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Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann zum "Tag des offenen Denkmals"

Redner:
Bernd Neumann
Gehalten:
Sonntag, 8. September 2013
Ort:
Bremen

Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat in Bremen den diesjährigen "Tag des offenen Denkmals" eröffnet. Denkmalschutz und -pflege seien unverzichtbar für den Erhalt des einzigartigen kulturellen Erbes, erklärte er. Der Bund werde hier seiner Vorbildfunktion gerecht.

- Es gilt das gesprochene Wort. -

Anrede,


im vergangenen Jahr haben wir nur wenige Kilometer weseraufwärts vor unserem wunderbaren UNESCO-Weltkulturerbe Bremer Rathaus den bundesweiten Tag des offenen Denkmals 2012 eröffnet. Das Rathaus als Juwel der Gotik und der Weserrenaissance, Zeichen von Macht, Pracht und Bürgerstolz lässt allein wegen seiner Schönheit kaum einen Zweifel darüber zu, ob wir es für kommende Generationen erhalten und an sie weitergeben sollen. Aber wie steht es mit dem Ort, an dem wir uns heute befinden, dem Bunker Valentin?

Bauten wie dieser stehen in diesem Jahr im Zentrum des bundesweiten Denkmaltags unter dem Motto: "Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?". Es ist schon wichtig, auch einmal den Blick auf die Denkmäler zu lenken, die kein Wohlgefühl vermitteln und uns nicht durch ihre Schönheit begeistern. Auch ein so schreckliches und inhumanes Bauwerk wie der Bunker Valentin ist seit nunmehr acht Jahren denkmalgeschützt. Denn der Wert einer Stätte bemisst sich nicht nur nach ihrem künstlerischen Anspruch und ästhetischen Gesichtspunkten, sondern auch nach ihrer historischen Bedeutung.

Und so stehen wir hier vor dem U-Boot-Bunker Valentin als einem Mahnmal für den dunkelsten Teil unserer Geschichte, das exemplarisch für den gigantischen Rüstungswahn und die menschenverachtende Ideologie der Nationalsozialisten gelten kann.
Seit 1942 bis Kriegsende mussten hier bis 12.000 Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene oder Deportierte aus allen Teilen Europas Tag für Tag unter unerträglichen Bedingungen arbeiten. Schätzungen zufolge verloren dabei 2.000 Menschen ihr Leben.

Ich war von Anfang an von den Plänen überzeugt, den Bunker als Denkort für Besucher begeh- und erfahrbar zu machen und hier über die historischen Hintergründe zu informieren. Daher habe ich eine finanzielle Unterstützung des Bundes für dieses Projekt auf den Weg gebracht. Insgesamt wird die Bundesregierung aus Mitteln für die Gedenkstättenförderung über 1,9 Mio. Euro für den Aufbau dieses Denkortes zur Verfügung stellen. Hier wird dann auch die Ausstellung zur Geschichte des U-Boot Bunkers einen festen Standort finden, die 2007 im Bremer Rathaus eröffnet und ebenfalls schon durch den Bund gefördert wurde.

Vor über zwei Jahren konnte ich bereits gemeinsam mit Bürgermeister Böhrnsen den Denkort für die pädagogische Arbeit eröffnen, die seitdem regelmäßig hier stattfindet. Es wird auch in Zukunft möglich sein, einzelne Projekte hier im Denkort Bunker Valentin zu fördern, denn der Bund unterstützt die Länder und Kommunen dabei, der wichtigen Aufgabe des Gedenkens und Erinnerns gerecht zu werden. Dazu muss allerdings der Betrieb der Gedenkstätte sichergestellt sein – und das, so möchte ich deutlich sagen, ist nicht Aufgabe des Bundes, sondern der Kräfte vor Ort.

Es ist und bleibt eine zentrale Verpflichtung für jedes Bundesland und auch für die Bundesregierung, die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten und ihr menschenverachtendes Regime sowie das Gedenken an seine Opfer wach zu halten – jetzt und für alle Zeiten!

