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Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann beim Empfang des Internationalen Ausschusses des ISD

Redner:
Bernd Neumann
Gehalten:
Mittwoch, 16. Januar 2013

In seiner Rede unterstrich Neumann die Bedeutung des Internationalen Suchdienstes Bad Arolsen für die Aufarbeitung der NS-Terrorherrschaft. Neu organisiert und unter neuer Leitung werde er seine erfolgreiche Arbeit fortsetzen.

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrte Mitglieder des Internationalen Ausschusses, sehr geehrte Frau Dr. Boehling, sehr geehrter Herr Dr. Blondel, meine Damen und Herren,

es freut mich, Sie heute hier im Kanzleramt begrüßen zu dürfen. Das Treffen des Internationalen Ausschusses, zu dem Sie alle hier nach Berlin gekommen sind, ist in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich. Es ist das erste Treffen, bei dem der ISD nicht mehr unter der Leitung und Verwaltung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz steht.

Es ist auch das erste Treffen, an dem Sie Frau Boehling, als neue Direktorin teilnehmen, und das letzte Treffen, das Sie, Herr Blondel, als Vorgänger von Frau Boehling wahrnehmen.

Vor zwei Wochen, am 1. Januar, trat das neue ISD-Übereinkommen – zunächst vorläufig – in Kraft. Alle Beteiligten haben sehr lange um den Text gerungen, aber ich denke, dieses Übereinkommen bietet eine gute Grundlage dafür, die bisherige erfolgreiche Arbeit des Internationalen Suchdienstes weiterzuführen, gleichzeitig aber auch den neuen Herausforderungen gerecht zu werden.

Mit Beginn des Jahres hat auch offiziell die institutionelle Partnerschaft zwischen dem ISD und dem Bundesarchiv, einer großen Einrichtung in meinem Geschäftsbereich, begonnen. Ich freue mich, dass der Präsident, Michael Hollmann, anwesend ist. Mein Haus hat vor einem Jahr die Finanzierungszuständigkeit mit jährlich über 14 Millionen Euro für den ISD übernommen. Dieser Wechsel vom Innenministerium zu uns ist inhaltlich begründet. Denn der ISD entwickelt sich immer mehr von einem reinen Suchdienst hin zu einem modernen Archiv, das der Wissenschaft und Forschung dient.

Um diese Entwicklung erfolgreich weiterführen zu können, steht dem ISD mit dem Bundesarchiv ein kompetenter und zuverlässiger Partner zur Verfügung.

Mein Haus ist aber nicht nur für Archivfragen, sondern auch für die Erinnerungskultur und das Gedenken zuständig. Die Bundesregierung weiß um ihre Verantwortung, die aus einer schrecklichen Vergangenheit erwachsen ist. Es ist uns deshalb ein besonders wichtiges Anliegen, den Opfern von Krieg und Barbarei würdig zu gedenken und das Wissen um die Menschheitsverbrechen des NS-Regimes an künftige Generationen weiterzugeben.

Die Erinnerung und Aufarbeitung dieser Vergangenheit bleibt Aufgabe für alle Zeiten. Wir fördern daher vor allem national bedeutsame Einrichtungen wie die sogenannten KZ-Gedenkstätten, die sich der Aufarbeitung des Nationalsozialismus und dem Gedenken der Opfer widmen.
Aber auch Mahnmale wie das Denkmal für die ermordeten Juden Europas oder das im Oktober letzten Jahres eingeweihte Mahnmal zur Erinnerung an die im Holocaust ermordeten Sinti und Roma Europas seien genannt. Viele dieser Einrichtungen arbeiten bereits mit dem ISD zusammen.
Der ISD hat einen unschätzbar wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der NS-Terrorherrschaft geleistet, indem er Menschen, die durch Krieg, Gewalt und Terror auseinandergerissen wurden, wieder zusammengeführt hat. Zumindest konnte er Angehörigen Gewissheit über das Schicksal ihrer vermissten Familienmitglieder vermitteln.

Mit größerem zeitlichem Abstand zu den Geschehnissen werden jedoch auch beim ISD neben der eigentlichen Schicksalsklärung die Forschung und die Vermittlung von Wissen immer wichtiger.

Die beim ISD vorhandenen Unterlagen aus der Zeit des NS-Regimes dokumentieren in besonderer Dichte das ungeheuerliche Verbrechen des Holocaust mit Totenbüchern, Transportlisten, Straflisten und anderen aussagekräftigen Unterlagen zur planmäßigen Verfolgung und Ermordung von Juden und anderen Opfergruppen. Diese authentischen Quellen sind für die historische Forschung von besonderer Bedeutung.

Sie ergänzen anderes Archivgut des Holocaust, das in deutschen und europäischen Archiven, aber auch bei Yad Vashem, im US Holocaust Memorial Museum oder dem Nationalarchiv in Washington zugänglich ist. Ich freue mich, dass Herr Paul Shapiro anwesend ist, dessen Holocaust-Memorial-Museum ich 2009 in Washington besuchen konnte.

Der ISD ist auch für die Zukunft gut gerüstet und wird weiterhin eine maßgebliche Rolle bei der Aufarbeitung der Verbrechen des NS-Regimes spielen. Mein Haus als auch das Bundesarchiv werden den ISD auf diesem Wege gern begleiten.

Sehr geehrte Frau Boehling, ich begrüße sehr, dass der Internationale Ausschuss Sie als neue ISD-Direktorin gewinnen konnte. Ich glaube, dass der ISD unter Ihrer Leitung seine erfolgreiche Arbeit fortsetzen wird und freue mich auf eine gute Zusammenarbeit.

Sehr geehrter Herr Blondel, Ihnen und dem IKRK möchte ich noch einmal für Ihr jahrzehntelanges Engagement danken.

Meine Damen und Herren, gleich im Anschluss ist ein Rundgang im Kanzleramt vorgesehen, es ist ein architektonisch bemerkenswertes Haus. Meine Stellvertreterin, Frau Berggreen-Merkel wird Sie dabei begleiten. Fühlen Sie sich bei uns wohl! Ich wünsche Ihnen weiterhin erfolgreiche Tagungsergebnisse hier in Berlin und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

Donnerstag, 17. Januar 2013

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