2011 wird in Deutschland eine kulturhistorische Ausstellung zu den deutsch-japanischen Beziehungen gezeigt, die uns auch mit dem Alltag im Land der aufgehenden Sonne bekannt macht!

Und denken wir nur an die klassische Musik! Alle großen deutschen Orchester spielen in Japan regelmäßig vor vollen Häusern – und in allen sind japanische Künstler tätig, die in Deutschland Musik studiert haben. Von der Faszination, die die Musik des größten deutschen Komponisten Beethoven zum Beispiel mit seiner 9. Symphonie in Japan auslöst, möchte ich gar nicht reden.

In einem Gespräch sagte mir der Japanische Botschafter in Berlin, wie stolz er darauf sei, dass der erste Konzertmeister der Berliner Philharmoniker ein Japaner ist – und das nun schon zum zweiten Mal in Folge! Ein Konzertmeister sorgt nicht nur künstlerisch für Gleichklang, sondern auch für ein harmonisches Miteinander innerhalb des Klangkörpers. Dass diese Kommunikation so hervorragend klappt, ist auch ein Beweis dafür, wie gut wir einander kennen!

Ein besonders schönes Symbol der deutsch-japanischen Freundschaft ist für mich der Ginkgo-Baum, den jeder in Deutschland sofort mit der bedeutenden Kulturepoche Weimarer Klassik und unserem großen Nationaldichter, Johann Wolfgang von Goethe, verbindet. Es war der deutsche Naturforscher Engelbert Kaempfer, der im 17. Jahrhundert zum ersten Mal den Ginkgo botanisch beschrieb, der in Japan als Tempelbaum kultiviert wurde. So wurde der Ginkgo auch in Deutschland überaus beliebt und steht heute bei uns für eine wichtige Phase unserer Kultur.

Meine Damen und Herren,
die deutsch-japanischen Beziehungen erfreuen sich hoher Stabilität und Intensität. Doch auch für gute Beziehungen muss man immer wieder etwas tun. Hier heißt es, bei der jungen Generation anzusetzen. Da ich selbst ein großer Freund des Fußballs bin, freut es mich natürlich, dass insbesondere Fußballstars wie Oliver Kahn oder KAGAWA von Borussia Dortmund und andere japanische Bundesliga-Profis in Japan und Deutschland so bekannt und beliebt sind. Und auch im Bereich der Popmusik gibt es ein lebhaftes Interesse füreinander.

Japanische Popmusik hat in Deutschland viele Fans, und das erste Konzert von „Tokio Hotel“, einer bekannten deutschen Band, im Dezember letzen Jahres in Tokyo hat gezeigt, dass auch deutsche Popmusik in Japan Erfolg hat.

Meine Damen und Herren,
im Vertrag von 1861 heißt es: „Es soll ewiger Friede und beständige Freundschaft bestehen“. Aus heutiger Sicht möchte ich mit Dankbarkeit sagen, die Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern kann besser nicht sein.

Die katastrophalen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs und die gesellschaftliche Auseinandersetzung damit haben in beiden Ländern die Überzeugung wachsen lassen, dass allein Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die Achtung der Menschenrechte Grundlage unserer Gesellschaften sein können. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand so eine Wertepartnerschaft, die es uns ermöglicht, in globalen politischen Fragen gemeinsam mehr zu erreichen, als es für Deutschland oder Japan alleine möglich wäre.

Wenn es darüber hinaus auch in Zukunft gelingt, das Interesse der jungen Generation für unsere beiden Länder und ihre Kultur zu wecken, brauchen wir uns um die Zukunft der deutsch-japanischen Beziehungen keine Sorgen zu machen.

Montag, 24. Januar 2011

Seitenübersicht

Beiträge