Meine Damen und Herren,

Lassen Sie mich anlässlich des heutigen Tages des offenen Denkmals feststellen: Denkmäler sind Zeugen unserer Geschichte und prägen unsere reiche Kulturlandschaft. Es ist eine bedeutende gesamtgesellschaftliche Aufgabe, Kulturdenkmäler für künftige Generationen zu bewahren. Denkmalschutz und -pflege sind unverzichtbar für den Erhalt des einzigartigen kulturellen Erbes. Der Bund wird seiner Vorbildfunktion beim Denkmalschutz gerecht.

Seit 2008 ist es mir gelungen, zusätzlich zum seit langem bestehenden normalen Denkmalpflegeprogramm des Bundes vier Sonderprogramme mit einem Volumen von rund 130 Millionen Euro aufzulegen, mit denen der Denkmalschutz verstärkt auch in den Regionen gefördert wird. Über 900 Projekte können davon profitieren – es ist das umfassendste Programm für Denkmäler in der Fläche in der Geschichte der Bundesrepublik! Dennoch bleiben natürlich in erster Linie die Länder für den Bereich Denkmalschutz und -pflege zuständig und müssen ihrer Verantwortung gerecht werden.

Was mich vor dem Hintergrund der immens verstärkten Hilfen des Bundes allerdings wirklich maßlos enttäuscht, ist die diesjährige Ankündigung der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen, zukünftig die Haushaltsmittel für den Denkmalschutz zu streichen. Das heißt im Klartext, dass NRW wegen fehlender Kofinanzierung das Engagement des Bundes verspielt.

Darüber hinaus ist diese Ankündigung auch ein Schlag ins Gesicht der vielen privaten Eigentümer, die sich großenteils aufopferungsvoll für den Erhalt denkmalgeschützter Gebäude einsetzen! Nicht zu unterschlagen sind auch die negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft: Von der öffentlichen Denkmalschutzförderung profitieren die kleinen und mittelständische Bau- und Handwerksbetriebe, die im Bereich der Denkmalsanierung aktiv sind. Diesen Betrieben wird mit den Kürzungen ein Teil ihrer wirtschaftlichen Grundlagen entzogen. Mittelfristig geht dann auch handwerklicher Sachverstand für die Sanierung von Denkmälern verloren.

Das schlechte Vorbild von NRW hat ja nun auch umgehend Schule gemacht: So wird aktuell auch über etwaige Kürzungspläne der Landesregierungen in Berlin und Rheinland-Pfalz bei der Denkmalschutzförderung berichtet. Ich fordere diese Länder auf, ihre Pläne nicht zu realisieren!
Auch Bremen und Bremerhaven profitieren von der Denkmalschutzförderung des Bundes erheblich – und hier darf ichs sagen: Überproportional!

Aus meinem Haushalt fließen allein in diesem Jahr 865.000 Euro Bundesmittel in das Land Bremen. Damit werden unter anderem die Propsteikirche St. Johann, das Segelschiff Deutschland in Vegesack und die ehemalige Wollkämmerei in Blumenthal saniert. Damit fließen immerhin 500.000 Euro - und damit 60 % - allein in diesem Jahr nach Bremen-Nord. Vor einiger Zeit konnte im Übrigen die Orgel in der Grohner Kirche St. Michael mit Bundesmitteln restauriert werden. Sie sehen, dass ich meine Heimat Bremen-Nord nicht vergesse!

Abschließend bedanke ich mich bei den Organisatoren des heutigen Denkmaltages hier in Bremen wie auch in Bremerhaven – also bei Herrn Skalecki vom Landesamt für Denkmalpflege und Herrn Köcher von der Landeszentrale für Politische Bildung.

Auch den vielen Ehrenamtlichen, die mit ihren informativen Führungen dazu beitragen, dass wir Zugang auch zu den „unbequemen Denkmalen“ finden können – danke ich – und Ihnen, meine Damen und Herren – fürs Zuhören!

Dienstag, 10. September 2013

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