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Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann zur Einweihung des wiederaufgebauten Neuen Schlosses Bad Muskau

Redner:
Bernd Neumann
Gehalten:
Mittwoch, 4. September 2013

Der deutsch-polnische Muskauer Park gehört seit 2004 zum Unesco-Weltkulturerbe. Für die Bundesregierung habe der Park als partnerschaftliches, deutsch-polnisches Gemeinschaftsprojekt eine ganz besondere Bedeutung, erklärte Kulturstaatsminister Bernd Neumann bei der Einweihung des wiederaufgebauten Neuen Schlosses.

- Es gilt das gesprochene Wort.-

Anrede,
vor zwei Jahren konnten wir im Muskauer Landschaftspark die Englische Brücke wieder einweihen. Sie ist mehr als eine Brücke über die Neiße, die Lebensader des Parks – sie ist vor allem auch ein Symbol für die Verbindung zwischen Polen und Deutschland. Heute können wir ein weiteres freudiges Ereignis begehen: Pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau erstrahlt das Herzstück des Parks, das Neue Schloss, wieder vollständig in seinem Glanz.

Der Muskauer Park ist eine von drei länderübergreifenden UNESCO Weltkulturerbestätten in ganz Deutschland. Für die Bundesregierung – und hier darf ich nicht nur für mein Haus sprechen – hat der Park als partnerschaftliches, deutsch-polnisches Gemeinschaftsprojekt eine ganz besondere Bedeutung. Die Bundesregierung hat sich schon bald nach der Wiedervereinigung mit Nachdruck dafür eingesetzt, das damals in Ruinen liegende Neue Schloss und den Landschaftspark beiderseits der Neiße wiederherzustellen. Dies geht nicht zuletzt auf einen ausdrücklichen Wunsch des damaligen Bundeskanzlers Dr. Helmut Kohl zurück. Er wollte damit ein deutliches Zeichen für die deutsch-polnische Aussöhnung setzen.

Heute, fast ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall – den wir nicht zuletzt dem Mut und dem Vorbild der freiheitsliebenden Männer und Frauen in Polen verdanken –, sind sich unsere beiden Nationen näher denn je. Darum freue ich mich besonders, dass heute mein polnischer Amtskollege Bogdan Zdrojewski hierher gekommen ist, um das Jubiläum der Stiftung und die Wiederherstellung des Neuen Schlosses mit uns zu feiern! Lieber Bogdan, ich möchte gerne am Ende meiner zweiten Amtszeit als Kulturstaatsminister sagen, dass ich zu keinem meiner europäischen Amtskollegen ein ähnlich freundschaftliches und vertrauensvolles Verhältnis gepflegt habe. Weit über ein dutzend Mal sind wir in den letzten Jahren zusammengetroffen.

Dass ich im vergangenen Jahr den höchsten Kulturorden, Gloria Artis, der Republik Polen, erhalten habe, hat mich nicht nur persönlich sehr glücklich gemacht, sondern zeigt auch, wie erfreulich die deutsch-polnischen Beziehungen gerade auf dem Gebiet der Kultur in den letzten Jahren gewachsen und gediehen sind. Lieber Bogdan, noch einmal herzlich willkommen!

Der Muskauer Park ist nicht nur ein Symbol der deutsch-polnischen Verständigung, sondern vor allem auch ein besonders schönes und auch besonders frühes Beispiel dafür, wie gut der kooperative Föderalismus in der Kultur funktioniert.

Mit Kabinettbeschluss vom 4. November 1992 wurde der Park in die Liste der dauerhaft vom Bund geförderten Einrichtungen aufgenommen. Seither unterstützen die Bundesregierung und der Freistaat Sachsen gemeinsam seine Wiederherstellung. Mehr als 29 Mio. Euro an Bundesmitteln wurden insbesondere in die Sanierung des Neuen Schlosses investiert (12,7 Mio. Euro). Und ich darf Ihnen versichern: Der Bund steht weiter zu seiner Finanzierungsverpflichtung! Dies wird heute durch die Unterzeichnung eines Finanzierungsabkommens nachdrücklich dokumentiert, die Ministerpräsident Tillich und ich nachher vornehmen werden.

Das Sächsische Finanzministerium hat sehr engagiert die Verantwortung für den Park übernommen und 1993 die Stiftung "Fürst-Pückler-Park Muskau" gegründet. Das, lieber Herr Ministerpräsident Tillich, ist alles andere als selbstverständlich, wo doch solche Finanzbehörden ansonsten nicht gerade als besonders gebe- und kulturfreundlich bekannt sind. Aber hier im Freistaat Sachsen ist das anders – und das macht sich immer wieder bei der hervorragenden Pflege des kulturellen Erbes bemerkbar. Sachsen hat weiterhin die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben für die Kultur im gesamten Bundesgebiet, und auch für das bundesweit einzigartige Sächsische Kulturraumgesetz hege ich große Sympathien.

