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Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann bei der Verleihung des Deutschen Kurzfilmpreises 2009

Redner:
Bernd Neumann
Gehalten:
Donnerstag, 29. Oktober 2009
Ort:
Reithaus Ludwigsburg

Deutsche Kurzfilme werden seit Jahren weltweit für ihre Kreativität und Experimentierfreude geschätzt und prämiert. Jetzt gehe es darum, den Kurzfilm wieder mehr ins Kino zu bringen, erklärte Bernd Neumann in seiner Rede im Reithaus Ludwigsburg.

- Es gilt das gesprochene Wort. -

Anrede,

ich heiße Sie herzlich willkommen bei der fünften Verleihung des Deutschen Kurzfilmpreises. Jedes Mal ist diese Verleihung, die in Kooperation mit einer Filmhochschule veranstaltet wird, ein besonderes Erlebnis! Alle Filmhochschulen in Deutschland sind erfolgreich und hoch professionell, und jede hat ihr eigenes, unverwechselbares Profil, und deshalb ist es gut, dass mit jeder Preisverleihung eine andere Filmhochschule in den Blickpunkt gerät. Die Verleihung des Kurzfilmpreises, der mit insgesamt 230.000 Euro der höchstdotierte seiner Sparte in Deutschland ist, rückt die jungenTalente – die Studierenden und Absolventen – ins Rampenlicht. Ich finde, dies ist genau der richtige Anlass für die Filmhochschulen, sich zu präsentieren.

In der Anlaufphase des neuen Veranstaltungskonzeptes hat sich drei Jahre lang die HFF Potsdam als glänzender Organisator bewährt. Im vergangenen Jahr waren es die Kölner Filmhochschulen KHM und ifs, und heute sind wir zu Gast bei der renommierten Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Mit der Filmakademie in Ludwigsburg ist mein Haus durch die Masterclass der deutsch-französischen Filmakademie eng verbunden, die wir unter anderem gemeinsam mit dem Land Baden-Württemberg finanzieren. Ich war erst vor einem halben Jahr (am 23. Juni) in Ludwigsburg, und ich muss sagen, ich war sehr beeindruckt von der hervorragenden Arbeit, die hier geleistet wird!

Die Masterclass gibt vor allem Studierenden aus Deutschland und Frankreich ein Jahr lang die Möglichkeit, sich in der Stoffentwicklung, der Finanzierung, der Produktion, dem Vertrieb und dem Marketing für den europäischen Markt zu qualifizieren. Besonders wichtig ist aus meiner Sicht, dass sie das gemeinsam tun und so lebenslange Netzwerke geknüpft werden. Die Masterclass ist darum ein wichtiger Baustein für die Zukunft der filmpolitischen Kooperation zwischen unseren beiden Ländern – und sie ist eine Talentschmiede mit Gespür für Qualität: Es freut mich, dass heute Abend unter den Filmen, die für den Preis zur Auswahl stehen, gleich vier sind, an denen Absolventen der Masterclass mitgearbeitet haben!

Deutsche Kurzfilme werden seit Jahren weltweit für ihre Kreativität und Experimentierfreude geschätzt und prämiert. Man kann von einer Erfolgsserie sprechen: 2005, 2007 und 2008 gewannen Filme von Absolventen deutscher Filmhochschulen Studenten-Oscars. Und in diesem Jahr holte Thomas Freydank darüber hinaus sogar den Kurzfilm-Oscar für „Spielzeugland“. Dieser Film ist ein besonderes Beispiel dafür, dass Kurzfilme mittlerweile auch außerhalb des Kinos präsentiert werden. Im Hamburger Bahnhof zum Beispiel, dem Berliner Museum für zeitgenössische Kunst, läuft „Spielzeugland“  als Teil der vor wenigen Wochen neu eröffneten Dauerausstellung. Ein erfolgreicher Kurzfilm hat also die Weihen der Gegenwartskunst erhalten! Unser Ziel allerdings ist es, den Kurzfilm wieder mehr ins Kino zu bringen! Dafür tut die Bundesregierung einiges. Allein im Bereich der Kinoprogrammpreise zeichnen wir gute Kurzfilmprogramme mit insgesamt 110.000 Euro aus.

Ganz neue Wege beschreiten wir mit dem im letzten Jahr verabschiedeten Filmförderungsgesetz. Im Wege einer neuen Fördermaßnahme werden Kinos dabei unterstützt, Kurzfilme regulär als Vorfilme ins Programm aufzunehmen. Diese Fördermöglichkeit wird von den Kinos bereits rege genutzt. Seit der Einführung im Januar dieses Jahres wurden schon 76 Kinos mit insgesamt fast 80.000 Euro gefördert. Ich bin zuversichtlich, dass eine Renaissance des Kurzfilms als Vorfilm möglich ist! Erinnern wir uns: Vor noch gar nicht so langer Zeit schließlich bildeten Kurzfilme den Auftakt jedes Kinoabends. Sie prägten unsere ersten Kinoerlebnisse. Waren die Vorfilme schlecht, so haben wir sie als notwendiges Übel vor dem sehnsüchtig erwarteten Hauptfilm ertragen; waren sie gut, haben wir uns über sie manchmal länger Gedanken gemacht als über den Hauptfilm. Dieses Potenzial haben Kurzfilme noch heute, nutzen wir es!

