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Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann anlässlich des Pressetermins zur Ausstellung "Im Licht von Amarna"

Redner:
Bernd Neumann
Gehalten:
Mittwoch, 5. Dezember 2012

"Die Büste der Nofretete ist unzweifelhaft und zu Recht im Eigentum der Stiftung Preußischer Kulturbesitz", erklärte Kulturstaatsminister Bernd Neumann bei der Pressekonferenz. Dafür gebe es umfassende Belege. Sie sei, so Neumann, in Berlin Teil des kulturellen Welterbes geworden und eine herausragende Botschafterin der ägyptischen Kultur und Geschichte.

Anrede,

es gibt Kunstwerke, die zum festen Bestandteil unseres kollektiven Bildgedächtnisses geworden sind. Sie begleiten uns in zahllosen Reproduktionen durchs Leben und sind uns vertraut wie alte Freunde. Viele dieser Werke sind dabei untrennbar auch mit dem Museum verbunden, in dem sie ausgestellt sind: Die Mona Lisa mit dem Louvre, Boticellis „Geburt der Venus“ mit den Uffizien und – Sie ahnen es – die Nofretete mit dem Neuen Museum.

Wohl kaum ein anderes Kunstwerk der Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat eine vergleichbare Popularität erlangt. Nofretete ist Briefmarken-, Werbe- und sogar Wahlkampfmotiv (1999 bei den Grünen) und wurde so zum Wahrzeichen der Berliner Museen. Deshalb ist es nur berechtigt, dass ihr die Stiftung im Nordkuppelsaal dieses Neuen Museums ein so würdevolles Domizil eingerichtet hat. Schließlich wird sie hier dauerhaft bleiben, denn ihr fragiler konservatorischer Zustand schließt weitere Reisen oder temporäre Exkursionen als Leihgabe grundsätzlich aus. Ich freue mich, dass das Ägyptische Museum und die Papyrussammlung den 100. Jahrestag der Entdeckung zum Anlass genommen haben, für eine umfassende Jubiläumsschau.

Die Ausstellung präsentiert in einem bisher nicht da gewesenen Umfang über 1.000 Objekte der Amarna Zeit – zum großen Teil Berliner Bestände, ergänzt durch Leihgaben unter anderem des Metropolitan Museum of Art, des Louvre und des British Museum. Ein Großteil der Funde wird zum ersten Mal überhaupt gezeigt. Damit wird die Ära der Nofretete und des Echnaton in ihren kulturhistorischen Zusammenhang gestellt. Die Ausstellung macht den Alltag und das Leben in der Metropole Amarna auf faszinierende Weise erfahrbar und ermöglicht auch eine wissenschaftliche Neubewertung.

Besonders danken möchte ich den Sponsoren, die diese Ausstellung erst ermöglicht haben. In erster Linie sind hier die Mitglieder des überaus verdienstvollen Museumsinselkuratoriums zu nennen, das immer wieder zum Glanz dieses Weltkulturerbes beiträgt, sowie der Förderverein des Ägyptischen Museums Berlin und der Deutschen Sparkassen- und Giroverband.
Sie haben gemeinsam mehr als die Hälfte der Mittel für die über 1 Million teure Ausstellung aufgebracht.

Nun noch mal zur Nofretete: Um etwaige Fragen vorweg zu nehmen. Die Büste der Nofretete ist unzweifelhaft und zurecht im Eigentum der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Dazu gibt es umfassende Belege, die Frau Professor Seyfried im Jahrbuch 2010 der SPK dargestellt und dokumentiert hat.

Fundteilung als rechtliche Grundlage: Die Vereinbarung mit der ägyptischen Seite sah von Anfang die Fundteilung als Gegenleistung für die Finanzierung vor. Sie war die rechtliche Grundlage, die damals galt und aufgrund derer viele bedeutende Werke für die Nachwelt erhalten werden konnten. Der französisch geleitete ägyptische Antikendienst als Vertreter der ägyptischen Regierung wählte Fundteil aus.

