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Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann anlässlich des Festakts zum 25-jährigen Bestehen des Deutschen Historischen Museums

Redner:
Bernd Neumann
Gehalten:
Dienstag, 23. Oktober 2012

In seiner Rede ging Kulturstaatsminister Bernd Neumann auf die Entstehungsgeschichte des Museums ein und nannte es ein Meisterstück in der deutschen Museumslandschaft mit internationalem Vorbildcharakter.

- Es gilt das gesprochene Wort. -

Anrede,

ich begrüße Sie herzlich zur Feier des 25-jährigen Bestehens des Deutschen Historischen Museums hier im historischen Schlüterhof.

Gegründet wurde das Museum am 28. Oktober 1987 anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt Berlin „als Geburtstagsgeschenk“ des Bundes. Kurz danach begann das DHM mit dem Sammlungsaufbau. Ursprünglich sollte der Spreebogen in der Nähe des Reichstages der Museumsstandort werden. 1989 veränderte der Fall der Mauer aber die Planungen.

Mit dem Tag der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 übertrug die Bundesregierung dem DHM Sammlung und Grundstück des damaligen Museums für Deutsche Geschichte, das bereits im September 1990 von der letzten DDR-Regierung dem Direktor des DHM unterstellt worden war.

So wurde das barocke Zeughaus von 1695 – das älteste Gebäude Unter den Linden – der Sitz des Deutschen Historischen Museums. Im September 1991 präsentierte das DHM die ersten Ausstellungen im Zeughaus.

Im Juni 2006 eröffneten wir dann – gemeinsam mit Ihnen, verehrte Frau Bundeskanzlerin, – die neue Ständige Ausstellung des DHM im Zeughaus, sie zeigt auf 8.000 Quadratmetern Geschichtszeugnisse vom 1. Jahrhundert vor Christus bis heute.

Ich selbst bin von 1987 bis heute nicht nur Zeitzeuge der 25-jährigen Geschichte des DHM, sondern habe seine Entwicklung von Anfang an bis heute ein wenig mitverantworten können: ab 1987 als Berichterstatter für Kultur im Innenausschuss des Deutschen Bundestages und in den letzten 7 Jahren als zuständiger Kulturstaatsminister.

Ich erinnere mich noch sehr gut an unsere ersten Gespräche, lieber Herr Stölzl, Ende der 80er Jahre und auch an die ein oder andere Frage von Bundeskanzler Helmut Kohl wie zum Beispiel: „Wie weit seid Ihr denn?“ Ihm lag als Historiker eine positive Entwicklung unserer beiden Geschichtsmuseen (DHM und Haus der Geschichte in Bonn) sehr am Herzen.

Helmut Kohl gebührt auch heute Dank, dass er, der Initiator – wider alle Zweifel, Verdächtigungen, ja Anfeindungen auch aus der Historikerzunft – an dem großen Vorhaben eines nationalen Geschichtsmuseums festgehalten hat.

Bei seiner Gründung war das Deutsche Historische Museum ein kühnes und zugleich umstrittenes Projekt. Es gab kein Gebäude, keine Sammlungen und keine Vorbilder. Aber es gab den politischen Willen, ein Novum zu schaffen: Ein deutsches National- und Geschichtsmuseum modernen Typs mit europäischem Ansatz.

Meine Damen und Herren,
das Deutsche Historische Museum hat mit seiner Präsentation von 2000 Jahren deutscher Geschichte etwas erreicht, was in der Kultur, ebenso wie in der Politik, nur selten der Fall ist: Fachwelt wie Laien sind gleichermaßen überzeugt! Mittlerweile haben fast zwölf Millionen Interessierte das Museum besucht.

Jeder dritte kommt aus dem Ausland und nimmt prägende Eindrücke von hier mit. Das DHM ist somit die „historische Visitenkarte“ unseres Landes. Es ist ein Meisterstück in der deutschen Museumslandschaft und hat auch international Vorbildcharakter.

In zahlreichen Ländern wurden in den vergangenen Jahren ähnliche nationale Geschichtsmuseen gegründet. Lediglich Frankreich hat jüngst die Planungen für ein „Maison de l’Histoire“ gestrichen und damit ein für die nationale Identität wichtiges Projekt beerdigt.

Aus den Kritikern von einst sind mittlerweile Befürworter und Freunde des Deutschen Historischen Museums geworden – und das ist natürlich in erster Linie der hervorragenden Arbeit der Direktoren und ihrer Teams zu verdanken.

Lieber Herr Stölzl, lieber Herr Ottomeyer, Sie haben in der Gründungsphase beziehungsweise mit der Einrichtung der Ständigen Ausstellung, Wegweisendes geleistet – dafür danken wir Ihnen!
Herr Professor Koch hat als neuer Direktor Glück, dass er ein wirklich gut bestelltes Haus übernommen hat – aber die Messlatte liegt auch hoch! Ich bin überzeugt davon, dass er sie mit seiner Kompetenz als Wissenschaftler wie auch mit seiner Erfahrung als innovativer und ideenreicher Ausstellungsmacher erreichen wird.

Mein Dank gilt auch dem Vorsitzenden des rührigen und engagierten Museumsvereins, Herrn Professor Dieter Stolte, den ich ebenfalls herzlich begrüße.
Eine Sachverständigenkommission hat das Museum bis 2009 begleitet.

Ich nenne nur deren Vorsitzenden, den ehemaligen Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Herrn Professor Werner Knopp. Lieber Herr Knopp, Sie standen von Anfang an für die wissenschaftliche Fundiertheit des Konzepts. Seitdem begleitet ein Wissenschaftlicher Beirat die inhaltliche Arbeit des DHM, dem achtzehn hochrangige Experten angehören.

Ich begrüße dessen Vorsitzenden, Herrn Professor Horst Möller, und sage ihm wie auch Professor Knopp für ihren ehrenamtlichen Einsatz einen besonderen Dank.

Obwohl das DHM mit jährlich über 19 Mio. Euro allein vom Bund finanziert wird, spiegelt sich im Kuratorium – dem Aufsichtsgremium – die föderale Struktur unseres Landes wider.

Vertreter des Deutschen Bundestages, des Bundes und der Länder tragen – bei paritätischer Zusammensetzung – gemeinsam Verantwortung. Ich glaube, dass dies gerade im Hinblick auf die Unabhängigkeit eines Geschichtsmuseums besonders wichtig und richtig ist.

Meine Damen und Herren,
„Das Wesen der Geschichte ist die Wandlung“, dieses Diktum von Jacob Burckhardt gilt auch für Geschichtsmuseen. Stillstand bedeutet auch dort – selbst, wenn Geschichte erst einmal Rückblick bedeutet – in der Regel Rückschritt.

Die Erkenntnisse der Geschichtswissenschaft ändern sich ebenso wie das Publikum, das neue Fragen stellt und auch veränderte Sehgewohnheiten mitbringt. Deshalb ist die Überarbeitung der Ständigen Ausstellung, die 2016, nach 10 Jahren, eine angemessene Dauer haben wird, die nächste große Aufgabe.

Unsere gemeinsame europäische Geschichte zu vermitteln und sie für künftige Generationen lebendig zu erhalten, ist eine schöne und bedeutende Aufgabe. Sie wird hier, im Deutschen Historischen Museum, seit einem Vierteljahrhundert erfolgreich verwirklicht. Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum!

Dienstag, 23. Oktober 2012

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