Meine Damen und Herren,

ich habe in den vergangenen Monaten viel Rückhalt für meine Politik aus den Kreisen der Filmschaffenden erhalten. Sie können sicher sein: Ich werde mich weiterhin mit aller Kraft für den deutschen Film einsetzen. Eine wichtige Grundlage wurde mit dem Koalitionsvertrag geschaffen, der dem Film erhebliche Aufmerksamkeit schenkt. Er ist ein wichtiges Kulturgut, und darum haben wir uns darauf verständigt, schrittweise mit der Filmwirtschaft, der FFA, Bund und Ländern die flächendeckende Digitalisierung der Kinos zu fördern, um die kulturelle Vielfalt in Deutschland zu erhalten. Eine der faszinierenden Eigenschaften des Films ist ja, dass er Wirtschafts- und Kulturgut zugleich ist. Die konsequente Förderpolitik der letzten Jahre hat dabei deutlich gemacht, dass sich wirtschaftlicher Erfolg und künstlerischer Anspruch nicht ausschließen müssen.

Es ist zudem eine Tatsache, dass der Film für Deutschlands Kulturwirtschaft ein zugkräftiger Motor ist. Der erfolgreiche Deutsche Filmförderfonds wird darum als Erfolgsmodell fortgesetzt; darauf haben sich die Koalitionspartner geeinigt. Dies ist ein wichtiges Signal für den Filmstandort Deutschland – und dazu zählen natürlich auch die Filmhochschulen. Vom Drehbuchschreiber bis zum Filmtechniker: Wir brauchen weiterhin kreative und gut ausgebildete Filmenthusiasten in Deutschland, um die Filmwirtschaft voran zu bringen und ihr eine Zukunft zu sichern.

Es ist ein gutes Zeichen, dass der heutige Workshop mit dem Thema „Low Budget – High Quality: Von der Kunst, ohne Geld hochwertige Filme zu drehen“, den die Filmakademie Ludwigsburg gemeinsam mit dem Verbund der deutschen Filmhochschulstudenten organisiert hat, so gut besucht war. Denn das zeigt: Den jungen Filmschaffenden ist bewusst, dass Geld tatsächlich nur eine Bedingung für gute Filme ist – und beileibe keine Garantie. Wirklich notwendig ist die Leidenschaft, und die ist durch nichts zu ersetzen.

Alle Nominierten des heutigen Abends sind leidenschaftliche Filmemacher, und sie wenden sich darum auch anrührenden und aufwühlenden, höchst aktuellen und doch in ihrer Allgemeingültigkeit  zeitlosen Stoffen zu. Es geht um die Schwierigkeit, miteinander zu kommunizieren, sei es nun zwischen Menschen oder Nationen, um das Erwachsenwerden, um Liebe und Verlust. Ganz besonders freut mich, dass sich im Jubiläumsjahr des Mauerfalls ein Dokumentarfilm mit den letzten Jahren der DDR auseinandersetzt und dafür eine ganz neue Bildsprache findet.

Meine Damen und Herren,

dass wir heute in dieser ansprechenden Atmosphäre den Kurzfilm feiern können, ist nicht zuletzt auch dem Engagement von Förderern und Sponsoren zu verdanken. Deshalb gilt mein besonderer Dank dem Staatsministerium, Frau Staatsrätin Prof. Dr. Hübner, und der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg, Frau Röthemeyer, sowie der Stadt Ludwigsburg, Herrn Oberbürgermeister Spec. Ich danke auch ganz besonders den Mitgliedern der beiden Jurys, stellvertretend Ulrich Wegenast und Stefan Kornatz, die sich in langen Sitzungen im Bundesarchiv Koblenz angesichts einer Vielzahl hervorragender Filme ihre Entscheidungen nicht leicht gemacht haben. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie anspruchsvoll, schwierig und auch manchmal kontrovers Filmjurysitzungen sein können. Ich finde die Auswahl der nominierten Filme großartig!

Bedanken möchte ich mich aber vor allem bei den Organisatoren dieser Verleihungsveranstaltung, Herrn Professor Schadt und seinem Team. Und der Gastgeber für das nächste Jahr steht auch schon fest! Mein Dank geht an die Hamburg Media School, die das große Fest der kurzen Filme im nächsten Jahr ausrichten wird. Auf Wiedersehen 2010 in Hamburg – und viel Vergnügen heute Abend!

Donnerstag, 29. Oktober 2009

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