Von einer Täuschung bei der Teilung kann keine Rede sein – sie gehört ins Reich der Mythen: Von herausragenden Fundstücken – so auch von der Büste der Nofretete – lagen aussagekräftige Fotografien vor, es bestand die Möglichkeit, die Objekte zu begutachten.

Nun hat ja pünktlich zum Ausstellungsbeginn ein Nachrichtenmagazin eine alte Geschichte aus dem Jahre 2009 aufgewärmt, wonach bei der Fundteilung 1913 das Aussehen der Nofretete-Büste bewusst im Dunkeln gelassen worden sei.

Auch sei der Klappaltar gefälscht, der als bedeutendstes Objekt der ägyptischen Fundhälfte gilt. Beide Thesen beruhen auf Gerüchten und Behauptungen, die nicht durch Fakten zu belegen und deshalb völlig unhaltbar sind.

Nun scheinen ja die großen Kunstwerke der Weltgeschichte ein unerschöpflicher Quell von Gerüchten, Legenden und Fiktionen zu sein – vom „Da Vinci-Code“ bis zum „Fluch des Pharao“. Deshalb lassen Sie mich zum Thema „Provenienz“ eine grundsätzliche kulturpolitische Anmerkung machen: Jede Museumssammlung hat eine eigene Entstehungsgeschichte, die ebenso vermittelt werden muss wie die Sammlungsobjekte selbst. Die Entstehung und Erwerbung einer Sammlung ist dabei stets im Kontext ihrer jeweiligen Zeit zu sehen.

Die Museen haben – unabhängig vom Herkunftsland – viele Objekte für die Nachwelt gesichert und erhalten. Ihre Rolle bei der Bewahrung unseres kulturellen Erbes ist zentral. Oftmals wurden Funde erst durch die Wissenschaftler und Museen anderer Länder für die Nachwelt gesichert, gepflegt und erhalten. Hierüber sind auch viele Wissenschaftler aus den Herkunftsländern noch heute froh.

Manches was hierbei früher – auch unter Eindruck der Kolonialzeit – rechtmäßig war, würde allerdings heute nach anderen Grundsätzen geregelt.
Wir können aber die Geschichte ferner Jahrhunderte nicht zurückdrehen und glauben, man würde nun nachträglich eine größere Gerechtigkeit erzielen, wenn man alle Sammlungsgegenstände in ihre Herkunftsländer zurückgäbe.

Anderes gilt natürlich für solche Exponate und Sachverhalte, für die mittlerweile international und national verbindliche Regelungen bestehen. Es ist klar, dass völkerrechtliche Vorgaben wie die Haager Konvention von 1907 oder auch die verschiedenen UNESCO-Übereinkünfte zum Kulturgüterschutz berücksichtigt und angewendet werden müssen. Dies gilt für aktuelle Fälle von Raub- und Beutekunst ebenso wie für die in Verbindung mit dem Zweiten Weltkrieg.

Prinzipiell sollten wir uns klar machen, dass Kunstwerke Teil eines universellen Welterbes der Menschheit sind, die – egal wo sie sich befinden – möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht werden sollten. Wichtig sind die Teilhabe und die Möglichkeit der wissenschaftlichen Auswertung der Exponate für Interessierte aus der ganzen Welt. Dies gilt im Besonderen für Wissenschaftler aus den Herkunftsländern, die in die Erforschung und Präsentation der Kunstschätze einbezogen werden sollten. Wir haben eine gemeinsame Verantwortung, unabhängig vom Aufbewahrungsort der Kulturgüter.

Letztlich gibt es auf die Frage, wem die Nofretete gehört, eine ganz einfache Antwort: Uns allen. Die Nofretete ist in Berlin Teil des kulturellen Welterbes geworden und eine herausragende Botschafterin der ägyptischen Kultur und Geschichte. Sie ist ein Wahrzeichen der Museumsinsel als einzigartigem Ort der Weltkulturen. Ich hoffe, dass sich hier im Neuen Museum noch viele weitere Millionen von Gästen aus aller Welt an ihr erfreuen werden.

Der Ausstellung „Im Licht von Amarna“ wünsche ich jedenfalls viele begeisterte und interessierte Besucher.

Donnerstag, 6. Dezember 2012

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