Ganz enorm ist die Fülle herausragender Kultureinrichtungen von nationalem und europäischem Rang hier in Sachsen. Sie zu pflegen, zu schützen und weiterzuentwickeln ist eine Aufgabe, der sich der Freistaat nach Mauerfall und Wiedervereinigung mit viel Tatkraft und Energie gewidmet hat. Der Bund war dabei immer ein starker Partner. Es gibt – außer Berlin – kein Bundesland, in dem sich der Bund für den Erhalt des kulturellen Erbes so stark finanziell engagiert wie für Sachsen und seine Landeshauptstadt Dresden.

Lassen Sie mich schlaglichtartig einige Projekte nennen:
- 4 Denkmalschutzsonderprogramme: 93 Projekte, über 10 Mio. € – die meisten bei neuen Bundesländern.
- Neben den 29 Mio. € für Bad Muskau: 93 Mio. für Erhaltung national wertvoller Kulturdenkmäler und bedeutender Kultureinrichtungen wie: Lessing-Museum in Kamenz, Museen im Grassi in Leipzig, Deutsches Hygiene Museum in Dresden, Kunstmuseum Chemnitz, Bach Archiv Leipzig.
- 12,5 Mio. €: Einrichtung des Schlesischen Museums in Görlitz.
- Neubau der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig: 60 Mio. €.
- Ankäufe: Sammlung Lyonel Feininger für Chemnitz (875 T €), Konvolut von Gerhard Altenbourg für Dresden (313 T €), aktuell: Musikbibliothek Peters für Leipzig (600 T €).
- Reformationsjubiläum: Aktuell 1,2 Mio. € für zwei Ausstellungen im Rahmen des Reformationsjubiläums in Torgau und Rochlitz.
- Staatliche Kunstsammlungen Dresden: Bisher rund 15,5 Mio. € allein für Baumaßnahmen.

Am 19. September, werde ich mit Staatsminister Professor Dr. Georg Unland die Finanzierungsvereinbarung für den weiteren Ausbau des Georgenbaus des Residenzschlosses in Dresden unterzeichnen. Noch einmal 5 Millionen Euro des Bundes werden dafür investiert.

Sachsens prägnante Flusslandschaften sind zwar von besonderer Schönheit, geben aber auch immer wieder Grund zur Besorgnis. Insgesamt 71 Millionen Euro Fluthilfe hat der Bund für Sachsen nach den Flutkatastrophen von 2002 und 2010 geleistet.

Zum Glück hat die Flut in diesem Sommer hier in Bad Muskau keine großen Schäden angerichtet und das Erreichte wieder zerstört, wie es leider vielerorts geschehen ist. Es wird jedoch geschätzt, dass rund 1.700 denkmalgeschützte Gebäude alleine im Freistaat Sachsen betroffen sind. Die Bundesregierung wird alles daran setzen, hier schnellstmöglich zu helfen.

Meine Damen und Herren,

im Artikel 35 des Einigungsvertrages heißt es: "In den Jahren der Teilung waren Kunst und Kultur – trotz unterschiedlicher Entwicklung der beiden deutschen Staaten in Deutschland – eine Grundlage der fortbestehenden Einheit der deutschen Nation".

Mit dem Mauerfall und der Wiedervereinigung hat unser Land die Chance bekommen, bedeutende Stätten seiner Identität als Kulturnation zu retten und ihnen wieder ihren angestammten Platz zu sichern. Und die Investitionen haben sich gelohnt. Nirgends besser als in der Kultur lassen sich die „Blühenden Landschaften“ erkennen.

Das gilt natürlich besonders hier, in diesem herrlichen Landschaftsgarten, aber auch in den sanierten Altstädten sowie den international bedeutenden Kulturinstitutionen.

Der Bund wird weiterhin ein verlässlicher Partner bei der Finanzierung der herausragenden Kultureinrichtungen in den neuen Ländern und bei den Investitionen für nationale Kultureinrichtungen bleiben. Aber ich betone auch: an erster Stelle sind aufgrund der Kompetenzverteilung des Grundgesetzes die Länder in der Pflicht. Lassen Sie mich an dieser Stelle sagen: Wir sollten trotz ökonomischer Krisen nicht im Spar-Aktionismus das zerschlagen, was wir in dem Vierteljahrhundert seit der Wiedervereinigung mühsam gerettet und aufgebaut haben!

Mit dem heutigen Tag können wir den glücklichen Abschluss eines großen Vorhabens feiern. Aber Stillstand kann es nicht geben.

Wir müssen weiter gemeinsam daran arbeiten, das große Erbe des Fürsten Pückler zu erschließen und in seiner Gesamtheit und an allen seinen Orten erkennbar zu machen: In Muskau in Sachsen, in Mużakowski in der Woiwodschaft Lubuskie und auch in Branitz in Brandenburg. Dafür müssen in vielerlei Hinsicht Grenzen überwunden werden: nationale, finanzielle und organisatorische. Ich bin jedoch überzeugt, dass sich jeder Einsatz und jede Anstrengung für dieses einzigartige europäische Kulturerbe lohnt.

Der Schöpfer dieser Kleinodien, Hermann von Pückler-Muskau, hat einmal gesagt: „Wer mich ganz kennenlernen will, muss meinen Garten kennen, denn mein Garten ist mein Herz“. Dieses Herz, seine Gärten, kann nur als Ganzes schlagen. Helfen wir ihm dabei.

Donnerstag, 5. September 2013

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